WAS HEUTE WICHTIG WAR
Wie eskaliert der Bieterkampf um Warner Bros. zwischen Netflix und Paramount – und welche Rolle spielt Trump?
Der Übernahmekampf um Warner Bros. Discovery (WBD) spitzt sich zu: Nachdem Netflix (NFLX) vergangene Woche einen rund 72-Milliarden-Dollar-Deal für die Studios- und Streaming-Assets von Warner (inklusive DC, Harry Potter und HBO/HBO Max) vereinbart hatte, kontert Paramount Skydance nun mit einem feindlichen All-Cash-Angebot über 30 US‑Dollar je Aktie für den gesamten Konzern – 108,4 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Während Netflix vor allem die Streaming-Vermögenswerte herauslösen will, zielt Paramounts Angebot auf das komplette Warner-Imperium inklusive Kabelsendern wie CNN und Food Network und verspricht den WBD-Aktionären damit einen Baraufschlag von rund 10 % gegenüber dem gemischten Cash/Stock-Angebot von Netflix (circa 27,75 Dollar je Aktie). Trump gießt zusätzlich Öl ins Feuer: Er lobt zwar Netflix-Co-CEO Ted Sarandos, stellt aber auf dem roten Teppich und in TV-Interviews offen in Frage, ob eine Fusion des größten Streamers mit dem drittgrößten (HBO Max) aus Wettbewerbssicht zulässig sei, und deutet an, er wolle sich persönlich in die kartellrechtliche Prüfung einbringen – ein in dieser Form höchst ungewöhnlicher Eingriff des Weißen Hauses in einen M&A-Prozess.
Brisant wird die Lage auch dadurch, dass Medienberichte den Jared-Kushner-Fonds Affinity Partners und die Familie Ellison (Larry und David Ellison) als zentrale Financiers hinter Paramounts Offerte nennen, was Befürchtungen nährt, regulative Entscheidungen könnten politisch motiviert sein. Für die WBD-Aktionäre entsteht damit ein komplexer Abwägungsprozess: Das Netflix-Paket bewertet der Warner-Vorstand bereits als einem 30-Dollar-Gesamtwert leicht überlegen (Spanne 30,50–31,50 Dollar je Aktie), bietet jedoch weniger Transaktionssicherheit wegen der massiven antitrust-Risiken bei einer Streaming-Konsolidierung und einer erwartbaren Schlacht vor FTC und Justizministerium. Paramount dagegen lockt mit sofortiger Cash-Prämie für alle Assets, einem potenziell leichter vermittelbaren Wettbewerbsnarrativ (stärker fragmentierter Streamingmarkt, viel Live-Sport im Kombi-Konzern) – muss für ein direktes Angebot an die Aktionäre aber zunächst selbst die Genehmigung der Behörden einholen, was 12 bis 15 Monate dauern dürfte.
An der Börse spiegeln sich die Frontlinien klar: WBD kletterte auf 27,21 Dollar (+4,33%), getrieben von der Aussicht auf ein höheres Gebot oder einen Bieterwettstreit, während NFLX mit 96,41 Dollar (-3,82%) unter Druck geriet. Analysten warnen, dass Netflix mit dem Warner-Deal kurzfristig eine Phase erhöhter Unsicherheit und Verschuldung eingeht, während die versprochenen Synergien von rund 6 Milliarden Dollar EBITDA nur einen relativ kleinen Bruchteil des Kaufpreises ausmachen und die Kapitalrendite für das eingegangene Risiko bislang wenig überzeugend wirkt. Zugleich wird Hollywood nervös: Kreative und Gewerkschaften fürchten weitere Massenentlassungen und Studio-Zusammenlegungen, egal ob Netflix oder Paramount am Ende den Zuschlag erhält – und Kartell- und Medienexperten verweisen darauf, dass nicht nur Netflix, sondern auch YouTube, Amazon Prime und werbefinanzierte Plattformen wie Tubi den Streamingmarkt immer stärker oligopolisieren.
Warum zahlt IBM 11 Milliarden Dollar für Confluent – und was bedeutet das für den KI-Boom?
