Kann das Hims & Hers Quartal trotz GLP-1-Umbau und Margendruck den heftigen Kurssturz an der Börse rechtfertigen?
Warum enttäuscht das Hims & Hers Quartal?
Im aktuellen Hims & Hers Quartal meldete das Telehealth-Unternehmen für das erste Quartal einen Umsatz von 608,1 Millionen Dollar und blieb damit unter den Markterwartungen von rund 616 bis 617 Millionen Dollar. Noch schwerer wog der Ergebniseinbruch: Statt eines kleinen Gewinns stand ein Verlust von 0,40 Dollar je Aktie in den Büchern. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 0,20 Dollar je Aktie verdient. Der Nettoverlust lag bei rund 92 Millionen Dollar.
Operativ zeigte sich ebenfalls deutlicher Druck. Die Bruttomarge fiel von 73 auf 65 Prozent, das bereinigte EBITDA sackte von 91,1 auf 44,3 Millionen Dollar ab. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Monatsumsatz pro Abonnent von 85 auf 80 Dollar. Besonders kritisch: Im wichtigen US-Markt gingen die Erlöse im Jahresvergleich um acht Prozent zurück. Damit wirkte das Zahlenwerk unordentlich und bestätigte die Sorgen, dass der Umbau des Geschäftsmodells kurzfristig teuer wird.
Wie stark belastet Hims & Hers die GLP-1-Wende?
Im Mittelpunkt des schwachen Hims & Hers Quartal steht die Neuausrichtung im Geschäft mit Abnehmmedikamenten. Das Unternehmen reduziert die Abhängigkeit von zusammengesetzten GLP-1-Produkten und setzt stärker auf zugelassene Markenpräparate. Seit März besteht dafür eine Kooperation mit Novo Nordisk, über die unter anderem Wegovy auf der Plattform angeboten wird. Dieser Strategiewechsel kostet jedoch Geld.
Nach Unternehmensangaben fielen 33,5 Millionen Dollar an Restrukturierungsaufwendungen an, darunter Abschreibungen auf Bestände sowie Drittanbieter- und Übergangskosten. Finanzchef Yemi Okupe verteidigte diese Belastungen als notwendige Investition in ein tragfähigeres Modell. Auch CEO Andrew Dudum sprach von einem wertvollen Übergang. Für Anleger zählt kurzfristig aber vor allem, dass die Profitabilität leidet. Citi bezeichnete den Ausblick als gemischt, Morgan Stanley verwies auf die nötige Geduld bei den Margen, KeyBanc sprach von kurzfristigem Rauschen in den Finanzkennzahlen und Evercore ISI riet eher zum Abwarten.
Kann Hims & Hers den Ausblick trotzdem stützen?
Trotz der Enttäuschung im Hims & Hers Quartal gibt es nicht nur schlechte Nachrichten. Die Zahl der Abonnenten stieg um gut neun Prozent auf etwa 2,58 Millionen. Außerdem erhöhte das Unternehmen die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 2,8 bis 3,0 Milliarden Dollar, nachdem zuvor 2,7 bis 2,9 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt worden waren. Für das zweite Quartal erwartet das Management Erlöse zwischen 680 und 700 Millionen Dollar und liegt damit über dem bisherigen Analystenkonsens.
Allerdings wurde gleichzeitig die Prognose für das bereinigte EBITDA auf 275 bis 350 Millionen Dollar angepasst und damit am unteren Ende gesenkt. Genau dieser Punkt belastet die Stimmung. Mehr Umsatz hilft der Aktie kurzfristig wenig, wenn die Rentabilität gleichzeitig unter Druck steht. Vorbörslich reagierten Anleger deutlich: Nach einem Schlusskurs von 25,13 Dollar sprang die Aktie zwar zwischenzeitlich auf 29,14 Dollar, notiert im vorbörslichen Handel nun aber bei 24,90 Dollar. Das unterstreicht, wie nervös der Markt auf jede Veränderung im GLP-1-Geschäft reagiert. Zusätzliche Konkurrenzsignale aus dem Umfeld von Amazon und die starke Dynamik bei Eli Lilly erhöhen den Druck auf die Bewertung.
Das Hims & Hers Quartal zeigt damit einen Konzern im Übergang: mehr Reichweite und höherer Umsatz, aber klar schwächere Margen und ein überraschender Verlust. Für Anleger wird jetzt entscheidend, ob die Partnerschaft mit Novo Nordisk und der Fokus auf Markenpräparate in den kommenden Quartalen zu stabileren Erträgen führen. Gelingt das, könnte sich der aktuelle Rückschlag als Übergangsphase erweisen. Bleibt der Margendruck hoch, dürfte die Aktie volatil bleiben.
Wie beeinflusst das die Hims & Hers Health, Inc.-Aktie?
This was an incredibly valuable transition.— Andrew Dudum
Wer die aktuelle Schwäche einordnen will, findet im Beitrag zur Peptid-Regulierung bei Hims & Hers den regulatorischen Hintergrund der jüngsten Hoffnungen. Für den größeren GLP-1-Kontext lohnt zudem der Blick auf das starke Eli Lilly Quartal, das zeigt, wie stark der Markt für Adipositas-Therapien wächst und wie hoch die Erwartungen an alle beteiligten Anbieter inzwischen sind.



