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WallStreetWatch: Nvidia‑Earnings – Euphorie, aber viele Ungereimtheiten

KURZ & KNAPP

Die Vorbörse wird heute von zwei dominanten Themen bestimmt: den Nvidia‑Earnings und dem verspäteten US‑Jobsbericht. Nvidia lieferte einen starken Quartalsbeat und eine deutlich bullische Umsatz‑Guidance für das Januar‑Quartal, doch aus einem ausführlichen Textbeitrag (Finanzmarktwelt.de) ergeben sich erhebliche Fragezeichen zu Bilanzdetails und Nachfragezeichen, die Anleger nicht übersehen sollten. Lagerbestände und Forderungen stiegen stark an, gleichzeitig prognostiziert das Unternehmen für 2026 einen rückläufigen operativen Cashflow — ein Widerspruch zur Rhetorik von „demand off the charts“.

Parallel legt der September‑Payroll‑Report überraschend starke (119.000) Zahlen vor, die Arbeitslosenquote steigt auf 4,4% und Löhne steigen moderat. Das macht die Dezember‑Fed‑Debatte heikler: Märkte hatten eine Zinssenkung eingepreist, doch robuste Stellenzahlen schwächen diese Aussicht derzeit.

Unser Briefing fasst die wichtigsten Stories zusammen, listet kompakte Kurznews zu relevanten Titeln und liefert einen Kalender mit allen heute im Fokus stehenden Unternehmens‑ und Makroterminen — inklusive Zeiten in MEZ (mit ET‑Angabe). Für Trader: Achtet auf Nvidia‑Intraday‑Volatilität, CDS‑Spreads im Tech‑Cluster und die Reaktion von Retail‑ und Hyperscaler‑Aktien auf die Guidance.

AUSBLICK US-Märkte

Deutschland / Europa

Der DAX startete mit freundlicher Tendenz nach den Nvidia‑Zahlen, die den globalen Tech‑Sektor stützen. Einzelne deutsche Gewinner sind Infineon (Erholung, 50‑Tage‑Linie zurückerobert), Siemens Energy (Stärke durch Energiethema) sowie RWE (vorbehaltlich weiterer Käuferaktivität). Verlierer der Vorwoche wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt blieben unter Druck; bei Renk steht heute ein Kapitalmarkttag an. Bei kleineren Tech‑Werten sind Gewinnmitnahmen zu beobachten (Fresenius, Fresenius Medical Care).

Herausstechende Aktien (Auswahl): Infineon, Siemens Energy, RWE, Airbus, SAP. Kurzfristig wird die Stimmung vom US‑Markt und Nvidia‑Reaktion getrieben; mittelfristig bleibt die Fed‑Debatte relevant.

US‑Märkte / Was heute ansteht

Futures zeigen vorbörslich Stärke, angetrieben von Nvidias starken Zahlen. Wichtige Termine: der verspätete September‑Jobs‑Report (08:30 ET / 14:30 MEZ) ist heute maßgeblich für die Fed‑Erwartungen; zusätzlich stehen vorbörslich zahlreiche Unternehmensberichte an (u. a. Walmart). Anleger sollten auf S&P‑ und Nasdaq‑Futures, Reaktionen bei AI‑Anlagen sowie CDS‑Spreads achten. Die vorliegenden Payroll‑Zahlen (siehe Hauptstorys) und Aussagen aus den Fed‑Minutes stützen aktuell eine vorsichtigere Einschätzung zu vorgezogenen Zinssenkungen — Dezember bleibt umstritten.

DIE 5 WICHTIGSTEN STORYS

Story 1 – Nvidia: starke Guidance, aber viele Ungereimtheiten

Nvidia lieferte einen eindrucksvollen Quartals‑Beat und eine bullische Umsatzprognose für das Januar‑Quartal, die den Markt kurzfristig beruhigte. Zugleich listet ein Beitrag auf Finanzmarktwelt.de eine Reihe von Ungereimtheiten: Inventories stiegen nahezu 100% gegenüber dem Vorjahresquartal, Accounts Receivable explodierten, und wenn man diesen AR‑Anstieg herausrechnet, wäre der Umsatz um rund 3,5 Mrd. Dollar verfehlt worden. Gleichzeitig prognostiziert das Management für 2026 einen rückläufigen operativen Cashflow, obwohl die Führung von „demand off the charts“ spricht.

