Wird Oracles milliardenschwere KI-Offensive zum nächsten großen Tech-Boom – oder zum riskanten Schulden-Experiment?
Oracle Prognose: Wie riskant ist die KI-Offensive?
Nur wenige Technologiewerte spiegeln derzeit die Extreme von Wachstumsfantasie und Risiko so stark wider wie Oracle Corporation. Der Software- und Cloud-Konzern hat sich vom „Legacy“-Anbieter zum Symbol aggressiv finanzierter KI-Investitionen entwickelt. Die Aktie notiert aktuell bei 149,73 US-Dollar und legt damit gegenüber dem Vortag um 2,46 % zu. Gleichzeitig gilt Oracle am Kreditmarkt als eine Art „Kanarienvogel in der Kohlemine“ für das Ausfallrisiko im KI-Sektor: Steigende Preise für Credit Default Swaps deuten auf wachsende Skepsis der Anleiheinvestoren hin.
Das Kerngeschäft mit Datenbank- und Datenmanagement-Software bleibt hochmargig und generiert solide Free-Cash-Flow-Ströme. Doch dieser Cashflow reicht nicht aus, um den massiven Ausbau von Oracle Cloud Infrastructure (OCI) und der zugrunde liegenden Rechenzentren allein aus eigener Kraft zu finanzieren. Die Oracle Prognose setzt daher zunehmend auf Fremdkapital, um den Ausbau der KI-Infrastruktur im Wettlauf mit Amazon, Microsoft und Alphabet voranzutreiben.
Oracle: Kann OCI wirklich zu den Top-Clouds aufschließen?
Strategisch will Oracle Corporation die „Big Three“ der Cloud – Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud – zu einer „Big Four“-Riege erweitern. OCI soll sich als bevorzugte Plattform für High-Performance-Computing und KI-Anwendungen etablieren. Auf einem Investorentag hatte Oracle eine extrem ambitionierte Roadmap vorgestellt: Von rund 18 Milliarden US-Dollar OCI-Umsatz im Geschäftsjahr 2026 soll der Wert bis 2030 auf 144 Milliarden US-Dollar steigen.
Zum Vergleich: Amazon Web Services erzielte 2025 einen Umsatz von 128,7 Milliarden US-Dollar. Die Oracle Prognose impliziert damit, dass OCI binnen weniger Jahre ein Volumen erreichen soll, das über dem heutigen Marktführer liegt. Sollte OCI in die Nähe dieser Ziele kommen und Margen auf dem Niveau von AWS (rund 35 % operativ) erwirtschaften, wären gewaltige Kursgewinne denkbar. Genau diese „Millionärs-Story“ treibt viele wachstumsorientierte Anleger an – trotz der erheblichen Unsicherheiten bezüglich Umsetzung, Finanzierung und Wettbewerb.

Oracle: Was steckt hinter dem Mega-RPO?
Ein zentrales Argument der Bullen ist der gewaltige Auftragsbestand von Oracle Corporation. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen (Remaining Performance Obligations, RPO) lagen zum Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2026 bei rund 523 Milliarden US-Dollar. Bemerkenswert: Rund 300 Milliarden US-Dollar dieses Backlogs entfallen auf Verträge mit OpenAI. Dieses Mega-RPO nährt die Hoffnung, dass die jetzt aufgebauten Rechenzentren in den kommenden Jahren in hohem Tempo Umsatz und Cashflow liefern.
Allerdings zählt bei dieser Story nicht nur die schiere Größe des RPO, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der Oracle die Kapazitäten hochfährt und die vertraglich vereinbarten Leistungen tatsächlich abrechnet. Investoren sollten in den kommenden Quartalsberichten genau auf die Umsetzung der Projekte, die Entwicklung des Free-Cash-Flow und das Verhältnis von KI-Gewinnen zu Zinskosten achten. Denn bis die Erträge aus den OpenAI-Verträgen voll sichtbar werden, muss Oracle den Kapitalmarkt weiter mit neuen Anleihen und gegebenenfalls Eigenkapitalemissionen anzapfen.
Oracle: Wie reagieren Analysten auf die Oracle Prognose?
Während der Kreditmarkt die Risiken der Schuldenstrategie stärker einpreist, sehen manche Aktienanalysten nun wieder Chancen. Oppenheimer hat Oracle Corporation jüngst von „Perform“ auf „Outperform“ hochgestuft und ein Kursziel von 185 US-Dollar ausgerufen. Die Analysten argumentieren, dass der Aufruf zwar verfrüht wirken könnte, weil es Zeit brauche, bis sich der finanzielle Erfolg des kapitalintensiveren Geschäftsmodells in den Zahlen widerspiegelt, das Chance-Risiko-Verhältnis nach dem starken Bewertungsrückgang aber attraktiver geworden sei.
Nach Einschätzung von Oppenheimer sind die Bewertungsmultiplikatoren der Aktie seit dem Hoch im September um mehr als die Hälfte gefallen. Für risikobewusste Anleger eröffnet sich damit ein Hebel auf die Oracle Prognose: Wenn der Konzern seine Cloud-Ziele zumindest teilweise erreicht und die Verschuldung unter Kontrolle hält, wäre deutlicher Aufwertungsspielraum vorhanden. Wer hingegen eine konservativere KI-Wette sucht, wird eher zu Microsoft oder Amazon greifen, die mit hohen Cashbeständen wesentlich robuster finanziert sind.
Weil das Unternehmen so hoch verschuldet ist, können Anleger nicht einfach abwarten und hoffen, dass die Wette aufgeht.
— unabhängiger Marktbeobachter
Fazit
Die Oracle Prognose verbindet enorme KI- und Cloud-Chancen mit einem spürbar steigenden Finanzierungsrisiko. Für offensiv ausgerichtete Anleger kann die Aktie von Oracle Corporation ein spannender Hebel auf den Ausbau von OCI und den gigantischen RPO-Bestand sein, sofern Zinslast und Verschuldung im Rahmen bleiben. Entscheidend wird, ob die kommenden Quartalszahlen einen glaubwürdigen Pfad zu profitabler Skalierung der KI-Infrastruktur bestätigen und damit das Vertrauen in die Oracle Prognose untermauern.
Weiterführende Quellen
- Oracle bets big on AI cloud with massive capex push (Bloomberg)
- Oracle’s growing debt load worries credit markets (Reuters)
- Oppenheimer upgrades Oracle to Outperform with $185 target (MarketWatch)
- Oracle Corporation bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)

