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3 Risiken beim Netflix Merger – kritischer Wendepunkt

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Steht Netflix, Inc. mit dem geplanten Merger mit Warner Bros. Discovery vor dem größten Coup seiner Geschichte – oder vor einem milliardenschweren Risiko? Der Deal soll den Weg zur 1-Billion-Dollar-Bewertung ebnen, wirft aber Fragen zu Schulden, Synergien und Regulierung auf.

Netflix Merger mit Warner Bros. Discovery als riskanter Milliardendeal mit Regulierungssorgen
Erwähnte Aktien
NFLX Netflix
$85,36 -0.40%
Stand: 21:32 MEZ

Wie zahlt der Netflix Merger auf das Billionen-Ziel ein?

Das Management von Netflix hat im vergangenen Jahr ambitioniert vorgelegt: Bis 2030 sollen die Erlöse von 39 Milliarden US‑Dollar (2024) auf rund 80 Milliarden US‑Dollar steigen, die operative Marge in Richtung 38,5 % klettern und der Börsenwert die Marke von 1 Billion US‑Dollar erreichen. Nach einem starken Jahr 2025 – mit 16 % Umsatzwachstum, einer Marge von 29,5 % und über 325 Millionen Abonnenten – geriet diese Story allerdings ins Wanken, als der Ausblick für 2026 enttäuschte und der Netflix Merger mit Warner Bros. Discovery präsentiert wurde.

Kern der Strategie bleibt das skalierbare Abo-Modell, ergänzt um ein dynamisch wachsendes Werbegeschäft. Die Werbeerlöse stiegen 2025 auf mehr als 1,5 Milliarden US‑Dollar und sollen 2026 auf rund 3 Milliarden US‑Dollar verdoppelt werden. Zugleich möchte Netflix, Inc. seine Content-Ausgaben strikt am Margenziel ausrichten – eine Disziplin, die durch den geplanten Zukauf nun auf die Probe gestellt wird.

Welche strategischen Vorteile bringt Warner Bros. Discovery?

Der geplante Netflix Merger zielt auf den Erwerb wesentlicher Streaming- und Studio-Assets von Warner Bros. Discovery im Volumen von rund 83 Milliarden US‑Dollar ab. In den offiziellen Unterlagen von Warner Bros. Discovery wird ein Kaufpreis von 82,7 Milliarden US‑Dollar für das Streaming- und Studios-Geschäft genannt, während die linearen TV-Sender in eine separate Einheit ausgegliedert werden sollen. Strategisch würde Netflix damit Premium-Marken wie HBO und ein breites Film- und Serienarchiv an Bord holen.

Befürworter sehen darin eine machtvolle Kombination aus HBO-Inhalten und der Technologie- und Marketingplattform von Netflix. Mit einem noch stärkeren Katalog könnte das Unternehmen die Kundenbindung erhöhen, das Werbegeschäft beschleunigen und Preissetzungsmacht im internationalen Geschäft sichern – wichtige Bausteine für die 1‑Billion‑Dollar-Vision.

Gleichzeitig wäre der Deal ein klares Bekenntnis zur Konsolidierung der Streaming-Branche. Die bisherige Wachstumsdynamik durch Preiserhöhungen und Wechselkurseffekte dürfte 2026 nachlassen, weshalb Management verstärkt auf Skaleneffekte und Inhaltebreite setzt.

Netflix, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Netflix, Inc. (NFLX) – 252-Tage-Chart

Wie belasten Schulden und Zinsen die Netflix-Bilanz?

Die Kehrseite des Netflix Merger ist die Finanzierung. Der Erwerb der Warner-Assets zwingt Netflix zu einer massiven Erhöhung der Verschuldung – mit deutlich steigenden Zinsaufwendungen in den nächsten Jahren. Zwar generiert das Unternehmen bereits heute signifikanten freien Cashflow, doch ein Milliardendeal dieser Größe wird die Bilanz spürbar belasten und den finanziellen Spielraum für Aktienrückkäufe oder weitere Übernahmen einengen.

Analysten weisen darauf hin, dass die Zinslast mehrere Jahre auf den Gewinn drücken dürfte und sich der Deal erst mittel- bis langfristig als wertsteigernd erweisen muss. Zudem sind während der laufenden Transaktion keine Aktienrückkäufe geplant, was kurzfristig einen Stützpfeiler für den Kurs entfernt. Dabei wird Netflix an der Börse aktuell nur mit etwa dem 27‑fachen der erwarteten Gewinne gehandelt – deutlich unter dem Multiple, das für das 1‑Billion‑Dollar-Ziel nötig wäre.

Wie stark bremsen Kartellbehörden den Netflix Merger?

Parallel zur Finanzierungsdebatte wächst der regulatorische Druck. Der Vorsitzende des Antitrust-Unterausschusses des US‑Senats, Senator Mike Lee, sieht in dem Netflix Merger das Risiko einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung im Streaming-Markt und warnt vor einem möglichen „Killer-Merger“, der Konkurrenten schon während der Prüfphase schwächen könnte. Die Justizbehörde (DOJ) wird den Zusammenschluss intensiv prüfen, während auch Wettbewerbshüter in Großbritannien Vorbehalte signalisieren.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Thema durch die Ankündigung des US‑Senats, eine Anhörung zum geplanten Zusammenschluss von Netflix und Warner Brothers abzuhalten. Auch auf Seiten der Telekom- und Medienaufsicht mehren sich kritischere Töne: Der FCC‑Kommissar Brendan Carr verwies jüngst auf die dominante Marktstellung von Netflix und die damit verbundene Gefahr für den Wettbewerb im Streaming-Sektor.

Solange der Netflix Merger mit Warner Bros. Discovery in der Schwebe hängt, bleibt die Aktie ein Geduldsspiel – langfristig könnte die Kombination aus HBO-Inhalten und Netflix-Plattform jedoch ein Machtfaktor im Streaming werden.
— Redaktion Börsenblog
Fazit

Anleger reagieren nervös: Die Aktie wird derzeit vielfach als „Dead Money“ bezeichnet, solange nicht klar ist, ob die Kartellwächter den Deal durchwinken oder stoppen. Analystenhäuser wie Needham, Deutsche Bank, KeyBanc und Oppenheimer sehen zwar weiterhin langfristiges Potenzial, verweisen aber auf die Belastung durch rund 275 Millionen US‑Dollar an zusätzlichen juristischen und regulatorischen Kosten im Jahr 2026 sowie auf die Bewertungsunsicherheit rund um den Netflix Merger.