Der Artikel weist auf bilanzielle Umbuchungen hin — etwa die stille Änderung der Erfassung des Ziellandes von Rechnungsanschriften (Singapur verschwindet als Empfängerland) — und auf zahlreiche Absichtserklärungen (z. B. zu Kooperationen wie OpenAI), die bislang nicht als echte, laufende Umsätze sichtbar wurden. Zudem macht die Konzentration: vier Kunden tragen rund 61% des Umsatzes — ein Klumpenrisiko.

Weitere kritische Punkte: massive Lageraufstockungen trotz angeblicher Überauslastung der Cloud‑GPUs, ein ungewöhnlicher Anstieg der Forderungen und Fragen zur Laufzeit bzw. Abschreibung von sehr langlebigen Chips. Kurz: Anleger sollten die starke Guidance zwar respektieren, aber zugleich die Disposition der Bilanzkennzahlen, die Kundenkonzentration und die Diskrepanz zwischen „Narrativ“ und Cashflow‑Prognose kritisch prüfen. Das Thema bleibt für Trader heute das wichtigste Risiko‑/Chance‑Paar: positive Guidance vs. strukturelle Bilanzfragen.

Story 2 – Marktreaktion: Erleichterung, aber strukturelle Sorgen bleiben

Nach Nvidias Zahlen reagierte der Markt mit Erleichterung: S&P‑Futures zogen an, Nasdaq‑Produkte profitierten und viele AI‑nahe Titel gaben Auftrieb. Dennoch zeigen Kreditmärkte und bestimmte Indikatoren anhaltende Stressfaktoren: Credit‑Default‑Swaps einiger Tech‑ und Cloud‑Player weiteten sich in den vergangenen Wochen aus, und in Private‑Credit‑Strukturen (Blue Owl, andere BDC‑Fälle) gibt es vereinzelt Liquiditätsengpässe. Das heißt: Aktien und Kreditmärkte senden teils unterschiedliche Signale.

Hinzu kommt eine fundamentale Debatte über die Wirtschaftlichkeit von KI‑Investitionen: Analysen (u. a. Rothschild) heben hervor, dass ein Dollar an KI‑Capex bisher deutlich weniger direkten Umsatz abwirft als traditionelle Cloud‑Investitionen — ein potenzielles Ertragsproblem, das institutional‑strategische Allokationen prägt. Manche Marktteilnehmer erwarten, dass die spekulative Nachfrage in Nebenbereichen kollabieren könnte, ohne dass die Anführer wie Nvidia sofort einbrechen.

Kurzfristig wird der Markt also von der Frage getrieben, ob die angehobene Guidance echte, nachhaltige Erlöse und Cashflows widerspiegelt oder ob sich die Risiken (Kreditkosten, Finanzierung neuer Rechenzentren, Fehlallokationen) in anderen Marktsegmenten weiter zuspitzen.

Story 3 – Asien, Exporte und Energie: geopolitische & makro Treiber

Die geopolitische Dimension bleibt eine Schlüsselfrage: Nvidia weist China‑Umsätze in der Guidance als null aus, weil Exportbeschränkungen bestehen; die Möglichkeit einer späteren Rückkehr nach China wird diskutiert, ist aber offen. Zugleich erlaubte das US‑Handelsministerium Exporte von Blackwell‑Chips in begrenztem Umfang an bestimmte Partner (G42/Arabische Staaten) unter strengen Bedingungen zur Verhinderung von Umleitungen — das Thema Tech‑Transfer bleibt ein regulatorischer Engpass.

Im asiatischen Raum wirken außerdem makroökonomische Entwicklungen. Japan plant ein großes Stimuluspaket, während die Bank of Japan in den Devisenmärkten intervenierte: der Yen‑Druck und die Reaktion der Notenbank beeinflussen Währungspaare (USD/JPY) und damit indirekt Rohstoffe und Gold. Das macht die asiatischen Käufer für Gold und Energie sensitiv gegenüber globalen Tech‑Zyklen und der Nachfrage nach Strom für Rechenzentren.

Für Nvidia ist die Lage deshalb doppelt relevant: technologische Nachfrage trifft auf geopolitische Exportregeln und regionale Energie‑/Infrastrukturfragen, die den praktischen Aufbau von Rechenzentrumskapazität beeinflussen.

