Rheinmetall steigt in die Satellitenproduktion ein – doch kann der Rüstungskonzern mit dieser Diversifizierung auch im Weltraum bestehen?
Die Fertigung in Neuss ist angelaufen
Nach Planungsarbeiten und dem Aufbau der nötigen Strukturen hat Rheinmetall die industrielle Produktion gestartet. Hersteller ist die Rheinmetall Iceye Space Solutions GmbH, an der der Rüstungskonzern 60 Prozent hält. Anfang 2027 soll der erste in Neuss gefertigte Satellit mit einer Trägerrakete von SpaceX ins All gebracht werden.
Die SAR-Systeme nutzen Radar statt sichtbares Licht. Dadurch können sie auch nachts und bei schlechtem Wetter Aufnahmen liefern. Die Technik soll unter anderem Truppenbewegungen und militärische Stellungen erfassen. Künstliche Intelligenz hilft dabei, relevante Informationen herauszufiltern und aufzubereiten.
Was bedeutet der Vertrag für die Bundeswehr?
Die Aufnahmen sind für die Bundeswehr und weitere Streitkräfte vorgesehen. Im Rahmen des mehrjährigen Vertrags im Wert von 1,7 Milliarden Euro hat sich die Bundeswehr zudem exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von Satelliten gesichert. Das soll den Zugang zu den gewünschten Radaraufnahmen beschleunigen.
Besonders an der Nato-Ostflanke könnten die Daten zur Lageeinschätzung beitragen und die Bundeswehr-Brigade in Litauen unterstützen. Die Systeme ergänzen optische Satellitenbilder, ersetzen sie aber nicht. Für die Auswertung der Radarbilder ist außerdem speziell geschultes Personal erforderlich.
Der Konzern erweitert sein Angebot
Mit dem Einstieg in die Weltraumaufklärung verbreitert Rheinmetall sein Geschäft über Artillerie, Panzer und Munition hinaus. Der Konzern baut auch seine Aktivitäten bei Schiffen, Flugzeugkomponenten und Drohnen aus. Im Wettbewerb um das Satellitengeschäft stehen unter anderem Airbus Defence and Space und der Bremer Raumfahrtkonzern OHB.
Die Aktie notierte am Dienstag vorbörslich bei 971,35 Euro und damit 0,90 Prozent unter dem Vortagesschluss von 980,20 Euro. Die Nachricht über den Produktionsstart ändert somit nichts daran, dass der Kurs an diesem Morgen nachgab.
Der Satellitenstart und strategische Unternehmensentscheidungen
Der Produktionsstart knüpft an den zuvor behandelten erfolgreichen Rheinmetall-Satellitenstart an, der im Zusammenhang mit der Unsicherheit um die Aktie eingeordnet wurde. Einen sektorübergreifenden Kontrast bietet die geplante Übernahme von PTC durch Schneider Electric, auf die der Markt mit einem deutlichen Kursrückgang reagierte.
Der erfolgreiche Produktionsanlauf in Neuss zeigt, dass wir nicht nur innovative Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in Deutschland skalieren können.— Armin Papperger
Rheinmetall hat in Neuss die Serienfertigung von SAR-Satelliten gestartet und verbindet den Produktionsaufbau mit einem milliardenschweren Bundeswehr-Auftrag. Für Anleger erweitert das Unternehmen damit sein Geschäftsfeld, während die Aktie am Dienstag vorbörslich nachgab. Entscheidend wird sein, ob die geplante Fertigung und der für Anfang 2027 vorgesehene erste Start wie angekündigt umgesetzt werden; der Produktionsfortschritt bleibt dabei ein wichtiger Orientierungspunkt.



