Wie schafft es die angeschlagene Puma SE, mit einem einzigen Deal die Aktie um fast 17 Prozent nach oben zu katapultieren? Der Einstieg von Anta Sports sorgt für frisches Kapital, neue Marktchancen – und heikle Fragen für Anleger.

Puma Anta-Deal: Was wurde genau vereinbart?
Im Zentrum des Puma Anta-Deals steht der Verkauf von 43,01 Millionen Puma-Aktien durch die Beteiligungsgesellschaft Artémis der französischen Milliardärsfamilie Pinault an Anta Sports. Für das Paket zahlt Anta 35 Euro je Aktie, insgesamt rund 1,51 Milliarden Euro in bar. Damit erwirbt der chinesische Sportartikelhersteller einen Anteil von 29,06 Prozent und steigt zum größten Einzelaktionär von Puma SE auf. Der Abschluss der Transaktion wird bis Ende des Jahres erwartet und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden sowie der Anta-Aktionäre.
Der Angebotspreis bedeutet einen massiven Aufschlag auf den jüngsten Börsenkurs: Die Puma-Aktie war am Montag bei 21,63 Euro aus dem Handel gegangen, nachdem sie am Freitag zuvor noch einen Einbruch von rund 14 Prozent verkraften musste. Allein am Montag und Dienstag legte der Kurs um etwa 17 Prozent auf 21,63 Euro (Xetra, +16,92 Prozent) zu und machte damit die jüngsten Verluste vollständig wett. Mit dem Puma Anta-Deal wird Puma an der Börse nun mit rund 3,2 Milliarden Euro bewertet.
Welche Strategie verfolgt Anta Sports mit Puma SE?
Anta verfolgt mit dem Puma Anta-Deal eine klare strategische Agenda. Der Konzern aus der Provinz Fujian baut seit Jahren ein internationales Multi-Marken-Portfolio auf, zu dem bereits FILA (China), Jack Wolfskin, Salomon, Arc’teryx und Amer Sports mit Marken wie Wilson und Atomic zählen. Puma gilt als ikonische globale Marke mit starker Tradition in Fußball, Running und Lifestyle – eine attraktive Ergänzung zum bestehenden Netzwerk der Chinesen.
Anta-Chairman Ding Shizhong machte deutlich, dass man den aktuellen Börsenkurs von Puma für zu niedrig hält und das langfristige Potenzial der Marke nicht ausreichend eingepreist sieht. Offiziell betont Anta zwar, derzeit keine vollständige Übernahme zu planen, strebt aber „eine angemessene Vertretung“ mit zwei Sitzen im Aufsichtsrat an. Die Unabhängigkeit von Puma, inklusive Managementkultur und Markenführung, soll nach Unternehmensangaben gewahrt bleiben, gleichzeitig eröffnet der Einstieg Chancen für eine engere operative Kooperation – insbesondere beim Zugang zum chinesischen Markt.

Welche Chancen und Risiken hat Puma SE jetzt?
Puma SE befindet sich operativ in einer schwierigen Phase. Unter dem neuen CEO Arthur Hoeld, vormals im Management von Adidas, läuft ein umfassender Umbau. Nach Jahren nachlassender Dynamik kämpft das Unternehmen mit schwächerer Nachfrage, belastenden US-Zöllen, hohen Lagerbeständen und einem verschärften Wettbewerb. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gingen die Umsätze währungsbereinigt um rund 4,3 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro zurück, statt eines Gewinns stand ein Verlust von 309 Millionen Euro in den Büchern. Ein erweitertes Sparprogramm inklusive dem Abbau von zusätzlich 900 Stellen soll ab 2027 wieder Wachstum ermöglichen.
Vor diesem Hintergrund kann der Puma Anta-Deal als strategischer Rettungsanker verstanden werden. Anta bringt nicht nur Kapital, sondern auch umfangreiche Erfahrung mit dem Aufbau westlicher Sportmarken im asiatischen Raum ein. Analysten der DBS Group Research sehen in dem Schritt die Chance, Pumas Position in China und Asien deutlich zu stärken, während Anta im Gegenzug in Europa und Nordamerika an Sichtbarkeit gewinnt. Kritischer äußern sich hingegen Analysten von Jefferies, die für Anta Verwässerungsrisiken und eine zusätzliche Belastung des Managements erkennen. Für Puma-Anleger bleibt entscheidend, ob es gelingt, die operative Trendwende zeitlich mit den strategischen Impulsen aus dem Einstieg zu verzahnen.
Was bedeutet der Puma Anta-Deal für den Markt?
Der chinesische Konzern sendet mit dem Puma Anta-Deal ein starkes Signal an die globale Konkurrenz. Während Branchengrößen wie Nike und Adidas in den vergangenen Jahren mit schwankender Nachfrage und geopolitischen Risiken zu kämpfen hatten, gelang es Anta, Umsatz und internationale Präsenz sukzessive auszubauen. In Hongkong legte die Anta-Aktie nach Bekanntgabe des Deals zeitweise um mehr als 3 Prozent zu, bleibt aber weiterhin deutlich unter den Höchstständen vom Sommer. Die Finanzierung des Pakets aus eigenen Barmitteln unterstreicht die finanzielle Schlagkraft der Chinesen.
Für den deutschen Sportartikelstandort Herzogenaurach, Heimat sowohl von Puma als auch von Adidas, markiert der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs einen weiteren Schritt der Globalisierung der Branche. Kurzfristig treibt die Übernahmefantasie den Kurs, mittelfristig hängt viel davon ab, ob Puma operativ wieder auf Wachstumskurs kommt und ob aus der Beteiligung eine vertiefte Partnerschaft oder sogar ein späteres Übernahmeangebot erwächst.
Wir sind der Ansicht, dass der PUMA-Aktienkurs der vergangenen Monate das langfristige Potenzial der Marke nicht vollständig widerspiegelt.— Ding Shizhong, Chairman Anta Sports
Der Puma Anta-Deal katapultiert Anta Sports an die Spitze der Aktionärsliste von Puma und verschafft dem angeschlagenen deutschen Sportartikelhersteller frische strategische Optionen. Für Anleger eröffnet der Einstieg Chancen auf eine Neubewertung, bleibt aber angesichts der operativen Baustellen und noch offener regulatorischer Genehmigungen mit Risiken behaftet. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob sich der Puma Anta-Deal als Wendepunkt für Puma und als kluger Expansionsschritt für Anta erweist.