IBM greift für rund 11 Milliarden US‑Dollar in bar zu und übernimmt die Daten-Streaming-Plattform Confluent (CFLT) für 31 Dollar je Aktie, um sich im KI-Zeitalter als zentrale Infrastrukturadresse für Echtzeitdaten in Unternehmen zu positionieren. Der Deal, einer der größten Zukäufe in der IBM-Geschichte, wird vollständig aus vorhandenen Barmitteln finanziert und soll bis zur Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein; die CFLT-Aktie sprang daraufhin um knapp +29% auf 29,84 Dollar, während IBM mit 309,46 Dollar leicht fester schloss (+0,49%), was der Markt als stillschweigende Zustimmung zum strategischen Schritt interpretiert. CEO Arvind Krishna will Confluent nicht in Red Hat, sondern in die IBM-Softwaresparte “Data” integrieren und setzt auf “unglaubliche Go-to-Market-Synergien” über den bestehenden IBM-Vertrieb, um Confluents derzeit rund 20-prozentiges Umsatzwachstum auf über eine Milliarde Dollar Jahresumsatz hinaus weiter zu beschleunigen.
Inhaltlich zielt IBM damit klar auf den Engpass, der alle generativen KI-Anwendungen verbindet: KI-Agenten müssen in Echtzeit und kontrolliert auf Daten aus unterschiedlichsten Quellen wie Azure, AWS, ServiceNow oder On-Prem-Rechenzentren zugreifen können – genau hier ist Confluent mit seiner Event- und Daten-Streaming-Plattform Marktführer. IBM prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren rund eine Milliarde neuer KI-Anwendungen entstehen werden, die eine leistungsfähige Datenplattform als “Intelligenz-Zulieferer” benötigen, und will Confluent nutzen, um diesen Bedarf quer über Multi-Cloud-Umgebungen hinweg zu adressieren. Trotz fehlender Nettogewinne bei Confluent verweist IBM auf die attraktive Unit Economics: Durch die Einbettung in IBMs Konzernstruktur (G&A, Treasury, Payroll) sollen Kosten gesenkt, mehr Mittel für F&E freiwerden und der Pfad zur Profitabilität verkürzt werden.
Strategisch differenziert sich IBM damit von Cloud-Schwergewichten wie Microsoft und Oracle, die stärker auf Rechenzentrumsinfrastruktur und eigene KI-Modelle fokussieren: Krishna beschreibt Oracle als klassisches Infrastruktur-Play, während IBM sich als Daten-Orchestrator sieht, der auch auf fremder Infrastruktur – etwa Oracles Datenbanken oder Microsofts Azure – läuft und diese für KI-Anwendungen erschließt. Für Investoren ist der Deal ein weiterer Beleg dafür, dass der KI-Investitionszyklus hinter der Modell-Ebene (LLMs, Chips) nun massiv in die “Plumbing” aus Daten-, Netzwerk- und Softwareinfrastruktur hineinwächst – und dass etablierte Konzerne bereit sind, zweistellige Milliardenbeträge zu zahlen, um sich hier führende Spezialisten einzuverleiben.
Warum wird die Tesla-Aktie trotz KI- und Robotik-Fantasie von Morgan Stanley auf Equal-Weight gesetzt?
Tesla (TSLA) wurde von Morgan Stanley von “Overweight” auf “Equal-Weight” herabgestuft, obwohl das Kursziel leicht von 410 auf 425 US‑Dollar angehoben wurde – ein Niveau, das vom Schlusskurs bei 440,19 Dollar aus immer noch ein moderates Abwärtspotenzial signalisiert. Der neue zuständige Analyst Andrew Prococo argumentiert, Tesla verdiene zwar ein Bewertungsprämium für seine technologische Führungsrolle, doch die Story jenseits des klassischen Autogeschäfts – also Robotaxis, KI-Software und der humanoide Roboter Optimus – sei inzwischen weitgehend eingepreist. Entsprechend kritisiert Morgan Stanley eine extreme Bewertung von rund dem 210‑fachen der erwarteten Gewinne des kommenden Jahres und rechnet damit, dass TSLA 2026 hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben wird.
