Kann Palantir seine Position bei der US-Flugsicherung FAA weiter ausbauen und wie reagiert der Markt auf die jüngsten Entwicklungen?
Das war die Woche bei Palantir
Im Mittelpunkt stand der Start des SMART-Programms der US-Luftfahrtbehörde FAA, das seit Montag an drei großen Flughäfen rund um Washington zum Einsatz kommt. Für Palantir ist das insofern bedeutsam, als das Unternehmen bereits seit 2021 mit der Behörde zusammenarbeitet: Damals erhielt es einen Auftrag über 18,4 Millionen Dollar für die Überwachung der Flugsicherheit, unter anderem im Zusammenhang mit der Wiederzulassung der Boeing 737 MAX. Analyst John McPeake von Rosenblatt argumentiert, dieser Fuß in der Tür könne sich nun auszahlen, weil die Behörde ihre Palantir-Anwendungsfälle nach dem Zusammenstoß in der Luft über Washington und der Kollision auf der Startbahn des LaGuardia im März auf weitere Sicherheitsszenarien ausweitet.
Zweitens rückten neue Partnerschaften in den Fokus: Surf Air Mobility gewann mit SkyDance Air einen zweiten Kunden für seine auf Palantir-Technologie basierende Flugbetriebssoftware OperatorOS und holte mit Barrett Brown einen ehemaligen Palantir-Manager als President von SurfOS an Bord.
Wie lief der Kurs im Wochenverlauf?
Die Aktie legte von der Montagseröffnung bei 178,73 Dollar bis zum Freitagsschluss bei 189,67 Dollar um 6,1 Prozent zu. Das Wochenhoch lag bei 194,68 Dollar, das Wochentief bei 176,76 Dollar. Besonders auffällig waren der Montag mit einem Plus von 3,1 Prozent und der Mittwoch mit einem Anstieg von 3,7 Prozent – an beiden Tagen bewegte sich der Kurs also deutlich stärker als an den übrigen Handelstagen. Der Mittwoch war zugleich der Tag, an dem Rosenblatt seine Einschätzung zur FAA-Chance veröffentlichte und die Aktie zeitweise auf dem höchsten Stand seit dem 24. Dezember 2025 notierte. Zum Wochenausklang gab der Kurs am Freitag um 1,5 Prozent nach, nachdem Michael Burry seine Short-Position gegen Palantir ausgeweitet hatte.
Was sagt Rosenblatt zur Palantir FAA-Chance?
Rosenblatt-Analyst John McPeake bestätigte am Mittwoch sein Buy-Rating und sein Kursziel von 225 Dollar. Zwar ging der zwölfjährige Auftrag über 875 Millionen Dollar für das Flow-Management-System der FAA an den Wettbewerber Air Space Intelligence. McPeake geht jedoch davon aus, dass mehrere Anbieter zum Zuge kommen und Palantir weiterhin an Sicherheits- und Vorhersagemodellen arbeitet. Die Behörde selbst hatte in einer Mitteilung erklärt, Palantir sei der einzige Anbieter gewesen, der ohne umfangreiche Neuentwicklung an ihre bestehenden Systeme andocken könne – ein Wechsel würde den Neuaufbau von Integrationen, die Migration operativer Daten und die Umschulung von Personal erfordern. Diese Positionierung dürfte erklären, warum der Markt den verlorenen Auftrag gelassen aufnahm.
Was treibt das operative Geschäft?
Die Zahlen untermauern die Zuversicht: Im zweiten Quartal meldete Palantir einen Umsatzsprung von 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar, das US-Regierungsgeschäft wuchs um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar und übertraf damit erstmals das US-Kommerzgeschäft mit 764 Millionen Dollar. Mitgründer Peter Thiel sagte bei der Verleihung des Axel Springer Awards in Berlin, die Verkäufe an US-Unternehmen hätten “tremendously” (enorm) an Fahrt aufgenommen, während Europa in der KI-Adoption weit zurückliege. Auch das passt zu den neuen Partnerschaften: SkyDance Air, zweitgrößter Betreiber einer einheitlichen Cirrus-Vision-Jet-Flotte in Nordamerika, will seine Flotte bis 2027 auf rund zehn Maschinen ausbauen und setzt dabei auf OperatorOS.
Welche Risiken bleiben?
Nicht alle Marktteilnehmer teilen den Optimismus. Michael Burry, bekannt aus dem Film “The Big Short”, baute laut Seeking Alpha seine Wetten gegen Palantir, Micron, Nebius und den iShares Semiconductor ETF weiter aus und zweifelt an Bewertung und Rechnungslegung. Auch Analysten der Aktiencheck-Redaktion verweisen auf Insiderverkäufe der Direktoren Alexander D. Moore und Lauren Elaina Friedman Stat im September und sehen das Chance-Risiko-Verhältnis nach dem starken Lauf als weniger attraktiv an. Der Aktienkurs notiert aktuell rund 8,7 Prozent unter seinem Allzeithoch von 207,18 Dollar, das er im November 2025 erreicht hatte.
Was steht nächste Woche an?
Palantir und Oracle im Fokus der Berichtswoche
Die KI-Offensive bei der US-Flugsicherung beschäftigte die Märkte bereits unter der Woche: Palantir FAA: +3,5% nach KI-Start – Rosenblatt sieht 225 Dollar ordnet den Kurssprung nach dem SMART-Start ein. Ganz anders verlief die Woche für einen anderen Schwergewichtstitel: Oracle Datencenter: Force-Majeure-Meldung bremst Aktie um 7,9 Prozent zeigt, wie empfindlich der Markt auf Störungen bei großen Infrastrukturprojekten reagiert.
We think what started in 2021 as a Palantir aircraft safety monitoring solution in the wake of 737 MAX safety issues is being expanded internally as the agency expands Palantir use cases to additional safety use cases after the Washington D.C. in-air crash in January of last year and the LaGuardia runway collision in March.— John McPeake, Analyst bei Rosenblatt
Neue Quartalszahlen stehen noch nicht auf dem Kalender – die nächste Berichtsrunde dürfte erst im November anstehen. Kurzfristig richtet sich der Blick daher auf charttechnische Marken: Nach dem Ausbruch über die zuvor hartnäckige Widerstandszone bei 188 Dollar gilt die runde Marke von 200 Dollar als nächste Hürde, gefolgt vom Allzeithoch bei 207,18 Dollar. Auf der Unterseite dürfte die 188-Dollar-Zone als neue Unterstützung dienen. Zudem bleibt die Frage offen, ob die FAA weitere Aufträge vergibt und ob Palantir dabei zum Zug kommt. Anleger sollten außerdem die Entwicklung rund um die Short-Positionen und mögliche regulatorische Signale aus Washington im Auge behalten.



