Der Machtkampf um die Commerzbank spitzt sich zu – doch wie beeinflusst der Streit mit UniCredit den Aktienkurs und die Zukunft des Instituts?
Der Kurs verliert die Marke von 40 Euro
Mit dem Rückgang auf 39,08 Euro liegt die Aktie unter der wichtigen Schwelle von 40 Euro. RBC Capital Markets stufte das Papier am 2. Oktober von „Outperform“ auf „Sector Perform“ herab und senkte das Kursziel von 43 auf 40 Euro. Einen Tag zuvor wechselte die Deutsche Bank von „Buy“ auf „Hold“; ihr Kursziel blieb bei 42 Euro. Beide Einschätzungen signalisieren weniger Spielraum nach oben, unterscheiden sich aber bei den Zielmarken.
Wie verändert UniCredit den Machtkampf?
UniCredit hält nach ihrem Angebot knapp 48 Prozent und könnte sich der Marke von 50 Prozent der Stimmrechte nähern. RBC sieht laut Dow Jones erhöhte Risiken und weniger Sichtbarkeit durch die Pläne des italienischen Instituts. Im Raum steht demnach auch ein möglicher Erwerb der deutschen HVB durch die Commerzbank, den RBC als sinnvollen Schritt bezeichnete. Ein konkreter Beschluss dazu liegt nicht vor.
Der Konflikt betrifft auch die Führung: Nach Angaben des Ausgangsmaterials sollen bei einer außerordentlichen Hauptversammlung alle zehn Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat zur Ablösung stehen; auch Vorstandschefin Bettina Orlopp sei im Gespräch. Die Bundesregierung pocht auf klare Zusagen. UniCredit und die Commerzbank sind damit nicht nur mit einer Eigentümerfrage, sondern auch mit der künftigen Aufstellung der Bank konfrontiert.
Was sollten Anleger jetzt beachten?
Charttechnisch rutschte die Aktie unter die 50-Tage-Linie bei rund 40 Euro. Als nächste wichtige Marke gilt der Bereich um 38 Euro; eine Rückkehr über 40 Euro wäre laut der technischen Einordnung ein erstes Erholungssignal. Die Aktie war zuvor innerhalb einer Woche fast zehn Prozent gefallen, nachdem sie vom Jahrestief unter 30 Euro bis nahe 43 Euro gestiegen war.
Zum Halbjahr meldete die Bank einen Gewinnsprung, außerdem läuft das Rückkaufprogramm weiter. Orlopp sieht eine anziehende Kreditnachfrage. Der nächste wichtige Termin ist der 5. November: Dann stehen die nächsten Zahlen an. Für Anleger treffen damit solide Geschäftssignale auf einen Machtkampf, gesenkte Analysteneinschätzungen und einen Kurs, der aktuell nahe den genannten Kurszielen liegt.
Der Machtkampf um die Commerzbank spitzt sich zu
Der aktuelle Kursrückgang knüpft an den zuvor beschriebenen Konflikt an: Im Beitrag zum eskalierenden Machtkampf mit UniCredit stehen Führungsfragen und ein möglicher Stellenabbau im Mittelpunkt. Einen Blick auf einen anderen Teil des Finanz- und Immobiliensektors bietet der Artikel über Vonovias neue Dienstleistungsmarke Veveus.
Die Commerzbank steht zugleich unter Druck durch den Machtkampf mit UniCredit, den Rückgang unter 40 Euro und vorsichtigere Analystenurteile, während Halbjahreszahlen und Kreditnachfrage positive Signale setzen. Für Anleger bleibt damit entscheidend, Chancen und Übernahmerisiken gegeneinander abzuwägen und die Kursmarken sowie den Novembertermin im Blick zu behalten. Die nächsten Zahlen und die weitere Entwicklung der Eigentümerfrage können die Richtung klären – eine überlegte, gut informierte Entscheidung ist jetzt besonders wichtig.



