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Brent Ölpreis Warnung: Wie teuer wird der Risikoaufschlag?
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Brent Ölpreis Warnung: Wie teuer wird der Risikoaufschlag?

Droht dem Brent Ölpreis ein neuer geopolitischer Schock, oder bleibt der aktuelle Risikoaufschlag beherrschbar?

Brent Ölpreis im Spannungsfeld von Politik und Risiko

Am Freitagmittag kostet ein Fass der Nordsee-Sorte **Brent** zeitweise rund 71 US‑Dollar, nachdem im Wochenverlauf bereits Kurse von über 72 US‑Dollar erreicht wurden. Damit liegt der Brent Ölpreis im Februar rund 8 % über dem Niveau zu Monatsbeginn. Marktteilnehmer sehen den jüngsten Anstieg weniger in einer boomenden Nachfrage, sondern vor allem in einem geopolitischen Aufschlag begründet, der aus den Spannungen zwischen den USA und dem Iran resultiert.

Mehrere Rohstoffstrategen schätzen, dass aktuell 5 bis 10 US‑Dollar je Barrel als reine geopolitische Prämie im Brent Ölpreis stecken. Aus fundamentaler Sicht – mit verhaltener Nachfrage und solider Produktion außerhalb der OPEC – sähen viele Analysten einen fairen Wert eher um oder sogar unter 60 US‑Dollar. Solange jedoch das Risiko einer Eskalation im Persischen Golf und potenzieller Angriffe auf die Öl-Infrastruktur nicht vom Tisch ist, bleibt dieser Bewertungsabschlag theoretischer Natur.

Auffällig ist die erhöhte Aktivität im Optionsmarkt: Investoren greifen verstärkt zu kurzfristigen Kaufoptionen mit Laufzeiten um einen Monat. Diese Positionierungen deuten darauf hin, dass sich der Markt weniger vor einem langsam steigenden Ölpreis fürchtet, sondern ein plötzliches, schlagartiges Preisszenario einkalkuliert – etwa infolge einer überraschenden militärischen Aktion.

Öl_BRENT: Wie real ist die Hormus-Gefahr?

Im Fokus steht weiterhin die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Seehandels mit Rohöl fließt. In früheren Konflikten hat der Iran direkte Angriffe auf große Förderanlagen eher gemieden. Diesmal besteht jedoch aus Sicht vieler Marktbeobachter die Möglichkeit, den Schiffsverkehr im Nadelöhr des Golfes zumindest zeitweise zu stören. Bereits die bloße Androhung solcher Maßnahmen reicht aus, um den Brent Ölpreis nach oben zu treiben.

Parallelen werden zu früheren Konfrontationen im Golf gezogen, bei denen der Ölpreis innerhalb von wenigen Tagen zweistellig zulegen konnte. Technische Analysten verweisen darauf, dass **Öl Brent** aktuell an einer langfristigen Abwärtstrendlinie konsolidiert. Ein prozyklisches Kaufsignal würde demnach bei Kursen um 72 bis 73 US‑Dollar aktiviert, was Anschlusskäufe in Richtung 82 bis 85 US‑Dollar auslösen könnte. Solange die Notierungen oberhalb von etwa 69 US‑Dollar bleiben, sehen viele Trader wenig Anlass, offensiv auf fallende Preise zu setzen.

Auch physische Ströme untermauern das Nervositätsszenario: Saudi-Arabien zieht offenbar Teile seiner Lieferungen nach Asien zeitlich vor, während die schwimmenden Lagerbestände Irans deutlich zugenommen haben. Das legt nahe, dass sich große Akteure auf Störungen im üblichen Handelsfluss vorbereiten – ein weiterer Faktor, der den Risikoaufschlag im Brent Ölpreis stützt.

Wie positionieren sich Analysten zu Öl Brent?

Investmentbanken und Rohstoffhäuser sehen kurzfristig ein Umfeld anhaltend hoher Volatilität. Marktstrategen verweisen darauf, dass sich aktuell rund 7 bis 10 US‑Dollar geopolitische Risikoaufschläge im Ölpreis widerspiegeln und die Spanne zwischen negativen und positiven Szenarien für Anleger ungewöhnlich groß ist. Im Falle einer greifbaren Eskalationsgefahr im Golf wäre ein schneller Sprung von **Öl Brent** in Richtung der Mitte der 80er-Spanne denkbar, während eine nachhaltige diplomatische Entspannung den Risikoaufschlag rasch zusammenschmelzen lassen könnte.

Auf der Zinsseite notieren die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zuletzt wieder knapp unter 4 %, was tendenziell die Finanzierungskosten im Energiesektor beeinflusst. Für private-Equity-finanzierte Unternehmen mit starker Abhängigkeit von Fremdkapital könnte eine Kombination aus engerer Liquidität und schwankenden Erlösen bei gleichzeitiger Unsicherheit im Brent Ölpreis zum Problem werden. In der Folge würde am Markt ein zusätzlicher Liquiditäts- und Risikopremium-Faktor eingepreist.

Wir schätzen, dass derzeit rund sieben bis zehn Dollar geopolitische Risikoprämie im Ölpreis stecken – die Fundamentals rechtfertigen ein Niveau eher um 60 Dollar.
— ein Rohstoffstratege einer internationalen Investmentbank

Fazit

Während die großen internationalen Adressen wie Citigroup, Goldman Sachs und RBC Capital Markets ihre kurzfristigen Ölmarktkommentare stark auf den geopolitischen Risikoaufschlag fokussieren, verweisen sie mittelfristig übereinstimmend auf das Übergewicht fundamentaler Faktoren. Entscheidend werde sein, ob sich die derzeit laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Wien zu einer tragfähigen Entspannung entwickeln oder ob neue Sanktionen und militärische Drohgebärden das Risiko-Narrativ dominieren.

Weiterführende Quellen

Maik Kemper
Über den Autor
Maik Kemper

Finanzjournalist und Trader mit über 10 Jahren Erfahrung an den Märkten. Spezialisiert auf Aktienanalyse, Forex und makroökonomische Zusammenhänge.