Können die kommenden Microsoft Corporation Earnings wirklich zeigen, ob der KI-Boom die massiven Cloud-Investitionen trägt? Anleger blicken gespannt auf Azure-Wachstum, Copilot-Umsätze und eigene KI-Chips – doch wie belastbar sind die Erwartungen?

Microsoft Earnings: Was preist der Markt ein?
Am Mittwoch eröffnet Microsoft Corporation die neue Berichtswelle der Big Techs und liefert mit seinen Microsoft Earnings einen wichtigen Stimmungstest für den gesamten KI-Sektor. Analysten rechnen mit einem Umsatzanstieg von etwa 15 % auf rund 80,3 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll von etwa 3,23 auf bis zu knapp 3,90 US-Dollar zulegen. Im Fokus steht einmal mehr die Cloud-Sparte rund um Azure, die im vergangenen Quartal ein Wachstum von bis zu 40 % verzeichnete und damit deutlich schneller wuchs als der Gesamtmarkt.
Für das jetzt anstehende Quartal taxiert der Markt das Azure-Wachstum auf etwa 36 bis 37 %. Investmenthäuser verweisen auf robuste Nachfrage nach KI-Workloads: UBS hat seine Prognose für das konstante Azure-Wachstum auf rund 37 % angehoben, gestützt durch neue KI-Rechenzentrumsprojekte. Parallel dazu mehren sich Einschätzungen, dass Copilot-Integrationen in Office, Windows und Entwickler-Tools zunehmend zu einem spürbaren Umsatztreiber werden.
Microsoft: Trägt das KI-gestützte Cloud-Wachstum?
Die zentrale Frage der Microsoft Earnings lautet: Reicht das KI-getriebene Wachstum von Azure aus, um die massiven Investitionen in Infrastruktur zu rechtfertigen? Im ersten Geschäftsquartal bis September kletterten die Azure-Umsätze um 39 bis 40 %, stark unterstützt durch generative KI-Dienste. Unternehmen mieten vermehrt Rechenleistung, um Modelle wie Copilot-Anwendungen, Chatbots oder Analytik-Workloads zu betreiben. Das macht Microsoft zu einem frühen Profiteur des KI-Booms auf Unternehmensebene.
Zugleich drücken die Ausgaben: Die Investitionsausgaben (CapEx) über alle großen Tech-Konzerne – inklusive Microsoft – könnten bis 2026 auf insgesamt rund 475 Milliarden US-Dollar anschwellen. Allein Microsoft plant laut Finanzchefin Amy Hood, im kommenden Jahr mehr als die bereits enormen 88,2 Milliarden US-Dollar des Vorjahres zu investieren. Anleger wollen jetzt einen klaren Beweis, dass jeder zusätzliche Dollar für Rechenzentren, Netzwerke und Software langfristig überproportionalen Cashflow generiert.
Entscheidend ist zudem, wie schnell die Kapazitätsengpässe im Cloud-Geschäft abgebaut werden. Das Management hatte wiederholt betont, dass Azure trotz laufender Ausbauprojekte kapazitätsbeschränkt ist und das Wachstum dadurch künstlich gedeckelt wird. Neue KI-Rechenzentren wie die Fairwater-Standorte sowie stärker spezialisierte Chips sollen diese Hürden mittelfristig senken und die Bruttomargen stabil halten.

Microsoft: Wie stark sind eigene KI-Chips für Azure?
Parallel zu den Microsoft Earnings sorgt die Chipstrategie von Microsoft Corporation für Aufmerksamkeit. Das Unternehmen hat mit Maia 100 und nun Maia 200 eigene KI-Beschleuniger vorgestellt, die in Rechenzentren in Iowa und perspektivisch in der Region Phoenix zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die strategische Abhängigkeit von Nvidia-Hardware zu reduzieren, Betriebskosten zu senken und Hardware und Software enger aufeinander abzustimmen.
Maia 200 ist auf sogenannte „Reasoning Models“ optimiert, also Modelle mit komplexen, mehrstufigen Rechenketten, die besonders rechenintensiv sind. Durch höhere Effizienz pro Watt verspricht sich Microsoft, mehr Rechenleistung aus jedem Rechenzentrum herauszuholen und damit die Rendite auf die rekordhohen CapEx zu verbessern. Ein weiterer Chip unter dem Codenamen „Clea“ (Maia 300) soll künftig in den USA gefertigt werden, um die Lieferkette regional breiter abzusichern.
Diese vertikale Integration – vom Chip bis zur Cloud-Plattform – ist ein zentrales Argument vieler Analysten, die Microsoft als einen der am besten positionierten Profiteure des KI-Zeitalters sehen. Gleichzeitig bleibt die milliardenschwere Beteiligung an OpenAI ein zweischneidiges Schwert: Während sie Microsoft einen frühen Technologievorsprung verschafft hat, wächst die Skepsis am Markt bezüglich Cashburn und steigender Konkurrenz etwa durch Alphabet.
Microsoft Earnings: Wie positionieren sich Analysten?
Rund um die anstehenden Microsoft Earnings haben mehrere große Häuser ihre Einstufungen aktualisiert. Mizuho hält an einem „Outperform“-Rating fest, hat das Kursziel jedoch von 640 auf 620 US-Dollar reduziert. Begründung: Starke Kanalchecks und sehr hohe KI-Adoption, aber Bewertungsdruck für den gesamten Softwaresektor. Die Citigroup bleibt bei „Buy“ und passte ihr Kursziel von 690 auf 660 US-Dollar an, verweist aber auf ein gemischteres Bild in Nicht-Cloud-Segmenten wegen schwächerer PC-Nachfrage.
Auf der bullishen Seite hat ein Analyst auf Seeking Alpha seine Einschätzung von „Hold“ auf „Buy“ angehoben und sieht mittelfristig Potenzial bis etwa 575 US-Dollar, getrieben von Azure-Expansion und Copilot-Monetarisierung. Ein weiterer Beitrag stuft die Aktie sogar auf „Strong Buy“ hoch und nennt ein mögliches Kursziel von rund 624 US-Dollar, was einen Aufschlag von über 30 % auf den aktuellen Kurs von etwa 474 US-Dollar impliziert. Übergreifend erwartet der Markt, dass Microsoft mit den kommenden Zahlen seine Rolle als Taktgeber für KI- und Cloud-Wachstum bestätigt.
Die bevorstehenden Microsoft Earnings könnten zum Wendepunkt für die Aktie werden, indem sie zeigen, ob Azure-Wachstum, Copilot-Umsätze und eigene KI-Chips die massiven Investitionen tragen. Für Anleger bleibt Microsoft damit ein zentraler Gradmesser dafür, wie profitabel der KI-Boom wirklich ist. Wer auf langfristiges Wachstum in Cloud und künstlicher Intelligenz setzt, dürfte die nächsten Quartalsberichte des Softwaregiganten besonders genau verfolgen.