Gleichzeitig mehren sich operative Fragezeichen: Tesla sieht sich laut Berichten mit “katastrophalen” Verkäufen in wichtigen Märkten konfrontiert, insbesondere in China, wo die Produktion im Werk Shanghai um rund 8,5 Prozent gekürzt wurde. Auf der Produktseite sorgt der jüngste Auftritt des Optimus-Roboters für Spott – ein Video aus Miami zeigt das System stolpernd und mit Bewegungen, die Kritiker wie YouTuber JerryRigEverything für ferngesteuert halten, was Zweifel an der von Elon Musk propagierten Vision nährt, wonach bis zu 80 % der Tesla-Bewertung aus der Robotik stammen könnten. Parallel belastet Musks polarisierende politische Positionierung – etwa seine heftigen Angriffe auf die EU – zunehmend die Marke: Marktbeobachter verweisen darauf, dass Premium-Verbrenner- und Hybridanbieter wie BMW und Mercedes zuletzt deutlich stabilere Absätze und Aktienkursentwicklungen zeigten als Tesla.
Die Herabstufung reiht sich in eine breitere Neubewertung des gesamten EV-Sektors ein, in deren Zuge Morgan Stanley auch Rivian und Lucid wegen “EV-Winter” und nachlassender Nachfrage zurückstuft, während klassische Autobauer wie General Motors wegen profitabler Verbrenner- und Hybridmodelle aufgewertet werden. Für Anleger bedeutet das: Die Tesla-Story verschiebt sich zwar weiter in Richtung Software, KI und Robotik, doch die Börse beginnt, härter zwischen ambitionierter Vision und kurzfristig belastbarer Ertragskraft zu unterscheiden – ein Umfeld, in dem Kursrücksetzer auch bei Highflyern mit KI-Fantasie wieder wahrscheinlicher werden.
Verliert Apple im KI-Rennen den Anschluss, während Meta und OpenAI seine Top-Talente abwerben?
Apple (AAPL) gilt seit Jahren als verlässlicher Qualitätswert, doch aktuell mehren sich die Anzeichen, dass der Konzern im Rennen um KI und neue Hardware-Plattformen ins Hintertreffen gerät, während gleichzeitig wichtige Führungskräfte und Spezialisten zu Rivalen abwandern. In der vergangenen Woche kündigten gleich vier zentrale Köpfe ihren Abschied an: Interface-Designchef Alan Dye wechselt zu Meta, Chefsyndika Kate Adams und Umwelt-Vizepräsidentin Lisa Jackson gehen 2026 in den Ruhestand, und KI-Chef John Giannandrea tritt ebenfalls ab; parallel wird über einen möglichen Abgang von Chip-Architekt Johny Srouji spekuliert. Brancheninsider berichten zudem, dass viele Apple-Engineers, die nicht in den Ruhestand gehen, entweder zu Meta oder zu OpenAI wechseln – zwei der aggressivsten Wettbewerber im aktuellen KI-Wettrennen.
Währenddessen bleibt Apples KI-Strategie nach außen wenig greifbar: Das große, vielfach erwartete Siri-Upgrade wird immer wieder verschoben, und eine kohärente Vision für generative KI im iPhone-Ökosystem ist bislang nicht zu erkennen – auch wenn Häuser wie Wedbush das Kursziel für AAPL jüngst auf 350 Dollar angehoben haben und 2026 als das Jahr ausrufen, in dem Apple voll in die KI-Revolution einsteige. Im Hintergrund bauen Meta und OpenAI gezielt Anti-Apple-Teams auf: Meta holt Apple-Designer, um KI-Wearables und Mixed-Reality-Produkte der nächsten Generation zu entwickeln, während OpenAI seit 2023 mit Hilfe von Sam Altmans Milliarden-Investitionen und der Kooperation mit Star-Designer Jony Ive an neuer, potenziell smartphone-ersetzender Hardware arbeitet. Diese Talentabwanderung trifft Apple in einer Phase, in der chinesische Smartphone-Hersteller aggressiv mit KI-Features werben und Wechselhilfen vom iPhone anbieten – auch wenn Apple im Oktober seine Position im chinesischen Luxussegment mit einem iPhone-Absatzplus von 37 % noch einmal deutlich stärken konnte.
