Kann die Regeneron Melanom-Studie trotz verfehltem Endpunkt noch zur Chance werden – oder bleibt nur ein teurer Rückschlag?
Warum enttäuscht die Regeneron Melanom-Studie?
Im Mittelpunkt der Regeneron Melanom-Studie steht Fianlimab, ein LAG-3-Inhibitor, der zusammen mit Cemiplimab als Erstlinientherapie geprüft wurde. Eingeschlossen waren mehr als 1.500 Patienten mit nicht resezierbarem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Melanom, die zuvor keine systemische Therapie erhalten hatten. Verglichen wurden eine hohe und eine niedrige Dosis der Kombination mit Pembrolizumab-Monotherapie sowie Cemiplimab allein.
Entscheidend: Der primäre Endpunkt des progressionsfreien Überlebens gegenüber Pembrolizumab wurde nicht mit statistischer Signifikanz erreicht. Zwar zeigte die hohe Dosis numerisch einen Vorteil von 5,1 Monaten bei der medianen progressionsfreien Überlebenszeit, doch für den Kapitalmarkt zählt vor allem das verfehlte Studienziel. Immerhin meldete das Unternehmen keine neuen Sicherheitssignale. Detaillierte Daten sollen auf einem kommenden medizinischen Kongress vorgestellt werden.
Wie reagiert Regeneron Pharmaceuticals an der Börse?
Die Börse reagiert scharf auf den Fehlschlag. Die Aktie von Regeneron Pharmaceuticals hatte am Freitag bei 698,25 Dollar geschlossen, nach 697,16 Dollar am Vortag. Vorbörslich rutscht das Papier nun auf 614,01 Dollar ab, was einem Minus von 12,06 Prozent entspricht. Damit nähert sich der Kurs deutlich dem unteren Bereich seiner jüngsten Handelsspanne, bleibt aber über dem 52-Wochen-Tief von 476,49 Dollar. Vom 52-Wochen-Hoch bei 821,11 Dollar ist die Aktie damit klar entfernt.
Der Kursdruck zeigt, wie hoch die Erwartungen an die Onkologie-Pipeline waren. Die Regeneron Melanom-Studie galt als wichtiger Baustein, um im lukrativen Immunonkologie-Markt gegen Merck und Bristol Myers Squibb aufzuholen. Besonders der direkte Vergleich mit Keytruda war strategisch bedeutend, weil Pembrolizumab in zahlreichen Krebsindikationen als Maßstab gilt.
Was sagen Analysten zu Regeneron Pharmaceuticals?
Auch Analysten reagieren zügig. Die Citigroup stufte die Aktie auf „Neutral“ von zuvor „Buy“ ab und senkte das Kursziel von 900 auf 700 Dollar. Analyst Geoff Meacham bezeichnete die Studiendaten als enttäuschend, weil der beobachtete Vorteil klinisch interessant wirke, aber statistisch nicht ausreiche. Damit verliere Regeneron einen wichtigen Kurstreiber.
Zusätzlich reduzierte Wells Fargo das Kursziel auf 700 von zuvor 800 Dollar und bestätigte die Einstufung „Equalweight“. Am Markt kursieren zudem weitere vorsichtigere Töne, nachdem bereits zuvor auf die zunehmenden Risiken in Forschung und Entwicklung hingewiesen worden war. Positiver bleibt das längerfristige Bild mancher Häuser, die nach den jüngsten Quartalszahlen noch eine konstruktive Haltung vertreten hatten. Dennoch dürfte kurzfristig die Regeneron Melanom-Studie den Ton angeben.
Wie wichtig bleibt die Pipeline von Regeneron Pharmaceuticals?
Trotz des Rückschlags ist die Pipeline nicht stehen geblieben. Eine weitere Phase-3-Studie läuft bereits und vergleicht die hoch dosierte Kombination aus Fianlimab und Cemiplimab mit Opdualag von Bristol Myers Squibb. Diese laufende Prüfung könnte für die Investmentstory nun noch wichtiger werden, weil Regeneron damit eine zweite Chance im Melanom-Markt behält.
Daneben arbeitet der Konzern an neuen Plattformen. Erst zuletzt wurde eine Forschungskooperation mit Parabilis Medicines bekannt, die auf sogenannte Antibody-Helicon Conjugates zielt. Regeneron zahlt dafür 125 Millionen Dollar vorab und stellt weitere potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu rund 2,2 Milliarden Dollar in Aussicht. Das unterstreicht, dass Regeneron Pharmaceuticals seine wissenschaftliche Basis verbreitern will.
Unterm Strich ist die Regeneron Melanom-Studie ein klarer Rückschlag für die Onkologie-Ambitionen. Für Anleger zählt nun, ob die Folgedaten, die laufende Kopf-an-Kopf-Studie und neue Pipeline-Projekte das Vertrauen wieder herstellen können. Bis dahin dürfte die Aktie anfällig bleiben, auch wenn das Unternehmen operativ und finanziell weiter zu den stärkeren Namen im Biotechsektor gehört.



