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WallStreetWatch: Nvidia‑Earnings – Euphorie, aber viele Ungereimtheiten

KURZ & KNAPP

Die Vorbörse wird heute von zwei dominanten Themen bestimmt: den Nvidia‑Earnings und dem verspäteten US‑Jobsbericht. Nvidia lieferte einen starken Quartalsbeat und eine deutlich bullische Umsatz‑Guidance für das Januar‑Quartal, doch aus einem ausführlichen Textbeitrag (Finanzmarktwelt.de) ergeben sich erhebliche Fragezeichen zu Bilanzdetails und Nachfragezeichen, die Anleger nicht übersehen sollten. Lagerbestände und Forderungen stiegen stark an, gleichzeitig prognostiziert das Unternehmen für 2026 einen rückläufigen operativen Cashflow — ein Widerspruch zur Rhetorik von „demand off the charts“.

Parallel legt der September‑Payroll‑Report überraschend starke (119.000) Zahlen vor, die Arbeitslosenquote steigt auf 4,4% und Löhne steigen moderat. Das macht die Dezember‑Fed‑Debatte heikler: Märkte hatten eine Zinssenkung eingepreist, doch robuste Stellenzahlen schwächen diese Aussicht derzeit.

Unser Briefing fasst die wichtigsten Stories zusammen, listet kompakte Kurznews zu relevanten Titeln und liefert einen Kalender mit allen heute im Fokus stehenden Unternehmens‑ und Makroterminen — inklusive Zeiten in MEZ (mit ET‑Angabe). Für Trader: Achtet auf Nvidia‑Intraday‑Volatilität, CDS‑Spreads im Tech‑Cluster und die Reaktion von Retail‑ und Hyperscaler‑Aktien auf die Guidance.

AUSBLICK US-Märkte

Deutschland / Europa

Der DAX startete mit freundlicher Tendenz nach den Nvidia‑Zahlen, die den globalen Tech‑Sektor stützen. Einzelne deutsche Gewinner sind Infineon (Erholung, 50‑Tage‑Linie zurückerobert), Siemens Energy (Stärke durch Energiethema) sowie RWE (vorbehaltlich weiterer Käuferaktivität). Verlierer der Vorwoche wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt blieben unter Druck; bei Renk steht heute ein Kapitalmarkttag an. Bei kleineren Tech‑Werten sind Gewinnmitnahmen zu beobachten (Fresenius, Fresenius Medical Care).

Herausstechende Aktien (Auswahl): Infineon, Siemens Energy, RWE, Airbus, SAP. Kurzfristig wird die Stimmung vom US‑Markt und Nvidia‑Reaktion getrieben; mittelfristig bleibt die Fed‑Debatte relevant.

US‑Märkte / Was heute ansteht

Futures zeigen vorbörslich Stärke, angetrieben von Nvidias starken Zahlen. Wichtige Termine: der verspätete September‑Jobs‑Report (08:30 ET / 14:30 MEZ) ist heute maßgeblich für die Fed‑Erwartungen; zusätzlich stehen vorbörslich zahlreiche Unternehmensberichte an (u. a. Walmart). Anleger sollten auf S&P‑ und Nasdaq‑Futures, Reaktionen bei AI‑Anlagen sowie CDS‑Spreads achten. Die vorliegenden Payroll‑Zahlen (siehe Hauptstorys) und Aussagen aus den Fed‑Minutes stützen aktuell eine vorsichtigere Einschätzung zu vorgezogenen Zinssenkungen — Dezember bleibt umstritten.

DIE 5 WICHTIGSTEN STORYS

Story 1 – Nvidia: starke Guidance, aber viele Ungereimtheiten

Nvidia lieferte einen eindrucksvollen Quartals‑Beat und eine bullische Umsatzprognose für das Januar‑Quartal, die den Markt kurzfristig beruhigte. Zugleich listet ein Beitrag auf Finanzmarktwelt.de eine Reihe von Ungereimtheiten: Inventories stiegen nahezu 100% gegenüber dem Vorjahresquartal, Accounts Receivable explodierten, und wenn man diesen AR‑Anstieg herausrechnet, wäre der Umsatz um rund 3,5 Mrd. Dollar verfehlt worden. Gleichzeitig prognostiziert das Management für 2026 einen rückläufigen operativen Cashflow, obwohl die Führung von „demand off the charts“ spricht.

