Trotz beeindruckender Geschäftszahlen und einem verdoppelten Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft fällt die AMD-Aktie – warum reagieren Anleger so verhalten?
Warum die AMD Quartalszahlen die Erwartungen nicht erfüllen konnten?
Advanced Micro Devices, Inc. (AMD) präsentierte für das zweite Quartal 2026 beeindruckende Zahlen: Der Umsatz stieg um 50 Prozent auf 11,54 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von 11,28 Milliarden US-Dollar. Auch der bereinigte Gewinn pro Aktie lag mit 1,66 US-Dollar über den erwarteten 1,62 US-Dollar. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 2,3 Milliarden US-Dollar, eine deutliche Steigerung gegenüber den 872 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Besonders hervorzuheben ist das Rechenzentrumsgeschäft, das seinen Umsatz auf 6,7 Milliarden US-Dollar verdoppelte und nun 58 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, angetrieben durch die starke Nachfrage nach EPYC-Serverprozessoren und Instinct-KI-Beschleunigern.
Trotz dieser starken Kennzahlen fiel die AMD-Aktie im nachbörslichen Handel um rund 9 Prozent. Ein Hauptgrund dafür ist der Ausblick für das dritte Quartal, der mit einer Umsatzprognose von 12,7 bis 13,3 Milliarden US-Dollar hinter den optimistischsten Analystenschätzungen von bis zu 14 Milliarden US-Dollar zurückblieb. Zudem soll die Bruttomarge bei 56 Prozent stagnieren, was für eine Aktie, die auf ungebremstes Wachstum im KI-Sektor gesetzt hat, als Enttäuschung gewertet wurde. Die Investitionsausgaben beliefen sich im zweiten Quartal auf 808 Millionen US-Dollar, fast das Dreifache der Erwartungen, was kurzfristig auf die Margen drückt.
Welche Rolle spielen hohe Erwartungen und Wettbewerb?
Die Aktie von AMD hatte sich im laufenden Jahr mehr als verdoppelt und war damit zu einem der größten Gewinner im Nasdaq 100 aufgestiegen. Diese enorme Rallye führte zu extrem hohen Erwartungen seitens der Anleger. Neil Campling, Analyst bei Mirabaud Equity Research, kommentierte, dass die Erwartungen der Käuferseite über dem lagen, was das Unternehmen lieferte. Die Aktie war für ein „außergewöhnliches Ergebnis“ eingepreist, nicht nur ein „starkes“, so Shay Boloor von Futurum. Bernstein-Analysten schreiben, dass die Anleger bereits eine sehr optimistische Einschätzung hatten.
Zusätzlichen Druck erzeugte die Nachricht, dass SpaceX künftig ausschließlich auf Chips von NVIDIAs Vera Rubin-Architektur setzen wird, was einen potenziellen Großauftrag für AMD zunichtemachte. Dies unterstreicht den intensiven Wettbewerb im KI-Chip-Markt, in dem NVIDIA weiterhin eine dominante Rolle spielt. Obwohl AMD mit seinem neuen Helios-System, das vollständige Server-Racks um den MI450-Chip herum baut und an Kunden wie Meta und OpenAI liefern wird, technologisch aufholt, bleibt der Druck hoch, die hohen Erwartungen zu übertreffen.
Wie bewerten Analysten die aktuellen AMD Quartalszahlen?
Analysten sehen die fundamentale Lage von AMD weiterhin positiv, obwohl die kurzfristige Reaktion der Aktie negativ ausfiel. Jefferies hob das Kursziel für AMD von 640 auf 650 US-Dollar an und beließ die Einstufung auf „Buy“. Blayne Curtis von Jefferies betonte, dass die Anlagestory trotz verfehlter ambitionierter Erwartungen intakt bleibe, da die Nachfrage nach Grafikprozessoren (GPU) für KI-Technologie im vierten Quartal deutlich anziehen dürfte. Curtis sieht für das Jahr 2027 ein Umsatzpotenzial von 40 Milliarden US-Dollar im GPU-Geschäft und mindestens 30 Milliarden US-Dollar im Server-Bereich.
Auch Bernstein Research erhöhte das Kursziel von 600 auf 650 US-Dollar mit „Outperform“-Einstufung, da das zweite Quartal sehr gut ausgefallen sei und die fundamentale Lage sich zunehmend verbessere. Lisa Su, CEO von AMD, rechnet damit, dass sich der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft bis 2027 mehr als verdoppeln wird und das Unternehmen langfristig ein jährliches Umsatzwachstum von über 35 Prozent erzielen kann. Sie sieht den gesamten Markt für High-Performance- und KI-Computing bis 2030 auf rund 2 Billionen US-Dollar anwachsen, wovon 1,4 Billionen US-Dollar auf KI-Beschleuniger und 220 Milliarden US-Dollar auf Server-CPUs entfallen.
Trotz der kurzfristigen Enttäuschung über den Ausblick, der nicht die „bullischsten Schätzungen“ erreichte, bleibt das Vertrauen in die langfristige Strategie und das Produktportfolio von AMD bestehen. Die Partnerschaften mit Anthropic und Core Scientific zur Stärkung der KI-Infrastrukturambitionen unterstreichen die strategische Ausrichtung des Unternehmens, auch wenn die Abhängigkeit von wenigen Großkunden ein Risiko darstellt.
AMD im Fokus der Anleger und der AI-Revolution
Die Entwicklungen rund um Advanced Micro Devices bleiben spannend, insbesondere im Kontext des wachsenden KI-Marktes. Nachdem die AMD Aktie vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen bereits um 4,5% zulegte, zeigt sich, wie sensibel der Markt auf jede Nachricht reagiert. Auch andere Technologieunternehmen wie SAP stehen im Zeichen der KI-Diskussion, wobei ein SAP Aktienrückkauf Vertrauen trotz KI-Sorgen signalisiert und die Bedeutung von strategischen Entscheidungen in diesem dynamischen Umfeld unterstreicht.
„Wir haben ein hervorragendes Quartal hinter uns, mit Rekordumsatz- und Rentabilität, da sich der Umsatz im Bereich Rechenzentren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt hat.“— Dr. Lisa Su, Vorstandsvorsitzende und CEO von AMD
Die jüngsten AMD Quartalszahlen spiegeln ein starkes Wachstum wider, insbesondere im Rechenzentrumssegment, wurden jedoch von überzogenen Markterwartungen überschattet. Anleger reagierten enttäuscht auf den Ausblick und die hohen Investitionsausgaben, was zu einem Kursrückgang führte. Trotzdem sehen Analysten langfristig großes Potenzial im KI-Geschäft und im Produktportfolio des Unternehmens. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob AMD die hohen Erwartungen erfüllen und seinen Platz im hart umkämpften KI-Markt weiter festigen kann.



