Kann das aktuelle Lucid Quartal mit starkem Umsatzsprung die massiven Verluste und den hohen Cashburn wirklich überschatten?
Lucid Group: Was zeigt das aktuelle Quartal?
Lucid Group, Inc. hat im jüngsten Lucid Quartal tiefrote Zahlen, aber zugleich beeindruckende Wachstumsraten vorgelegt. Der bereinigte EBITDA-Verlust im vierten Quartal lag bei rund 874 Millionen US-Dollar, deutlich schlechter als von Analysten erwartet. Auf Jahressicht summierte sich der Verlust 2025 auf 2,7 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 12,09 US-Dollar je Aktie, in etwa auf dem hohen Niveau des Vorjahres.
Auf der Umsatzseite kann das Lucid Quartal dagegen überzeugen: Der Q4-Umsatz stieg um 123 % auf 522,7 Millionen US-Dollar und übertraf die Markterwartungen von gut 468 Millionen US-Dollar klar. Für das Gesamtjahr 2025 legten die Erlöse um 68 % auf 1,35 Milliarden US-Dollar zu. Ausgeliefert wurden 2025 15.841 Fahrzeuge, ein Plus von 55 % gegenüber 2024; die Produktion von 17.840 Einheiten lag nur knapp unter der internen Zielgröße, da einige Fahrzeuge Validierungsprozesse nicht rechtzeitig durchliefen.
An der Börse bleibt die Reaktion gemischt: Während die Aktie im regulären Handel an der Nasdaq bei 9,92 US-Dollar knapp über 5 % zulegt, fällt sie nachbörslich wieder auf etwa 9,45 US-Dollar zurück. Vorbörslich notiert LCID bei 9,54 US-Dollar, was einem leichten Abschlag von rund 3,8 % entspricht und die anhaltende Skepsis der Investoren widerspiegelt.
Lucid Group: Reicht die Liquidität bis 2027?
Um das anhaltende Cash-Burning zu finanzieren, betont Lucid Group, Inc. ihre solide Liquiditätsposition. Zum Jahresende 2025 standen dem Unternehmen rund 4,6 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln zur Verfügung. Das Management geht davon aus, dass diese Mittel den operativen Betrieb bis in die erste Jahreshälfte 2027 sichern können. Gleichzeitig lässt der Finanzvorstand durchblicken, dass zusätzliche Kapitalmaßnahmen – etwa weitere Aktienplatzierungen – perspektivisch möglich bleiben.
Ein wichtiger Rückhalt ist der saudi-arabische Staatsfonds PIF, der als Großaktionär mit enormer Finanzkraft gilt und bereits mehrfach Kapital bereitgestellt hat. Zusätzlich hat Lucid ein Prospekt zur Registrierung von 69,1 Millionen bestehenden Aktien für den Wiederverkauf durch strategische Investoren eingereicht. Dabei handelt es sich nicht um eine Verwässerung durch neue Aktien, sondern um die Erfüllung vertraglicher Zusagen gegenüber Partnern wie Ayar Third Investment Company und einer Uber-Tochtergesellschaft.
Auf der Kostenseite reagiert das Management mit einem umfassenden Sparprogramm. Rund 12 % der US-Belegschaft werden abgebaut, ausgenommen sind Mitarbeiter in der direkten Produktion. Interim-CEO Marc Winterhoff sieht darin eine einmalige strukturelle Anpassung, die über drei Jahre rund 500 Millionen US-Dollar Einsparungen bringen und die Bruttomargen verbessern soll.

Lucid Group: Wie ambitioniert sind die Produktionsziele?
Im Zentrum der Investmentstory nach dem aktuellen Lucid Quartal stehen die geplanten Produktionssteigerungen. Für das Jahr 2026 peilt Lucid Group, Inc. eine Produktion von 25.000 bis 27.000 Fahrzeugen an. Gegenüber 2025 entspricht das einem Plus von etwa 40 % bis 51 %. Zwar lagen die ursprünglichen internen Ziele höher, Winterhoff betont jedoch eine bewusst konservativere Planung, um die Prognosen auch tatsächlich erfüllen zu können.
Treiber dieser Offensive soll vor allem der neue SUV Lucid Gravity sein, der 2026 den Großteil von Produktion und Absatz stellen soll. Parallel bleibt die Limousine Lucid Air ein wichtiges Umsatzstandbein. Gegen Jahresende 2026 plant der Konzern zusätzlich eine Mittelklasse-Plattform unterhalb von 50.000 US-Dollar, die perspektivisch das Volumensegment adressieren soll – im Übergangsjahr 2026 aber noch keinen großen Beitrag zur Gesamtproduktion leisten dürfte.
Darüber hinaus arbeitet Lucid an Robotaxi-Konzepten und Autonomie-Plattformen mit Partnern. Diese sollen langfristig neue Ertragssäulen schaffen, werden in den kommenden Quartalen aber vor allem Forschungs- und Investitionsaufwand verursachen, ohne kurzfristig die Stückzahlen spürbar anzuheben.
Lucid Quartal: Was bedeutet das für die Aktie?
Das Lucid Quartal unterstreicht das typische Profil eines wachstumsstarken, aber verlustreichen E-Mobilitätswerts. Umsatz und Auslieferungen wachsen kräftig, doch der hohe EBITDA-Verlust von 874 Millionen US-Dollar zeigt, dass der Weg zur Profitabilität noch weit ist. Der Aktienkurs von LCID hat in den vergangenen zwölf Monaten deutlich nachgegeben und liegt aktuell mit 9,92 US-Dollar deutlich unter früheren Hochs, wenngleich das Tagesplus von gut 5 % eine gewisse Erleichterung signalisiert.
Analystenhäuser wie Citigroup, RBC Capital Markets, Goldman Sachs oder Morgan Stanley beobachten insbesondere, ob Lucid seine Produktionsziele von 25.000 bis 27.000 Fahrzeugen im Jahr 2026 erreichen und gleichzeitig den Cash-Burn reduzieren kann. Entscheidend wird sein, ob der Ramp-up des Gravity-SUV tatsächlich die Fixkosten pro Fahrzeug spürbar senkt und die Bruttomargen verbessert.
Fazit
Am 12. März 2026 will das Management auf einem Investorentag in New York die mittelfristige Wachstumsstrategie, Fortschritte bei der Profitabilität und Details zur Mittelklasse-Plattform vorstellen. Für Anleger bleibt das Chance-Risiko-Profil damit polarisiert: Gelingt der operative Durchbruch, könnte das nächste Lucid Quartal zu einer Neubewertung führen; bleiben Verluste und Kapitalbedarf hoch, drohen weitere Kursschwächephasen.
Weiterführende Quellen
- Lucid Group, Inc. (LCID) Aktienkurs und Kennzahlen (Yahoo Finance)
- Lucid beats fourth-quarter revenue, forecasts jump in 2026 production (Reuters)
- Lucid Group (LCID) Reports Q4 Loss, Beats Revenue Estimates (Zacks Investment Research)
- Lucid Group, Inc. Q4 2025 Earnings Call Transcript (Seeking Alpha)

