Wie kann ein NVIDIA Quartal mit historischen Rekorden enden, während die Aktie gleichzeitig deutlich unter Druck gerät?
Wie stark war das aktuelle NVIDIA Quartal?
NVIDIA hat für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26 und das jüngste Quartal Zahlen vorgelegt, die in der Halbleiterbranche kaum Vergleichbares kennen. Der Quartalsumsatz sprang um 73 % auf 68,1 Milliarden US‑Dollar, der Nettogewinn explodierte um 94 % auf knapp 43 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge kletterte auf rund 75 %, die operative Marge in Richtung 60 %. Damit zählt der Konzern zu den profitabelsten Großunternehmen weltweit.
Treiber bleibt das Datacenter-Geschäft, das inzwischen gut 90 % der Erlöse ausmacht. Allein hier setzte NVIDIA 62,3 Milliarden Dollar um, ein Plus von rund 75 % im Jahresvergleich. Gaming und Automotive dagegen blieben mit 3,73 bzw. 0,6 Milliarden Dollar unter den Analystenerwartungen, was den Fokus der Story noch stärker auf KI-Infrastruktur verschiebt.
Auf Jahressicht setzte NVIDIA fast 216 Milliarden Dollar um – rund zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Der Jahresgewinn kletterte auf etwa 120 Milliarden Dollar, ein Plus von 65 %. Morgan Stanley sprach angesichts dieser Dynamik von der „größten und saubersten Beat-and-Raise-Story in der Geschichte der Halbleiterindustrie“.
Warum reagiert die Börse auf NVIDIA Quartal so kühl?
Trotz des Rekord-NVIDIA Quartal verlor die Aktie am Donnerstag im US-Handel rund 5 % und notiert mit etwa 185,33 Dollar klar unter dem Vortag (195,63 Dollar). Bereits in der Nacht hatten die Papiere ihre anfänglichen Gewinne wieder abgegeben. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die viele Marktbeobachter als Zeichen eines „überfüllten Trades“ sehen: Die Erwartungen an NVIDIA sind derart hoch, dass selbst Blockbuster-Zahlen kaum noch Kursfantasie freisetzen.
Analysten verweisen zudem auf strukturelle Sorgen. Zum einen hängt der Großteil des Umsatzes an wenigen Hyperscalern wie Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon, deren KI-Investitionsbudgets für 2026 auf rund 650 Milliarden Dollar geschätzt werden. Investoren zweifeln, ob dieses CapEx-Niveau dauerhaft durchzuhalten ist – und wie schnell sich die gewaltigen Infrastrukturinvestitionen bei den Kunden tatsächlich monetarisieren lassen.
Zum anderen belastet die Unsicherheit um China. In der Prognose für das laufende Quartal berücksichtigt NVIDIA keine nennenswerten Rechenzentrumsumsätze aus der Volksrepublik, obwohl wieder begrenzte Lizenzen für H200‑Chips vorliegen. Hinzu kommt verschärfter Wettbewerb durch chinesische Anbieter sowie durch kundenspezifische KI-Chips der Hyperscaler selbst.

Was sagt der Ausblick zum nächsten NVIDIA Quartal?
Der Ausblick ist objektiv stark: Für das laufende Vierteljahr erwartet NVIDIA rund 78 Milliarden Dollar Umsatz, plus/minus 2 %. Das liegt deutlich über dem Konsens von etwa 73 Milliarden Dollar und impliziert ein Wachstum von rund 77 % gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge soll bei außergewöhnlich hohen 75 % bleiben. CFO Colette Kress betont, dass die Nachfrage nach den aktuellen Blackwell-Systemen sowie den kommenden Vera‑Rubin‑ und Rubin‑Plattformen weit in die Jahre 2027 hinein sichtbar sei.
Zugleich dämpfen Lieferengpässe bei High Bandwidth Memory (HBM) und eine Verzehnfachung der Lagerbestände die Euphorie: Inventar und Forderungen sind stark angestiegen, einige Investoren fürchten „Vendor Financing“, also die teilweise Finanzierung von Großkunden durch NVIDIA selbst. CEO Jensen Huang weist Vorwürfe einer KI-Blase zurück und argumentiert, dass „Rechenleistung gleich Umsatz“ sei und Kunden bereits hohe Renditen auf ihre Investitionen erzielten – insbesondere durch agentische KI und Inferenz-Workloads.
Die Analystenfront bleibt mehrheitlich optimistisch. Citigroup und Bernstein haben Kursziele im Bereich von 275 bis 300 Dollar ausgerufen, während Wedbush-Analyst Dan Ives die jüngsten Zahlen als „Michael‑Jordan‑Moment“ der Chipbranche bezeichnet. Gleichzeitig mahnen Häuser wie Morgan Stanley an, dass das Wachstum ab 2027 stärker von der allgemeinen Kapitalmarktstimmung und der CapEx-Bereitschaft der Hyperscaler abhängen dürfte.
Was bedeutet das NVIDIA Quartal für Anleger?
Für Anleger ist das aktuelle NVIDIA Quartal ein Lehrstück in Sachen Erwartungsmanagement. Fundamental liefert der Konzern Rekorde bei Umsatz, Gewinn und Cashflow, dominiert den KI-Beschleunigermarkt und verfügt mit künftigen Plattformen wie Vera Rubin über eine glaubwürdige Pipeline für sinkende Inferenzkosten und höherer Energieeffizienz. Gleichzeitig zeigt die Kursreaktion, dass der Markt inzwischen vor allem die Nachhaltigkeit des KI-Investitionszyklus und das Klumpenrisiko bei wenigen Großkunden preist.
In dieser neuen Welt der KI ist Rechenleistung Umsatz. Ohne Rechenleistung gibt es keine Möglichkeit, Token zu generieren.
— Jensen Huang, CEO von NVIDIA
Fazit
Während Zacks Investment Research NVIDIA weiterhin als Momentum-Favoriten einstuft, sprechen Kommentare aus dem Markt von „KI-Müdigkeit“: Es reicht nicht mehr, die Erwartungen zu schlagen – das Wachstumsszenario muss auch über 2026 hinaus glaubhaft skaliert werden. Wer einsteigt, setzt somit weniger auf die Frage, ob KI kommt, sondern darauf, wie lange NVIDIA seine dominante Stellung und Margen verteidigen kann.
Weiterführende Quellen
- NVIDIA Corporation (NVDA) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Nvidia earnings fail to lift broader chip sector; AMD, Broadcom down (Investing.com)
- Here’s just how impressive Nvidia’s earnings were, according to Morgan Stanley (MarketWatch)
- Nvidia Q4 report keeps analysts confident in AI chip firm’s long-term earnings power (Proactive Investors)