Der Artikel weist auf bilanzielle Umbuchungen hin — etwa die stille Änderung der Erfassung des Ziellandes von Rechnungsanschriften (Singapur verschwindet als Empfängerland) — und auf zahlreiche Absichtserklärungen (z. B. zu Kooperationen wie OpenAI), die bislang nicht als echte, laufende Umsätze sichtbar wurden. Zudem macht die Konzentration: vier Kunden tragen rund 61% des Umsatzes — ein Klumpenrisiko.

Weitere kritische Punkte: massive Lageraufstockungen trotz angeblicher Überauslastung der Cloud‑GPUs, ein ungewöhnlicher Anstieg der Forderungen und Fragen zur Laufzeit bzw. Abschreibung von sehr langlebigen Chips. Kurz: Anleger sollten die starke Guidance zwar respektieren, aber zugleich die Disposition der Bilanzkennzahlen, die Kundenkonzentration und die Diskrepanz zwischen „Narrativ“ und Cashflow‑Prognose kritisch prüfen. Das Thema bleibt für Trader heute das wichtigste Risiko‑/Chance‑Paar: positive Guidance vs. strukturelle Bilanzfragen.

Story 2 – Marktreaktion: Erleichterung, aber strukturelle Sorgen bleiben

Nach Nvidias Zahlen reagierte der Markt mit Erleichterung: S&P‑Futures zogen an, Nasdaq‑Produkte profitierten und viele AI‑nahe Titel gaben Auftrieb. Dennoch zeigen Kreditmärkte und bestimmte Indikatoren anhaltende Stressfaktoren: Credit‑Default‑Swaps einiger Tech‑ und Cloud‑Player weiteten sich in den vergangenen Wochen aus, und in Private‑Credit‑Strukturen (Blue Owl, andere BDC‑Fälle) gibt es vereinzelt Liquiditätsengpässe. Das heißt: Aktien und Kreditmärkte senden teils unterschiedliche Signale.

Hinzu kommt eine fundamentale Debatte über die Wirtschaftlichkeit von KI‑Investitionen: Analysen (u. a. Rothschild) heben hervor, dass ein Dollar an KI‑Capex bisher deutlich weniger direkten Umsatz abwirft als traditionelle Cloud‑Investitionen — ein potenzielles Ertragsproblem, das institutional‑strategische Allokationen prägt. Manche Marktteilnehmer erwarten, dass die spekulative Nachfrage in Nebenbereichen kollabieren könnte, ohne dass die Anführer wie Nvidia sofort einbrechen.

Kurzfristig wird der Markt also von der Frage getrieben, ob die angehobene Guidance echte, nachhaltige Erlöse und Cashflows widerspiegelt oder ob sich die Risiken (Kreditkosten, Finanzierung neuer Rechenzentren, Fehlallokationen) in anderen Marktsegmenten weiter zuspitzen.

Story 3 – Asien, Exporte und Energie: geopolitische & makro Treiber

Die geopolitische Dimension bleibt eine Schlüsselfrage: Nvidia weist China‑Umsätze in der Guidance als null aus, weil Exportbeschränkungen bestehen; die Möglichkeit einer späteren Rückkehr nach China wird diskutiert, ist aber offen. Zugleich erlaubte das US‑Handelsministerium Exporte von Blackwell‑Chips in begrenztem Umfang an bestimmte Partner (G42/Arabische Staaten) unter strengen Bedingungen zur Verhinderung von Umleitungen — das Thema Tech‑Transfer bleibt ein regulatorischer Engpass.

Im asiatischen Raum wirken außerdem makroökonomische Entwicklungen. Japan plant ein großes Stimuluspaket, während die Bank of Japan in den Devisenmärkten intervenierte: der Yen‑Druck und die Reaktion der Notenbank beeinflussen Währungspaare (USD/JPY) und damit indirekt Rohstoffe und Gold. Das macht die asiatischen Käufer für Gold und Energie sensitiv gegenüber globalen Tech‑Zyklen und der Nachfrage nach Strom für Rechenzentren.

Für Nvidia ist die Lage deshalb doppelt relevant: technologische Nachfrage trifft auf geopolitische Exportregeln und regionale Energie‑/Infrastrukturfragen, die den praktischen Aufbau von Rechenzentrumskapazität beeinflussen.