Story 4 – Walmart liefert vor der Glocke: Konsumenten‑Signal vor den Feiertagen

Walmart berichtete vorbörslich und überraschte positiv: das Unternehmen übertraf Gewinnerwartungen und hob die Jahres‑EPS‑Guidance an, was kurzfristig die Aktie stützte. Walmart betont starke Online‑Verkäufe im dritten Quartal und verschiebt seine Notierung von der NYSE zur Nasdaq, behält aber das Ticker‑Symbol WMT.

Für Trader ist Walmart ein wichtiger Konsum‑Barometer vor dem Weihnachtsgeschäft: die Frage ist weniger, ob die Zahlen gut waren, sondern warum — Marktanteilsgewinne, Effizienz oder echte Nachfrageerholung. Angesichts jüngster Misses bei Target und Home Depot ist das Walmart‑Ergebnis ein positives Signal, aber die Details zur Käuferklassen‑Dynamik (leichte Abschwächung bei Niedrig‑Einkommensgruppen vs. konstante Verkäufe bei Mittleren/Höheren) sind entscheidend.

Story 5 – Fed und Payrolls: ein datengetriebener Dezember

Der verspätete September‑Jobs‑Report ist heute das makroökonomische Hauptereignis: die Veröffentlichung erfolgte aufgrund des Government‑Shutdowns verzögert, liefert aber vor der Fed‑Sitzung im Dezember einen zentralen Datenpunkt. Die gelieferten Zahlen (119.000 neue Jobs, Arbeitslosenquote 4,4%, Stundenlöhne +0,2% m/m, Erstanträge 220.000) sind gemischt bis robust und reduzieren kurzfristig die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember.

Die Fed‑Minutes zeigten zuletzt gespaltene Stimmen, und Marktpreise für Zinssenkungen sanken bereits. Heute entscheidet sich, ob die FOMC‑Debatte um eine Dezember‑Entscheidung weiter in Richtung „Hold“ tendieren wird oder ob schwächere Daten die Erwartung einer nahen Senkung wiederbeleben. Für Trader bleibt die Arbeitslosenquote der Schlüssel‑Indikator: Bewegungen über bestimmte Schwellenwerte würden die Fed‑Wetten spürbar verschieben.

KURZNEWS

  • Nvidia (NVDA): Starkes Quartal mit bullischer Guidance; gleichzeitig öffentliche Fragen zu Inventories, Accounts Receivable und der Cashflow‑Prognose für 2026 wurden von einem Beitrag auf Finanzmarktwelt.de herausgearbeitet — Anleger sollten kurzfristige Volatilität und Bilanzdetails beobachten.
  • Walmart (WMT): Vorbörslich übertraf Walmart Erwartungen und hob die Jahres‑EPS‑Guidance an; Online‑Verkäufe waren stark und das Unternehmen kündigte den Wechsel von der NYSE zur Nasdaq an. Wichtig für Trader: Indikatorfunktion vor dem Weihnachtsquartal.
  • Oracle (ORCL): CDS‑Spreads und Kreditabsicherungen bei einigen Cloud‑Providern haben sich ausgeweitet; Oracle‑CDS dient in Teilen des Marktes weiterhin als Liquiditäts‑Benchmark — Folgen für Kreditkosten beachten.
  • AMD (AMD): Peer‑Reaktionen zeigten Stärke; AMD‑Aktie erholte sich im Vorfeld, da Entspannung bei Nvidia‑Lieferengpässen die Nachfrage auf Wettbewerber ausweiten könnte.
  • CoreWeave (CWEAV): Als AI‑naher Cloud‑Provider ein größeres Premarket‑Momentum (starker Anstieg nach Vortagesverlusten); Marktteilnehmer sehen Sektor‑Rotation in AI‑Infrastruktur.
  • BlackRock: Berichtete intern über Prüfungen; in der Diskussion steht eine fehlgeschlagene Prüfung in einem Bereich der Überbesicherung, was zusätzliche Vorsicht im Kreditsektor nahelegt.
  • Blue Owl (BDOC): Teilaspekte des Private‑Credit‑Markts zeigen Stress; bei einem Fonds von Blue Owl führten erzwungene Rückgaben zu vorübergehenden Liquiditätsproblemen — Frühindikator für Kreditzyklus‑Risiken.
  • Warner Brothers Discovery (WBD): Berichten zufolge Versicherungs-/Verhandlungsdetails mit potentiellen Erwerbern; Nutzerkommentare deuten auf Interesse von Netflix und anderen Bietern.
  • Infineon (IFX): Vorbörsliche Stärke nach positiven Hinweisen zur Stromversorgungs‑ und KI‑Rechenzentrumssparte; 50‑Tage‑Linie zurückerobert, Chartsignale positiv.
  • Webull (WBL): Steht heute nach Börsenschluss im Earnings‑Kalender (siehe Kalender); Anleger beachten die nachbörslichen Veröffentlichungen.
  • Veeva (VEEV): Berichtete nach Börsenschluss (im Kalender aufgeführt); Details zu den Zahlen und Marktreaktionen folgen nach Veröffentlichung.
  • Intuit (INTU): Ebenfalls für die Nachbörse gelistet; Marktteilnehmer erwarten Reaktionen im Software‑/Cloud‑Sektor.

