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Moderne Chemieanlage im Abendlicht, symbolisiert den Evonik Stellenabbau und die Umstrukturierung.
EVK.DE
AktienGlobal

Evonik Stellenabbau: Aktie feiert +3,2% nach hartem Umbauprogramm

EVK.DE Evonik Industries AG
€17.98 +0.74 (+4.29%)
Mkt Cap
P/E (FWD)
Yield
52W High
18.07

Warum reagiert die Börse mit einem Kursplus auf den massiven Stellenabbau bei Evonik – oder steckt mehr dahinter?

Erwähnte Aktien
EVK
Kurs bei Erstellung · 17,84€ +3,18%
Evonik Industries AG

Wie viele Stellen fallen bei Evonik weg?

Der Chemiekonzern Evonik Industries AG hat den Abbau von weltweit 3.200 Stellen angekündigt, rund 2.150 davon in Deutschland. Das teilte das Unternehmen nach einer Strategieklausur von Vorstand und Aufsichtsrat mit. Der Evonik Stellenabbau soll sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden – über die Nicht-Nachbesetzung frei werdender Stellen, frühere Übergänge in den Ruhestand sowie freiwillige Abgänge gegen Abfindungen. Die Ausarbeitung der Maßnahmen im Detail soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Das Umbauprogramm geht 2027 in die zweite Phase und zieht sich bis 2029. Bereits bis Ende 2026 fallen durch laufende Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen weg, vorwiegend im Management.

Rettig spricht von einer Polykrise der Branche

„Wir befinden uns in einer strukturellen und ökonomischen Krise unserer Industrie“, sagte Interims-CEO Claus Rettig. Diese Überzeugung werde von Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretern geteilt. „Wir werden diese Polykrise nutzen, um alte Strukturen zu ändern und uns besser aufzustellen.“ Der 66-jährige Rettig führt den Essener Konzern vorübergehend, nachdem Vorstandschef Christian Kullmann im August überraschend wegen einer Erkrankung „bis auf Weiteres“ ausgefallen war. Kullmann habe seine Operation gut überstanden und befinde sich auf dem Weg der Besserung, sagte Rettig. Er sei zuversichtlich, dass Kullmann im kommenden Jahr zurückkommen werde.

Evonik Industries AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - September 2026

Das Portfolio wird kräftig umgebaut

Neben dem Jobabbau ordnet Evonik sein Produktportfolio nach Rollenprofilen und weist den sechs großen deutschen Produktionsstandorten spezifische Aufgaben zu. Die Umsetzung dieser Zukunftsbilder beginne „in diesen Tagen“. Zugleich zieht sich der Konzern weltweit aus Geschäftsaktivitäten zurück, für die „keine Perspektive“ im Unternehmen besteht. Von den Tochtergesellschaften Oxeno und Syneqt mit rund 4.300 Beschäftigten will sich Evonik trennen. „Wir sprechen bei Oxeno mit Investoren, im Falle Syneqts ist das noch nicht der Fall“, sagte Rettig. „Aber es ist klar, dass es in beiden Fällen zum Verkauf kommen wird.“ Bei Oxeno soll es im laufenden Jahr Fortschritte geben, bei Syneqt mit 3.500 Beschäftigten in Marl und Wesseling soll der Verkaufsprozess 2027 starten. Zudem wird das Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro eingestellt.

Wachstum soll aus Asien und Amerika kommen

Gute Chancen für Wachstum sieht Evonik vor allem in Asien und Amerika. Dort werden aktuell weitere Investitionsprojekte geprüft. Ziel bleibe eine ausgewogene Umsatzverteilung in den drei Schwerpunktregionen Europa, Asien und Amerika. „Meine Botschaft, auch an Mitarbeiter, lautet: Es geht hier nicht nur um Kostensenkung. Wir wollen in den aussichtsreichen Gebieten unseres Chemieportfolios wachsen“, sagte Rettig. Produkte und Stoffe für Biotechnologie, für Daten-Center und für die Luft- und Raumfahrt gehören dazu. Finanzielle Details zu Einspareffekten und Sonderkosten nannte Evonik zunächst nicht. Ein erstes Restrukturierungsprogramm hatte bei jährlichen Einsparungen von rund 400 Millionen Euro etwa 250 Millionen Euro gekostet – das aktuelle werde „wohl teurer werden“. Per Ende 2025 beschäftigte der Konzern 31.053 Mitarbeiter, fast 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Die Börse feiert den harten Schnitt

Die Aktie von Evonik (EVK.DE) legte am Dienstag deutlich zu und notierte zuletzt bei 17,84 Euro, ein Plus von 3,18 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 17,24 Euro. Zeitweise ging es sogar um fast fünf Prozent nach oben. Der Markt honoriert offenbar die Entschlossenheit, mit der der Konzern seine Kostenbasis senken und sich auf profitable Geschäfte fokussieren will. Operativ läuft es 2026 bislang ordentlich: Die Folgen des Irankriegs bescherten den Essenern gut gefüllte Orderbücher, weil Evonik anders als viele asiatische Wettbewerber keine Lieferprobleme hatte. Die Gewinnprognose für 2026 wurde im Juli angehoben. Rettig selbst erwartet jedoch, dass dies ein vorübergehender Effekt bleibt.

Wir werden diese Polykrise nutzen, um alte Strukturen zu ändern und uns besser aufzustellen.
— Claus Rettig, Interims-CEO von Evonik
Fazit

Evonik setzt mit dem Abbau von 3.200 Stellen und der Neuordnung des Portfolios ein deutliches Zeichen in der Chemiekrise. Für Anleger zahlt sich die Entschlossenheit kurzfristig aus, wie der kräftige Kursanstieg zeigt. Ob der Umbau bis 2029 wie geplant greift, werden die nächsten Quartalszahlen und der Verkaufsprozess von Oxeno und Syneqt zeigen.

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Maik Kemper

Maik Kemper ist Gründer und Chefredakteur von FOREXSignale.trade. Mit Börsenerfahrung seit dem 18. Lebensjahr handelt er aktiv Forex, Aktien und Kryptowährungen. Schwerpunkte: Quartalsanalysen, Unternehmensstrategien und makroökonomische Entwicklungen.

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