Für Investoren ergibt sich ein ambivalentes Bild: Einerseits bleibt Apple dank Ökosystem, Markenstärke und Services ein Cashflow-Monolith mit weiterhin positiven Analystenstimmen (UBS-Kursziel 280 Dollar, Wedbush 350 Dollar), andererseits steigt der Druck, zeitnah eine überzeugende KI-Produktstrategie zu liefern, um den Bewertungsaufschlag gegenüber der Konkurrenz zu rechtfertigen. Der Konflikt zwischen dieser hohen Erwartungshaltung und der bislang eher vorsichtigen, intern fokussierten KI-Kommunikation dürfte die AAPL-Aktie in den kommenden Quartalen empfindlicher für Nachrichten über weitere Managerabgänge oder Verzögerungen bei KI-Features machen.
Warum bedeuten sinkende Leitzinsen der Fed nicht automatisch billiges Geld für Unternehmen und Verbraucher?
Auch wenn der Markt für die Fed-Sitzung am Mittwoch mit rund 90–93% Wahrscheinlichkeit eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte einpreist, warnen Ökonomen und Anleiheprofis, dass dies nicht automatisch zu deutlich niedrigeren Finanzierungskosten im gesamten System führt. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries ist zuletzt wieder auf etwa 4,15% gestiegen – der stärkste Wochenanstieg seit April – und könnte nach Einschätzung von Marktstrategen trotz zusätzlicher Fed-Cuts 2026 hartnäckig um 4 bis 4,5 % verharren, getrieben von strukturell höherer Inflation, massiven Staatsanleiheemissionen und einem wachsenden Misstrauen gegenüber einer zunehmend politisierten Notenbank. Hintergrund: Die Fed senkt die Leitzinsen primär, um die Refinanzierungskosten der Banken zu reduzieren und die Kreditvergabe anzukurbeln; doch wenn Kreditinstitute angesichts eines reifen Kreditzyklus und steigender Ausfallrisiken selektiver werden, kommt das billigere Zentralbankgeld nicht zwangsläufig bei Haushalten und Unternehmen an.
Genau das zeigt sich aktuell in der K-förmigen US-Wirtschaft, in der wohlhabende Haushalte vom starken Aktienmarkt profitieren, während breite Verbraucherschichten unter hohen Kreditkosten leiden und zunehmend Konsumausgaben zurückfahren. Der aktuelle Kern-PCE-Index mit 2,8% Teuerung zum Vorjahr – der schnellste Anstieg seit dem Frühjahr 2024 – sowie das Beige Book mit Berichten über kühlere Konsumausgaben und einen “stolpernden” Jobmarkt deuten darauf hin, dass die Fed zwar formal Spielraum für weitere Schnitte hat, zugleich aber Gefahr läuft, mit zu lockerer Geldpolitik längerfristig neue Inflationswellen anzustoßen. Zusätzliche Nervosität entsteht, weil im Mai der Fed-Vorsitz wechselt und Präsident Trump offen angekündigt hat, in den kommenden Wochen einen neuen Chef zu nominieren – etwa Kevin Hassett, der von Teilen des Anleihemarkts als potenziell deutlich politisierter Währungshüter gesehen wird.
Die Tatsache, dass die Kapitalmarktzinsen trotz erwarteter Leitzinssenkung steigen, werten viele Investoren daher als “Abstimmung mit den Füßen”: Der Bondmarkt preist ein Szenario höherer künftiger Inflation und erhöhter Staatsverschuldung ein, was höhere Renditen und damit teurere langfristige Kredite erfordert. Für Aktienmärkte und Kreditnehmer heißt das: Selbst wenn die Fed die Leitzinsen 2026 weiter reduziert, bleibt der Zugang zu günstigem Kapital selektiv – und Unternehmen mit schwachen Bilanzen oder Geschäftsmodellen, die auf billige Finanzierung angewiesen sind, könnten im nächsten Abschnitt des Kreditzyklus deutlich stärker unter Druck geraten.