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3 Risiken beim Federal Reserve Zinsentscheid – kritisch

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Wie unabhängig kann die Federal Reserve und politischer Druck ihren nächsten Zinsentscheid noch treffen, wenn das Weiße Haus und die Märkte gleichzeitig ziehen? Und was bedeutet ein möglicher Führungswechsel an der Spitze der Fed für Inflation, Dollar und Anleiherenditen?

Federal Reserve Gebaeude vor dramatischem Himmel, Zinsentscheid und Marktrisiken im Fokus
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Stand: 21:43 MEZ

Wie politisch ist der Federal Reserve Zinsentscheid?

Im Zentrum steht diesmal weniger die Frage nach einem Zinsschritt als die Unabhängigkeit der Federal Reserve. Powell sieht sich mit Vorladungen des Justizministeriums wegen Renovierungskosten am Fed-Hauptquartier konfrontiert – ein Vorgang, den er als politisch motivierten Angriff wertet. Parallel drängt die Trump-Regierung offen auf deutlich niedrigere Zinsen und einen schwächeren Dollar, um Exporte zu stützen und die Wirtschaft vor den Midterms „heiß“ laufen zu lassen.

Offiziell hält die Fed am Zwei-Prozent-Inflationsziel fest. De facto hat sie sich nach Ansicht mehrerer Marktstrategen aber mit einer Teuerung nahe drei Prozent arrangiert, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Diese faktische „weiche“ Linie prägt auch den aktuellen Federal Reserve Zinsentscheid: Nach elf Zinserhöhungen seit 2022 und drei Senkungen in 2025 signalisiert das FOMC, dass der Spielraum für weitere schnelle Lockerungen begrenzt ist, solange die Inflation über Ziel bleibt.

Warum setzt die Fed auf Zinspause statt Zinswende?

Am Mittwoch endet die zweitägige FOMC-Sitzung, der Federal Reserve Zinsentscheid wird am Abend deutscher Zeit veröffentlicht. Der Markt erwartet eine Fortsetzung der Zinspause und keine neuen Wirtschafts- und Zinsprojektionen. Entscheidend wird daher Powells Pressekonferenz: Investoren rechnen damit, dass er den datenabhängigen Kurs betont und die Unabhängigkeit der Fed gegenüber dem Weißen Haus verteidigt.

Gleichzeitig beobachten Anleihemärkte aufmerksam die Renditekurve. Während die Fed die kurzfristigen Sätze durch ihre Lockerungstendenz „verankert“, bleibt das lange Ende erhöht: Zehnjährige US-Treasuries notieren um 4,2 Prozent, belastet durch Sorgen über fiskalische Dominanz, hohe Defizite und mögliche neue Inflationsimpulse aus Steuererleichterungen und einem drohenden Government Shutdown Anfang Februar. Für Aktien- und Kreditmärkte bedeutet ein länger höheres Langfristzinsniveau Gegenwind – trotz der Erwartung weiterer, aber langsamerer Zinssenkungen ab Mitte 2026.

Was bedeutet Rick Rieder für die künftige Fed-Politik?

Parallel zum aktuellen Federal Reserve Zinsentscheid laufen die Wetten auf Powells Nachfolge heiß. Seine Amtszeit als Vorsitzender endet im Mai, und Prognosemärkte sehen Rick Rieder, Top-Investor bei BlackRock, inzwischen mit rund 50 Prozent Wahrscheinlichkeit vorn, vor Kevin Warsh und Christopher Waller. Rieder hatte jüngst betont, er sehe Spielraum für eine Senkung der Fed Funds Rate in den Bereich von drei Prozent und unterstrich gleichzeitig die Integrität und Unabhängigkeit des Fed-Amtes.

Anleger fürchten jedoch, dass die Trump-Administration einen Fed-Chef durchsetzen will, der aggressiver lockert und die Wirtschaft bewusst „überhitzen“ lässt. Mehrere neu stimmberechtigte regionale Fed-Präsidenten haben sich zuletzt skeptisch gegenüber schnellen weiteren Senkungen bei weiterhin erhöhter Inflation geäußert. Damit prallen möglicherweise eine politisch gewollt sehr lockere Linie aus Washington und ein vorsichtigerer, datengetriebener Kurs im FOMC aufeinander – ein Konflikt, der die Volatilität an den Märkten in den kommenden Monaten deutlich erhöhen könnte.

Wie beeinflussen Analysten den Federal Reserve Zinsentscheid?

Große Häuser wie Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley und RBC Capital Markets gehen für 2026 überwiegend von ein bis drei weiteren Zinssenkungen aus, mit einem möglichen „Terminal Rate“-Niveau leicht über drei Prozent. Morgan-Stanley-Chefökonom Seth Carpenter hat seine Prognose für die nächsten Fed-Schritte jüngst nach hinten verschoben und erwartet nun erste zusätzliche Senkungen eher im Sommer, da die zuletzt robusteren Arbeitsmarktdaten der Inflation wieder mehr Gewicht in den Entscheidungen geben.

Terminkontrakte an der CME preisen derzeit praktisch keinen Schritt beim aktuellen Meeting ein, sehen aber steigende Chancen für eine erste weitere Senkung im Juni. Gleichzeitig zeigt sich ein „quiet quitting“ internationaler Investoren gegenüber US-Anlagen: Hohe Staatsverschuldung, Doppeldefizite und die politische Unsicherheit rund um den Federal Reserve Zinsentscheid und die Fed-Führung führen dazu, dass Kapital schrittweise in andere Währungsräume und in Gold umgeschichtet wird.

Brisant ist zudem eine mögliche koordinierte Stützung des Yen, bei der die Fed Dollar verkauft und Yen kauft. Solche Interventionen würden den Dollar zusätzlich schwächen und könnten den Spielraum der Notenbank bei künftigen Zinsentscheidungen weiter verkomplizieren.

Es geht um evidenzbasierte Zinspolitik gegen politische Einschüchterung.
— Jerome Powell
Fazit

Im Fokus der nächsten Wochen stehen damit drei Fragen: Wie klar verteidigt Powell die Unabhängigkeit der Fed, wer wird neuer Vorsitzender, und wie weit kann die Fed die Zinsen in Richtung drei Prozent senken, ohne die Inflation erneut zu entfachen. Für Anleger bleibt der Federal Reserve Zinsentscheid damit ein zentrales Risikoszenario – aber auch eine Chance, sich frühzeitig auf ein mögliches, politisch aufgeladenes Zinswende-Szenario einzustellen.