Können die phänomenalen TSMC Quartalszahlen den jüngsten Kursrutsch der Aktie stoppen, oder sorgt die Skepsis über den KI-Boom für weitere Verkäufe?
Wie fielen die TSMC Quartalszahlen im Detail aus?
Die am Donnerstagmorgen veröffentlichten TSMC Quartalszahlen untermauern die absolute Dominanz des Konzerns in der globalen Halbleiter-Lieferkette. Der Nettogewinn für das zweite Quartal kletterte im Jahresvergleich um spektakuläre 77,4 Prozent auf 706,56 Milliarden Taiwan-Dollar (rund 22 Milliarden US-Dollar). Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt lediglich mit einem Gewinn von 632,64 Milliarden Taiwan-Dollar gerechnet. Es ist bereits das fünfte Quartal in Folge, in dem das Unternehmen einen historischen Rekordgewinn erzielen konnte.
Auch beim Umsatz ging es steil nach oben. Dieser stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf 1,27 Billionen Taiwan-Dollar (ca. 39,45 Milliarden US-Dollar). Besonders stark zeigte sich die Profitabilität: Die Bruttomarge lag mit 67,7 Prozent deutlich über der Konsensschätzung von 67,1 Prozent. Haupttreiber dieser Entwicklung bleibt die ungebrochene Nachfrage nach modernsten Fertigungstechnologien. Chips in Strukturbreiten von 7 Nanometern und darunter machten stolze 77 Prozent des gesamten Wafer-Umsatzes aus. Insbesondere die Segmente für Hochleistungsrechnen verzeichneten ein Quartalswachstum von 20 Prozent, während das Smartphone-Geschäft saisonal bedingt um 4 Prozent nachgab.
Warum investiert Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. weitere Milliarden in den USA?
Parallel zu den starken Finanzergebnissen verkündete das Management von Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. eine weitreichende strategische Entscheidung. Der Konzern plant, seine Investitionen in den USA massiv auszubauen. Zu den bereits zugesagten Summen sollen weitere 100 Milliarden US-Dollar in den Standort Arizona fließen. Damit schwillt das geplante Gesamtinvestitionsvolumen in den Vereinigten Staaten auf astronomische 265 Milliarden US-Dollar an. Das US-Handelsministerium und das Weiße Haus bestätigten diesen Schritt umgehend.
Mit den zusätzlichen Mitteln sollen in Arizona vier weitere Chipfabriken (Fabs) errichtet werden, womit sich die Gesamtzahl der geplanten US-Werke auf zehn erhöht. Diese Expansion soll nicht nur modernste Produktionskapazitäten auf amerikanischen Boden bringen, sondern auch tausende Arbeitsplätze in der Bauphase und im High-Tech-Sektor schaffen. Damit reagiert der Halbleiter-Riese auf den anhaltenden politischen Druck aus Washington, kritische Lieferketten für Schlüsseltechnologien unabhängiger von Asien zu gestalten. Großkunden wie NVIDIA, Apple und Broadcom dürften diese geografische Diversifizierung begrüßen.
Wie blickt der Chip-Gigant auf das restliche Jahr?
Die Zuversicht des Managements spiegelt sich auch im angehobenen Ausblick wider. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Konzern nun ein Umsatzwachstum in US-Dollar von etwas mehr als 40 Prozent. Zuvor war lediglich ein Plus von über 30 Prozent in Aussicht gestellt worden. Auch die Investitionsausgaben (CapEx) für das laufende Jahr wurden auf eine Spanne von 60 bis 64 Milliarden US-Dollar angehoben, nachdem zuvor 52 bis 56 Milliarden US-Dollar geplant waren. Experten der Investmentbank UBS hatten im Vorfeld bereits angedeutet, dass die Ausgaben die Marke von 60 Milliarden US-Dollar überschreiten könnten.
Für das anstehende dritte Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 44,6 und 45,8 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge soll sich in einer Spanne von 65 bis 67 Prozent bewegen. Trotz dieser hervorragenden operativen Leistung verlor die Aktie an der New Yorker Börse im vorbörslichen Handel rund 3,7 Prozent auf 403,71 US-Dollar. Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets betonte, dass die starken Zahlen nach den vorläufigen Umsatzzahlen im Grunde nur noch bestätigenden Charakter hatten. Die anhaltende Skepsis der Investoren über die Nachhaltigkeit des KI-Booms sorge trotz der Rekorde für kurzfristige Gewinnmitnahmen.
Zudem belasten potenzielle Kostensteigerungen die Stimmung. Da der Maschinenbauer ASML über Preiserhöhungen bei seinen hochentwickelten EUV-Lithografiesystemen nachdenkt, könnte dies Druck auf die Margen der Taiwaner ausüben. Dennoch zeigt der angehobene Ausblick, dass die Nachfrage der Hyperscaler nach KI-Infrastruktur die Schwäche im klassischen PC- und Smartphone-Markt weiterhin mühelos kompensiert.
Der zweite Jahreshälfte wurde durch eine starke Nachfrage nach unseren branchenführenden Prozesstechnologien gestützt.— Wendell Huang, Finanzvorstand von TSMC
Zusammenfassend zeigen die aktuellen TSMC Quartalszahlen, dass die fundamentale Story im Halbleitersektor intakt ist. Für langfristig orientierte Anleger untermauert der Quartalsbericht die unangefochtene Marktstellung des Konzerns als Rückgrat der globalen Tech-Industrie. Ob die kurzfristigen Konsolidierungen an den Aktienmärkten damit beendet sind, bleibt abzuwarten, doch operativ läuft die Wachstumsmaschine in Taiwan weiterhin auf Hochtouren.



