Kann UniCredit die Commerzbank Übernahme wirklich bis in den Aufsichtsrat durchdruecken?
Wie droht UniCredit konkret bei der Commerzbank Uebernahme?
UniCredit erklärte am Montag, sie sei bei ausreichender Unterstützung auf der Hauptversammlung in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen – ein Gremium, das gemäß deutschem Aktiengesetz für die Bestellung des Vorstands zuständig ist. Damit wird erstmals offen signalisiert, dass die Mailänder Bank nicht nur den Anteilseignerblock kontrollieren, sondern auch die operative Führung der Commerzbank AG umkrempeln will. UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte bereits im April angekündigt, im Erfolgsfall 7.000 Vollzeitstellen in Deutschland zu streichen und das Auslandsnetz massiv auszudünnen. Die Vorstandschefin Bettina Orlopp nannte diese Pläne „nicht vereinbar mit der strategischen Ausrichtung“ und betonte auf dem Euro Finance Summit in Frankfurt, man sei „irritiert“ über die jüngste Mitteilung – nicht zuletzt, weil sie Unruhe in ein laufendes Verfahren trage.
Warum zweifelt die Commerzbank an den angedienten Aktien?
Die Commerzbank Uebernahme ist nicht nur juristisch, sondern auch transaktionslogistisch umstritten. UniCredit meldete bis Freitag, 12. Juni, insgesamt 11,86 Prozent angediente Aktien – was ihren rechnerischen Gesamtanteil auf 38,63 Prozent steigern würde. Zusätzlich hält sie über Kaufoptionen mehr als drei Prozent und weitere Derivatepositionen. Die Commerzbank hält dagegen: Die angedienten Papiere stammten überwiegend von Banken, mit denen UniCredit über Finanzinstrumente Geschäfte macht – nicht von unabhängigen Aktionären. Daher hat die Frankfurter Bank die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingeschaltet. UniCredit wies die Vorwürfe als „falsch und grundlos“ zurück und betonte, eingelieferte Aktien seien „unwiderruflich gebunden“.
Welche Rolle spielt die Bundesregierung?
Die Bundesregierung hält mit rund 13 Prozent den zweitgrößten Anteil an der Commerzbank AG und verfügt gemäß einer Vereinbarung über das Recht, zwei Aufsichtsratsvertreter vorzuschlagen – darunter Sabine Lautenschläger-Pleiter. Orlopp betonte: „Solange der Bund Anteile hält, hat er dieses Anrecht.“ Eine Übernahme lehnt die Bundesregierung ab. Sollte UniCredit versuchen, Lautenschläger-Pleiter abzuwählen, müsste sie dafür eine Mehrheit der Arbeitnehmervertreter gewinnen – ein Szenario, das als unwahrscheinlich gilt. Die Europäische Zentralbank müsste zudem jede neue Vorstandsbesetzung prüfen, insbesondere auf Interessenskonflikte.
Was bedeutet der Preis der Offerte für Anleger?
Es ist nicht ideal, bei einem systemrelevanten Institut anzukündigen, das Managementteam auszutauschen, um die eigene Stand-alone-Strategie umzusetzen.— Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG
UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier – ein Angebot, das aktuell rund 1,10 Euro unter dem Kurs von 36,30 Euro liegt. Damit ist die Offerte für Aktionäre unattraktiv – und doch wurden bereits über 11 Prozent angedient. Analysten von Citigroup sehen darin ein klares Signal für institutionelle Absicherungsgeschäfte statt echter Übernahmesympathie. RBC Capital Markets stuft die Commerzbank Uebernahme als „hochgradig unsicher“ ein und empfiehlt, die Aktie im Vorfeld des finalen Ergebnisses am Freitag zu halten. Morgan Stanley warnt vor „steigender Governance-Risikoprämie“ und hebt das Risiko einer langfristigen Unterbewertung hervor.