KALENDER Firmen & Unternehmen

Earnings‑Kalender (kompakt, 20.11.2025)

Zeit (MEZ) (ET)FirmaArtKurzinfo / Konsens
vorbörslich —Walmart (WMT)Q3 Zahlen (vorbörslich)Erwartungen: n.v.; Bericht vor der Öffnung
vorbörslich —ZIMQxn.v.
vorbörslich —Shoe CarnivalQxn.v.
vorbörslich —Roadrunner TransportationQxn.v.
vorbörslich —Nano‑X / Nanox (NNOX)Qxn.v.
vorbörslich —AllotQxn.v.
vorbörslich —Warner Music GroupQxn.v.
vorbörslich —ATRenew / Vipshop / VNETQx (Chinesische Werte, vorbörslich)n.v.
nachbörslich —WebullQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —VeevaQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —CopartQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —GapQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —ElasticQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —UGIQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —IntuitQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —Post Holdings / Ross / TenonQx (nach Börsenschluss)n.v.
23:00 MEZ (17:00 ET)Nvidia (NVDA)Quartalszahlen (nachbörslich gemeldet)Unternehmens‑Guidance angekündigt; Marktreaktion folgt

Makro‑Termine

Zeit (MEZ) (ET)EventRegionDetails / Relevanz
14:30 MEZ (8:30 ET)Non‑Farm Payrolls (September)USAGemeldete Werte: +119.000 Jobs; Arbeitslosenquote 4,4%; Durchschnittslöhne +0,2% m/m; erstmalige Anträge 220.000. Konsens: n.v. Wichtig für Fed‑Erwartungen vor Dezember‑Sitzung.

IM BLICKPUNKT

  • Nvidia (NVDA) – Zentrale Story des Tages: Quartalsbeat + starke Guidance, aber Finanzmarktwelt.de notiert massive Bilanzfragen (Inventories, AR, Cashflow‑Prognose für 2026). Kurzfristig Haupttreiber für Tech‑Sentiment.
  • Non‑Farm Payrolls (USA) – Veröffentlichung 14:30 MEZ (8:30 ET); gemeldete Daten: +119.000 Jobs, Arbeitslosenquote 4,4%, average hourly earnings +0,2% m/m. Entscheidend für Dezember‑Fed‑Debatte.
  • Federal Reserve / Zinserwartungen – Minutes zeigen geteilte Stimmen; robuste Jobs‑Daten reduzieren aktuell die Wahrscheinlichkeit einer Dezember‑Senkung.
  • Walmart (WMT) – Vorbörslich über den Erwartungen; wichtiger Konsum‑Barometer vor dem Weihnachtsquartal.
  • Credit‑Märkte / CDS – CDS‑Spreads und Private‑Credit‑Signale (z. B. Blue Owl) deuten auf anhaltende Stresspunkte in gewissen Kreditsegmenten hin; Marktreaktion auf Nvidia beantwortet nicht automatisch Kreditrisiken.
  • China / Exporte – Nvidia‑Guidance schliesst China‑Umsätze aktuell aus; US‑Exportgenehmigungen für bestimmte Blackwell‑Chips an Middle‑East‑Partner unter Auflagen bleiben geopolitisch sensibel.
  • Asien / Japan – Japans Stimulus‑Pläne und Wechselkurs‑interventionen beeinflussen EUR/USD, USD/JPY, Gold und Energie; indirekte Relevanz für Rechenzentrums‑Kapazitäten.
  • AI‑Bewertung vs. Monetarisierung – Analysten (u. a. Rothschild) warnen, dass KI‑Capex derzeit wenig direkten Umsatz pro investiertem Dollar erzeugt; längerfristige Monetarisierung bleibt unklar.

