Kann Mercedes-Benz den starken Absatzrückgang in China durch wachsende E-Auto-Verkäufe und starke europäische Märkte ausgleichen?
China bleibt der größte Belastungsfaktor
Insgesamt setzte Mercedes-Benz im dritten Quartal 491.700 Pkw und Vans ab. Bei den Pkw allein waren es 407.200 Fahrzeuge, 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vorquartal sank der Absatz insgesamt um 4 Prozent. Das Minus in China fiel deutlich stärker aus: Dort wurden 86.800 Pkw ausgeliefert, ein Rückgang um 31 Prozent.
Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. Europa kam auf 167.800 Pkw und damit auf ein Plus von 5 Prozent. In den USA stiegen die Auslieferungen um 6 Prozent auf 75.300 Fahrzeuge. Außerhalb Chinas legte der Absatz von Pkw und Vans im Jahresvergleich insgesamt um 2 Prozent zu. Damit steht das Wachstum außerhalb des chinesischen Marktes dem deutlichen Einbruch dort gegenüber.
Elektromodelle sorgen für einen Lichtblick
Bei vollelektrischen Pkw erreichte der Konzern im Quartal nach eigenen Angaben einen Höchststand: Weltweit verkaufte er 68.400 Fahrzeuge, 61 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In Europa war fast jeder dritte verkaufte Mercedes-Pkw vollelektrisch; dort stiegen die E-Auto-Verkäufe im Quartalsvergleich um 78 Prozent. Auch der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge am Absatz von Pkw und Vans erhöhte sich laut Dow Jones im Jahresvergleich auf 16,8 Prozent.
Vertriebsvorstand Mathias Geisen sagte, außerhalb Chinas sei der Pkw-Absatz 2026 im dritten Quartal in Folge gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die neuen elektrischen Modelle GLC, CLA, GLB und GLA seien in Europa für den Rest des Jahres ausverkauft; die Auftragsbücher reichten bis ins kommende Jahr. Um die Nachfrage zu bedienen, arbeiten die Werke in Bremen, Rastatt und Kecskemét im Dreischichtbetrieb.
Was bedeutet der Rückgang für Anleger?
Der anhaltende Druck in China trifft auch margenstarke Oberklassemodelle: Weltweit sanken die Verkäufe dieser Pkw im dritten Quartal um 21 Prozent. Zugleich setzt das Unternehmen auf neue Modelle und Sparprogramme, um gegenzusteuern. Dow Jones berichtete am 6. Oktober unter Berufung auf Citi, die EBIT-Marge im Pkw-Geschäft könne in diesem Jahr unter 3 Prozent fallen; Citi sehe zugleich eine weniger deutliche Erholung im kommenden Jahr als zuvor erwartet. Die Bank ergänzte, vieles davon sei bereits im Aktienkurs berücksichtigt.
Die endgültigen Quartalsergebnisse will Mercedes-Benz am 28. Oktober vorlegen. Dann wird sich zeigen, wie sich der Absatzmix und die anhaltende Schwäche in China auf die Geschäftszahlen auswirken.
Sparprogramm und Wettbewerb prägen die Autobranche
Welche Einschnitte und strategischen Anpassungen der Konzern prüft, beleuchtet der Beitrag zum Mercedes-Benz-Sparprogramm und den diskutierten Abfindungen. Zugleich verschärft der Wettbewerb bei Elektroautos den Druck auf die Hersteller, wie der Artikel über Volkswagens Preisdruck und günstigere E-Autos einordnet.
Außerhalb Chinas ist der Pkw-Absatz 2026 im dritten Quartal in Folge gegenüber dem Vorjahr gestiegen.— Mathias Geisen
Der deutliche Rückgang in China belastet Mercedes-Benz, während Europa, die USA und vor allem vollelektrische Modelle positive Gegenakzente setzen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob das Wachstum außerhalb Chinas die Schwäche im wichtigen chinesischen Markt und den Druck auf das margenstarke Oberklassegeschäft auffangen kann. Die endgültigen Quartalsergebnisse am 28. Oktober liefern den nächsten Einblick und zeigen, ob die Modelloffensive die Erholung weiter stützt.