Story 4 – Walmart liefert vor der Glocke: Konsumenten‑Signal vor den Feiertagen

Walmart berichtete vorbörslich und überraschte positiv: das Unternehmen übertraf Gewinnerwartungen und hob die Jahres‑EPS‑Guidance an, was kurzfristig die Aktie stützte. Walmart betont starke Online‑Verkäufe im dritten Quartal und verschiebt seine Notierung von der NYSE zur Nasdaq, behält aber das Ticker‑Symbol WMT.

Für Trader ist Walmart ein wichtiger Konsum‑Barometer vor dem Weihnachtsgeschäft: die Frage ist weniger, ob die Zahlen gut waren, sondern warum — Marktanteilsgewinne, Effizienz oder echte Nachfrageerholung. Angesichts jüngster Misses bei Target und Home Depot ist das Walmart‑Ergebnis ein positives Signal, aber die Details zur Käuferklassen‑Dynamik (leichte Abschwächung bei Niedrig‑Einkommensgruppen vs. konstante Verkäufe bei Mittleren/Höheren) sind entscheidend.

Story 5 – Fed und Payrolls: ein datengetriebener Dezember

Der verspätete September‑Jobs‑Report ist heute das makroökonomische Hauptereignis: die Veröffentlichung erfolgte aufgrund des Government‑Shutdowns verzögert, liefert aber vor der Fed‑Sitzung im Dezember einen zentralen Datenpunkt. Die gelieferten Zahlen (119.000 neue Jobs, Arbeitslosenquote 4,4%, Stundenlöhne +0,2% m/m, Erstanträge 220.000) sind gemischt bis robust und reduzieren kurzfristig die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember.

Die Fed‑Minutes zeigten zuletzt gespaltene Stimmen, und Marktpreise für Zinssenkungen sanken bereits. Heute entscheidet sich, ob die FOMC‑Debatte um eine Dezember‑Entscheidung weiter in Richtung „Hold“ tendieren wird oder ob schwächere Daten die Erwartung einer nahen Senkung wiederbeleben. Für Trader bleibt die Arbeitslosenquote der Schlüssel‑Indikator: Bewegungen über bestimmte Schwellenwerte würden die Fed‑Wetten spürbar verschieben.

KURZNEWS

  • Nvidia (NVDA): Starkes Quartal mit bullischer Guidance; gleichzeitig öffentliche Fragen zu Inventories, Accounts Receivable und der Cashflow‑Prognose für 2026 wurden von einem Beitrag auf Finanzmarktwelt.de herausgearbeitet — Anleger sollten kurzfristige Volatilität und Bilanzdetails beobachten.
  • Walmart (WMT): Vorbörslich übertraf Walmart Erwartungen und hob die Jahres‑EPS‑Guidance an; Online‑Verkäufe waren stark und das Unternehmen kündigte den Wechsel von der NYSE zur Nasdaq an. Wichtig für Trader: Indikatorfunktion vor dem Weihnachtsquartal.
  • Oracle (ORCL): CDS‑Spreads und Kreditabsicherungen bei einigen Cloud‑Providern haben sich ausgeweitet; Oracle‑CDS dient in Teilen des Marktes weiterhin als Liquiditäts‑Benchmark — Folgen für Kreditkosten beachten.
  • AMD (AMD): Peer‑Reaktionen zeigten Stärke; AMD‑Aktie erholte sich im Vorfeld, da Entspannung bei Nvidia‑Lieferengpässen die Nachfrage auf Wettbewerber ausweiten könnte.
  • CoreWeave (CWEAV): Als AI‑naher Cloud‑Provider ein größeres Premarket‑Momentum (starker Anstieg nach Vortagesverlusten); Marktteilnehmer sehen Sektor‑Rotation in AI‑Infrastruktur.
  • BlackRock: Berichtete intern über Prüfungen; in der Diskussion steht eine fehlgeschlagene Prüfung in einem Bereich der Überbesicherung, was zusätzliche Vorsicht im Kreditsektor nahelegt.
  • Blue Owl (BDOC): Teilaspekte des Private‑Credit‑Markts zeigen Stress; bei einem Fonds von Blue Owl führten erzwungene Rückgaben zu vorübergehenden Liquiditätsproblemen — Frühindikator für Kreditzyklus‑Risiken.
  • Warner Brothers Discovery (WBD): Berichten zufolge Versicherungs-/Verhandlungsdetails mit potentiellen Erwerbern; Nutzerkommentare deuten auf Interesse von Netflix und anderen Bietern.
  • Infineon (IFX): Vorbörsliche Stärke nach positiven Hinweisen zur Stromversorgungs‑ und KI‑Rechenzentrumssparte; 50‑Tage‑Linie zurückerobert, Chartsignale positiv.
  • Webull (WBL): Steht heute nach Börsenschluss im Earnings‑Kalender (siehe Kalender); Anleger beachten die nachbörslichen Veröffentlichungen.
  • Veeva (VEEV): Berichtete nach Börsenschluss (im Kalender aufgeführt); Details zu den Zahlen und Marktreaktionen folgen nach Veröffentlichung.
  • Intuit (INTU): Ebenfalls für die Nachbörse gelistet; Marktteilnehmer erwarten Reaktionen im Software‑/Cloud‑Sektor.