Nvidia übertrifft Erwartungen – Blackwell‑Nachfrage, US‑Chipexporte in Nahen Osten und Krypto‑Abverkauf prägen Märkte

KURZ & KNAPP

Nvidia liefert nach Börsenschluss ein klares Beat‑&‑Raise: Bereinigtes EPS 1,30 US-Dollar bei 57 Mrd. US‑Dollar Umsatz, Rechenzentrumserlöse 51,2 Mrd. US‑Dollar und Bruttomarge 73,6%. Das Management guidet das nächste Quartal auf rund 65 Mrd. US‑Dollar (±2%) und sieht Non‑GAAP‑Bruttomargen im Mid‑70er‑Bereich – eine Prognose, die Käufer in der Nachbörse bewegte.

Die Zahlen und die Kommentierung zu Blackwell („off the charts“) sowie die jüngsten US‑Genehmigungen für Chiplieferungen in den Nahen Osten (VAE/Saudi‑Arabien) verschieben die Diskussionen um China‑Exporte und eröffnen neue souveräne Abnehmer‑Szenarien. Für Anleger ist heute wichtig: die Kombination aus starker kurzfr. Datenlage und geopolitisch geprägten Exportpfaden.

Neben Nvidia dominieren drei weitere Themen das Morgen‑Bild: der Einzelhändler‑Zyklus (Walmart/Target/TJX), der Krypto‑Abverkauf mit Druck auf Crypto‑Treasury‑Titeln wie MicroStrategy sowie anhaltende Makro‑Unsicherheit, weil der Oktober‑Jobs‑Report nicht veröffentlicht wurde. Im Kalender stehen mehrere Retail‑Earnings (u.a. Walmart vor dem Markt), die das Bild zum US‑Konsumenten weiter schärfen werden.

RÜCKSPIEGEL US-Nachbörse

US‑Nachbörse

Der Handel schloss mit einer kleinen Erholung: S&P 500, Nasdaq 100 und Dow beendeten mehrtägige Verlustserien mit fraktionalen Gewinnen, getrieben von der Nvidia‑Reaktion nach der Glocke. Die Indizes zeigten damit eine erste Erleichterungsbewegung nach der vorangegangenen Tech‑Schwäche.

Marktteilnehmer fokussierten sich auf Nvidias Zahlen und Guidance: die Aktie reagierte im After‑Hours‑Handel spürbar positiv, was auch den Philadelphia Semiconductor Index anzog. Zugleich blieb die Stimmung vorsichtig – die Volatilität ist zuletzt gestiegen, und die Aktienkorrelation innerhalb der Hyperscaler ist deutlich gesunken, was Differenzierung innerhalb der großen Tech‑Werte anzeigt.

HAUPTSTORYS

1) Nvidia: Beat, starke Guidance und neue Exportwege

Nvidia überraschte nach Börsenschluss mit 1,30 US‑Dollar bereinigtem EPS und 57 Mrd. US‑Dollar Umsatz; das Rechenzentrum trug 51,2 Mrd. US‑Dollar und damit nahezu 90% des Gesamtumsatzes. Die Bruttomarge kam bei 73,6% herein, leicht über Konsens, und das Management guidet das kommende Quartal auf rund 65 Mrd. US‑Dollar (±2%), mit Non‑GAAP‑Bruttomargen nahe 75% — deutlich kräftiger als viele Buy‑Side‑Prognosen.

CEO Jensen Huang beschrieb die Nachfrage nach Blackwell als „off the charts“, Cloud‑GPUs seien ausverkauft; CFO Colette Kress bestätigte, dass H20‑Verkäufe im Quartal unbedeutend waren. Das Management nannte einen Auftragsbestand in dreistelliger Milliardenhöhe (die zuvor kommunizierten ~500 Mrd. US‑Dollar bleiben Referenzgröße) und signalisierte, dass heutige Deals mit Saudi‑Partnern und Anthropic netto neu zum Backlog sein könnten.

Wichtig für Anleger: die Kombination aus starken Quartalsdaten, sichtbarer Lieferkettenplanung und neu erlaubten Exportwegen in den Nahen Osten – US‑Genehmigungen für Lieferungen an VAE/Saudi‑Partner schaffen kurzfristig alternative Absatzpfade, falls China‑Verkäufe limitiert bleiben. Free Cash Flow lag bei 22 Mrd. US‑Dollar (Street: 27 Mrd.), was das Cash‑Profil unterstreicht, aber auch auf Lageraufbau und Komponenten‑Dynamik hinweist.

