Trotz Milliardenauftraegen und Starlink-Erfolgen: Warum drueckt die erneute Starship-Verschiebung die SpaceX-Aktie ins Minus?
Was bringt der neue NASA-Auftrag für SpaceX?
Die US-Weltraumbehörde hat Space Exploration Technologies mit dem Start des StarBurst-Observatoriums beauftragt. Der Satellit soll an Bord einer Falcon 9 im Rahmen einer Bandwagon-Rideshare-Mission frühestens 2028 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abheben. StarBurst gehört zum Astrophysics-Pioneers-Programm und soll die energiereichen Ausbrüche von Neutronenstern-Verschmelzungen aufspüren – sogenannte kurze Gammastrahlenblitze, die zu den gewaltigsten Explosionen im Universum zählen. Die Vergabe erfolgte als Festpreis-Auftrag im Rahmen des Venture-Class-Acquisition-of-Dedicated-and-Rideshare-Vertrags, der über zehn Jahre ein Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar umfasst.
Der Auftrag reiht sich in eine wachsende Liste staatlicher Mandate ein. Erst kürzlich sicherte sich das Unternehmen 1,6 Milliarden Dollar von der US Space Force für 18 Falcon-9-Starts. Zusätzlich vergab die Raumfahrtbehörde drei weitere Crew-Missionen zur Internationalen Raumstation im Wert von 946 Millionen Dollar, womit sich der Gesamtwert des Commercial-Crew-Vertrags auf 5,92 Milliarden Dollar bis 2030 erhöht. Für den Konzern ist das ein weiterer Beleg seiner dominierenden Stellung im US-Startgeschäft.
Starlink Mobile erhält grüne Ampel
Ein zweiter wichtiger Erfolg kommt von der US-Telekomaufsichtsbehörde FCC. Diese erteilte der Tochter Space Exploration Holdings die Genehmigung, internationale Telekommunikationsdienste anzubieten. Damit kann der Konzern den Ausbau von Starlink Mobile zu einer direkten 5G-Satellitenverbindung für unmodifizierte Smartphones vorantreiben. Rund 650 Direct-to-Mobile-Satelliten befinden sich bereits im Orbit, das Netzwerk erreicht nach Unternehmensangaben etwa 1,9 Milliarden Menschen auf sechs Kontinenten.
Die nächste Satellitengeneration Mobile V2 soll rund 20-mal mehr Durchsatz liefern als die erste Generation und in den meisten Umgebungen eine vollwertige 5G-Verbindung ermöglichen. Konzernpräsidentin Gwynne Shotwell hatte zuvor erklärt, die Kombination aus dem rund 65 Megahertz umfassenden EchoStar-Spektrum und einer größeren Satellitenflotte könne Starlink Mobile „100-mal besser” machen als das heutige Netz. Traditionelle Mobilfunker sehen die Satellitentechnik bislang eher als Ergänzung denn als Ersatz für terrestrische Netze.
Starship-Start verschiebt sich erneut
Weniger erfreulich verlief die Woche für die Anleger. Der 14. Testflug des Starship-Raketensystems wurde um sechs Tage auf den 28. September verschoben. Die Mission gilt als erster Orbitalflug des Programms: Die Oberstufe soll rund 275 Kilometer Höhe erreichen, etwa sechs Erdumrundungen absolvieren und 26 Starlink-V3-Satelliten aussetzen. Der Super-Heavy-Booster soll offshore landen, eine Rückkehr zur Startrampe ist diesmal nicht geplant.
Die Verschiebung belastet die Stimmung. Nach Angaben von JPMorgan-Analyst Arun Jain haben Privatanleger in den vergangenen drei Wochen rund 570 Millionen Dollar aus der Aktie abgezogen, allein in der vergangenen Woche etwa 250 Millionen Dollar – der größte wöchentliche Abfluss, den die Bank bislang gemessen hat. Seit dem Börsengang im Juni summieren sich die Mittelzuflüsse von Privatanlegern allerdings weiterhin auf rund 3,4 Milliarden Dollar.
Analysten bleiben gespalten
Die Bewertung bleibt umstritten. Analyst Glenn Thum von Phillip Securities stuft die Aktie mit „Verkaufen” und einem Kursziel von 75 Dollar ein – vor allem wegen der hohen Verluste im KI-Segment. Dem stehen 41 von Analysten beobachtete Schätzungen gegenüber: 76 Prozent lauten auf „Kaufen”, der Median-Kurszielwert liegt bei rund 217 Dollar. Die Aktie notiert aktuell bei 152,46 Dollar und damit deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 225,64 Dollar.
Milliardär Ron Baron, dessen Baron Capital rund 25 Milliarden Dollar in Aktien des Konzerns hält, bleibt optimistisch: „Ich denke, allein Starlink könnte in zehn Jahren eine Billion Dollar Umsatz machen”, sagte er im Fernsehinterview. Bei entsprechenden Margen sei eine Bewertung von 14 bis 15 Billionen Dollar denkbar. Auch NVIDIA hält rund 21 Milliarden Dollar an Anteilen des Unternehmens.
Was bedeutet die Nasdaq-Gewichtung für Anleger?
Ein weiterer Faktor rückt in den Fokus: Das Unternehmen wird seine Gewichtung im Nasdaq-100 von 1,25 auf 2,25 Prozent erhöhen. Das dürfte zusätzliche passive Mittelzuflüsse aus Indexfonds auslösen. Gleichzeitig bleiben die Risiken bestehen – hohe Kapitalausgaben von 18,4 Milliarden Dollar allein im zweiten Quartal, ein Quartalsverlust von 541 Millionen Dollar und der anhaltende Ausverkauf durch Privatanleger.
SpaceX zwischen Fusionsspekulationen und Kurszielanhebung im Tech-Sektor
Die Diskussion um eine mögliche Fusion von SpaceX mit Tesla reißt nicht ab – zuletzt belasteten Insider-Verkäufe und Spekulationen über Musks Pläne die Aktie spürbar, wie ein aktueller Bericht zur SpaceX-Fusion und den Kursverlusten zeigt. Im weiteren Technologiesektor sorgte unterdessen eine Kurszielanhebung der UBS für die Siltronic-Aktie für Aufsehen und beflügelte den Kurs deutlich.
Ich denke, allein Starlink könnte in zehn Jahren eine Billion Dollar Umsatz machen. Und wenn man sich die Margen ansieht, 700 Milliarden, 800 Milliarden Dollar EBITDA – und darauf einen Multiplikator anwendet, würde das eine Bewertung von 14 bis 15 Billionen Dollar stützen.— Ron Baron, Baron Capital
Unterm Strich festigt SpaceX seine Position als führender Startdienstleister der USA und treibt den Ausbau von Starlink Mobile mit neuer FCC-Genehmigung voran. Für Anleger bleiben die hohen Kapitalausgaben und der verschobene Starship-Test ein Risiko, doch die wachsende Auftragslage und die bevorstehende Nasdaq-Gewichtungserhöhung könnten zusätzliche Mittelzuflüsse bringen. Die nächsten Quartalszahlen und der Starship-Flug am 28. September dürften zeigen, ob der positive Trend anhält.