KALENDER Firmen & Unternehmen

Earnings‑Kalender (kompakt, 20.11.2025)

Zeit (MEZ) (ET)FirmaArtKurzinfo / Konsens
vorbörslich —Walmart (WMT)Q3 Zahlen (vorbörslich)Erwartungen: n.v.; Bericht vor der Öffnung
vorbörslich —ZIMQxn.v.
vorbörslich —Shoe CarnivalQxn.v.
vorbörslich —Roadrunner TransportationQxn.v.
vorbörslich —Nano‑X / Nanox (NNOX)Qxn.v.
vorbörslich —AllotQxn.v.
vorbörslich —Warner Music GroupQxn.v.
vorbörslich —ATRenew / Vipshop / VNETQx (Chinesische Werte, vorbörslich)n.v.
nachbörslich —WebullQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —VeevaQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —CopartQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —GapQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —ElasticQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —UGIQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —IntuitQx (nach Börsenschluss)n.v.
nachbörslich —Post Holdings / Ross / TenonQx (nach Börsenschluss)n.v.
23:00 MEZ (17:00 ET)Nvidia (NVDA)Quartalszahlen (nachbörslich gemeldet)Unternehmens‑Guidance angekündigt; Marktreaktion folgt

Makro‑Termine

Zeit (MEZ) (ET)EventRegionDetails / Relevanz
14:30 MEZ (8:30 ET)Non‑Farm Payrolls (September)USAGemeldete Werte: +119.000 Jobs; Arbeitslosenquote 4,4%; Durchschnittslöhne +0,2% m/m; erstmalige Anträge 220.000. Konsens: n.v. Wichtig für Fed‑Erwartungen vor Dezember‑Sitzung.

IM BLICKPUNKT

  • Nvidia (NVDA) – Zentrale Story des Tages: Quartalsbeat + starke Guidance, aber Finanzmarktwelt.de notiert massive Bilanzfragen (Inventories, AR, Cashflow‑Prognose für 2026). Kurzfristig Haupttreiber für Tech‑Sentiment.
  • Non‑Farm Payrolls (USA) – Veröffentlichung 14:30 MEZ (8:30 ET); gemeldete Daten: +119.000 Jobs, Arbeitslosenquote 4,4%, average hourly earnings +0,2% m/m. Entscheidend für Dezember‑Fed‑Debatte.
  • Federal Reserve / Zinserwartungen – Minutes zeigen geteilte Stimmen; robuste Jobs‑Daten reduzieren aktuell die Wahrscheinlichkeit einer Dezember‑Senkung.
  • Walmart (WMT) – Vorbörslich über den Erwartungen; wichtiger Konsum‑Barometer vor dem Weihnachtsquartal.
  • Credit‑Märkte / CDS – CDS‑Spreads und Private‑Credit‑Signale (z. B. Blue Owl) deuten auf anhaltende Stresspunkte in gewissen Kreditsegmenten hin; Marktreaktion auf Nvidia beantwortet nicht automatisch Kreditrisiken.
  • China / Exporte – Nvidia‑Guidance schliesst China‑Umsätze aktuell aus; US‑Exportgenehmigungen für bestimmte Blackwell‑Chips an Middle‑East‑Partner unter Auflagen bleiben geopolitisch sensibel.
  • Asien / Japan – Japans Stimulus‑Pläne und Wechselkurs‑interventionen beeinflussen EUR/USD, USD/JPY, Gold und Energie; indirekte Relevanz für Rechenzentrums‑Kapazitäten.
  • AI‑Bewertung vs. Monetarisierung – Analysten (u. a. Rothschild) warnen, dass KI‑Capex derzeit wenig direkten Umsatz pro investiertem Dollar erzeugt; längerfristige Monetarisierung bleibt unklar.