Marktreaktion: die Aktie stieg in den Nachstunden deutlich; Tech‑Peers und Zulieferer (TSMC, Broadcom, AMD, Micron, CoreWeave u. a.) profitierten von einem breiten Sympathieeffekt, während Diskussionen über Konkurrenz, China‑Risikofaktoren und die Finanzierung großer Hyperscaler‑CapEx weiter an Bedeutung gewinnen.

2) Konsument & Einzelhandel: Zerrbild zwischen Wert‑ und Premiumangeboten

Die Einzelhandelsberichte dieser Woche liefern ein gespaltenes Bild: Target meldete erneut sinkende Umsätze und senkte die Jahres‑Guidance, was die Aktie belastet und Zweifel an einem schnellen Comeback nährt. TJX dagegen übertraf und hob die Perspektive an – Off‑Price bleibt ein Gewinner, weil Verbraucher preisbewusster einkaufen.

Home Depot senkte zuletzt die Jahresziele und erhöhte damit die Frage nach größeren Ticket‑Ausgaben; Lowe’s zeigte hingegen Operationserfolge mit Online‑Wachstum und stärkerer Pro‑Nachfrage. Walmart, das morgen vorbörslich berichtet, bleibt der zentrale Barometer‑Name für Essential‑Spending – hohe Erwartungen (Same‑Store Sales rund +4%) sind bereits eingepreist.

Ökonomisch ist wichtig: der Konsument bleibt fragmentiert. Wohlhabendere Segmente geben weiter aus, während jüngere bzw. einkommensschwächere Haushalte unter Belastung stehen (Wegfall von Student Loan‑Stundungen, verändertes Ausgabeverhalten).

3) Krypto: Nachlaufende Schwäche trifft Crypto‑Treasury‑Aktien

Bitcoin‑Preise gerieten wieder unter Druck und testeten neue Mehrmonatsniveaus, was Crypto‑Treasury‑Titeln heftigen Gegenwind bescherte. Titel wie MicroStrategy, Riot und andere Mining‑/Treasury‑Spieler fielen deutlich; Anleger de‑riskieren Hebel‑ und Meme‑Positionen.

Die Bewegung zeigt, dass der Krypto‑Sektor weiterhin sehr anfällig für Risk‑Off‑Dynamik ist: Institutionelle Abflüsse aus Spot‑Bitcoin‑ETFs sowie Gewinnmitnahmen haben den Markt belastet und reflektieren die höhere Volatilität dieser Sektorwerte.

4) Chip‑Exportpolitik & geopolitische Reaktionen

Parallel zu Nvidias Zahlen rückte die US‑Politik in den Vordergrund: das US‑Handelsministerium genehmigte Lieferungen anspruchsvoller Chips an Partner im Nahen Osten unter strikten Sicherheitsauflagen; zugleich bleibt China de‑facto aus den Guidance‑Annahmen des Managements ausgeklammert. Die Debatte dreht sich nun um Umleitungs‑Risiken, Kontrolle von Rechenzentren und die Balance zwischen Marktöffnung und nationaler Sicherheit.

KURZNEWS

  • NVDA – Nvidia: Quartalszahlen: bereinigtes EPS 1,30 US‑Dollar, Umsatz 57 Mrd. US‑Dollar; Rechenzentrumserlöse 51,2 Mrd. US‑Dollar. Management guidet Q4 auf ca. 65 Mrd. US‑Dollar und sieht Bruttomargen im Mid‑70s‑Bereich.
  • WMT – Walmart: Großes Retail‑Earnings‑Event vorbörslich morgen; Unternehmen gilt als Gewinner im Value‑Umfeld, Analystenerwartungen für Same‑Store‑Sales sind hoch (rund +4%).
  • TGT – Target: Schließt erneut niedriger nach schwachem Q3 und Guidance‑Senkung; Management plant erhöhte Investitionen, neuer CEO tritt im Februar an.
  • TJX – TJX: Übertraf im Q3 und hob Ausblick an; Off‑Price‑Konzept profitiert vom Value‑Suchverhalten der Verbraucher.
  • MSTR – MicroStrategy: Crypto‑Treasury‑Spieler unter Druck nach Bitcoin‑Rückgang; Aktie erreicht Mehrmonats‑Tiefs.
  • GOOGL – Alphabet: Aktienstärke nach positiver Aufnahme von Gemini‑3; Modell‑Launch beflügelt KI‑Erwartungen.
  • AMD – AMD: Handelspartner und Kundenreaktionen auf Nvidia‑News treiben Sympathiebewegungen; AMD profitiert in der Nachbörse von Risk‑On‑Impulse.
  • FCX – Freeport‑McMoRan: Aktie stieg nach Scotiabank‑Upgrade auf Outperform; Scotiabank setzte Kursziel bei 47 US‑Dollar (genannte Zielzahl in Berichten).
  • SQ – Block: Nach Investor Day starke Reaktion; Management präsentierte ambitionierte Langfristaussagen und Aktienrückkaufpläne.
  • PANW – Palo Alto Networks: Nachbörsliche Reaktion negativ nach leichtem Beat bei Q‑Zahlen und vorsichtiger Guidance; Aktie gab nach.
  • LLY – Eli Lilly: Erneutes Allzeithoch; Marktkapitalisierung nähert sich der Billionen‑Marke.
  • COIN – Coinbase: Schwächer im Zuge des Crypto‑Abverkaufs und Drucks auf Crypto‑Treasury‑Titel.
  • CAT – Caterpillar: Profitierte weiter als KI‑Infrastruktur‑Teilnehmer; Analystendiskussionen heben Rolle bei Rechenzentrumskomponenten hervor.
  • ADBE – Adobe: Übernahme von SEMrush angekündigt (ca. 1,9 Mrd. US‑Dollar), stärkt Ad/MarTech‑Portfolio.
  • EXAS – Exact Sciences / Danaher: Berichtete Übernahmegespräche; Exact Sciences schloss deutlich höher nach Übernahmegerüchten.

KALENDER Firmen & Unternehmen

Zeit (MEZ/MESZ)EreignisTypDetailsSchätzung
vorbörslich — (—)Walmart (WMT)Quartalszahlen Qx – Vor MarktGroßer Retail‑Report; Same‑Store‑Sales‑Erwartungen hoch; wichtig für Konsumenten‑Bildn.v.
vorbörslich — (—)Bath & Body Works (BBW)Quartalszahlen Qx – Vor MarktFeiertagssaison‑Einschätzungn.v.
nachbörslich — (—)Gap (GPS)Quartalszahlen Qx – Nach MarktTeil der großen Retail‑Woche; Peer‑Vergleich zu Walmart/Targetn.v.
nachbörslich — (—)Ross Stores (ROST)Quartalszahlen Qx – Nach MarktDiskounter/Off‑Price; Impact auf Sektor‑Sentimentn.v.
nachbörslich — (—)Intuit (INTU)Quartalszahlen Qx – Nach Marktinkl. CEO‑Kommentar zu OpenAI‑Partnerschaft (exklusiv angekündigt)n.v.
nachbörslich — (—)Veeva Systems (VEEV), Copart, Elastic, Post Holdings, Ross StoresQuartalszahlen Qx – Nach MarktWeitere Nachbörse‑Reports (siehe Liste)n.v.

IM BLICKPUNKT

  • FCX – Freeport‑McMoRan: Scotiabank hat die Aktie auf Outperform hochgestuft; in Berichten wurde ein Kursziel von 47 US‑Dollar genannt (Quelle: Scotiabank).
  • DASH – DoorDash: Jefferies hob das Rating/Target an und nannte ein erhöhtes Kursziel (Berichte weisen auf 260 US‑Dollar als neues Ziel hin); Analysten sehen nach dem Sell‑off Bewertungsaufholpotenzial.
  • MSTR – MicroStrategy: Anleger warnen vor hoher Hebelung bei Crypto‑Treasury‑Positionen; Analystenkommentare betonen erhöhtes Abwärtsrisiko bei Bitcoin‑Rückschlägen.
  • PANW – Palo Alto Networks: Nach Q‑Report schwache Near‑Term‑Guidance führte zu neg. Nachmarktreaktion; Analystenerscheinungen weisen auf gegensätzliche Erwartungen hin.
  • NVDA – Nvidia (Kontext): Diverse Broker und Buy‑Side‑Häuser lagen mit Q4‑Erwartungen auseinander (die Guidance von 65 Mrd. US‑Dollar lag über vielen Konsens‑Schätzungen); Analysten fragen nun konkret nach 2026‑Sichtbarkeit und China‑Erlösen.