FOREXSIGNALE MAGAZIN

DAS ONLINE-MAGAZIN FÜR TRADER

AktienAutomotiveDeutschland

Volkswagen China-Offensive: 5 Fakten als Wendepunkt

Teilen: 𝕏 f in 📱

Kann die Volkswagen China-Strategie und Modelloffensive den Verlust der Marktführerschaft in China stoppen? Mit 30 neuen Modellen, Billig-Stromern und neuer Elektronikarchitektur setzt der Konzern zu einem riskanten Neustart im wichtigsten Automarkt der Welt an.

Volkswagen Elektroauto in moderner chinesischer Stadtlandschaft als Symbol der China-Offensive
Erwähnte Aktien
VOW3 VOW3.DE
€102,85 +0.54%
Stand: 17:37 MEZ

Volkswagen China-Offensive: Was steckt dahinter?

Im chinesischen Kerngeschäft steckt Volkswagen in einer kritischen Phase. Der Absatz in der Volksrepublik ist seit dem Höchststand 2019 um rund ein Drittel auf zuletzt unter 2,7 Millionen Fahrzeuge gefallen. Gleichzeitig verlor der Konzern die Rolle als langjähriger Marktführer und rangiert bei Neuzulassungen inzwischen hinter BYD und der Geely-Gruppe nur noch auf Platz drei. Mit der Volkswagen China-Offensive will der Konzern diese Position zumindest absichern und zugleich die Nummer eins unter den internationalen Herstellern bleiben.

Kern der Strategie ist eine massive Modellflut: Bereits 2026 und 2027 sollen zusammen rund 30 neue, lokal entwickelte Fahrzeuge in den Handel kommen, insgesamt sind bis 2030 etwa 50 neue Modelle geplant. Alle diese Fahrzeuge sind „elektrifiziert“, also als reine Stromer, Hybride oder Verbrenner mit Reichweitenverlängerer konzipiert. Gerade im preisgetriebenen Volumensegment will sich Volkswagen mit aggressiv kalkulierten E-Autos neu positionieren.

Volkswagen Billig-Stromer: Gamechanger im Preiskampf?

Symbol für den Neustart ist die elektrische Limousine ID.Aura, die als Volumenmodell der Volkswagen China-Offensive dienen soll. Das Fahrzeug kombiniert moderne, fließende Linienführung, neue Fahrassistenzsysteme sowie schnelles Laden mit einem Einstiegspreis von umgerechnet etwa 14.000 Euro. Damit zielt Volkswagen direkt auf das hart umkämpfte Einstiegssegment, das bislang von heimischen Herstellern dominiert wird.

Parallel läuft mit dem ID.Unyx 07 das erste Modell vom Band, das komplett in China entwickelt wurde – inklusive der neuen Elektronikarchitektur. Dieses Fahrzeug soll als „Techpionier“ zeigen, dass Volkswagen in der Lage ist, softwaredefinierte Autos nach chinesischem Geschmack zu bauen. Die Wolfsburger arbeiten dafür eng mit lokalen Partnern wie Horizon Robotics zusammen, etwa bei Chips für Fahrerassistenz- und teilautonome Systeme.

China-Vorstand Ralf Brandstätter betont, dass sich die Preisspirale im Land ihrem Tiefpunkt nähert. Nach Jahren eines brutalen Preissturzes erwartet Volkswagen nun eine Stabilisierung: Die Preise dürften weder signifikant weiter fallen noch rasch steigen. Der Konzern hat seine Kostenstrukturen auf dieses Umfeld ausgerichtet und will mit den neuen Plattformen die Herstellkosten laut Management um bis zu 50 Prozent senken.

Volkswagen China-Strategie und Modelloffensive Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Volkswagen China-Strategie und Modelloffensive (VOW3) – 252-Tage-Chart

Neue China Electronic Architecture: VW-Vorteil?

Ein zentrales Element der Volkswagen China-Offensive ist die sogenannte „China Electronic Architecture“. Diese zonale Elektronikplattform reduziert die Zahl der Zentralrechner im Fahrzeug und ermöglicht Funktionen wie autonomes Fahren, Over-the-Air-Updates und ein schnelleres Software-Rollout. In China sind die Entwickler dem Konzern zufolge rund anderthalb Jahre weiter als bei der parallel entstehenden Architektur für westliche Märkte.

Bereits im zweiten Quartal soll die neue Architektur im ID.Unyx in Serie gehen. Volkswagen sieht darin nicht nur einen technologischen, sondern auch einen finanziellen Hebel, da vereinfachte Elektronikstrukturen die Komplexität senken und Margen verbessern können. Zudem eröffnen sich Exportchancen: Aus chinesischen Werken werden bereits Fahrzeuge in Regionen wie Nahost, Usbekistan und Kasachstan geliefert, weitere Märkte in Südamerika und Afrika werden geprüft.

Für Anleger ist dabei wichtig, dass der Umbau Zeit benötigt. Das Management rechnet erst ab 2027 mit deutlicher Wirkung der Modelloffensive auf Absatz und Ergebnis. Kurzfristig bleibt das Chinageschäft ein Übergangsszenario mit hohem Investitionsbedarf, aber noch verhaltenen Erträgen.

Volkswagen Aktie: Wie wirkt die China-Offensive?

Die Vorzugsaktie von Volkswagen (VOW3) notiert aktuell um 102,85 Euro und liegt damit deutlich unter dem jüngsten Jahreshoch von 114,20 Euro. Der Kurs spiegelt die Skepsis vieler Investoren gegenüber der Profitabilität im chinesischen E-Auto-Geschäft und den insgesamt hohen Transformationskosten wider. Zugleich bleibt Volkswagen mit starken Verbrenner-Marktanteilen in China und soliden Positionen in Europa eine zentrale Größe der globalen Autoindustrie.

In China entscheidet sich, wer in der Transformation vorne mitfährt. Nur wer in China besteht, wird auch woanders auf der Welt erfolgreich sein.
— Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender Volkswagen
Fazit

Größere internationale Investmentbanken wie Citigroup, Goldman Sachs oder RBC Capital haben den strategischen Fokus auf China in den vergangenen Monaten wiederholt als entscheidend für die Bewertung der Aktie hervorgehoben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Volkswagen China-Offensive ausreicht, um gegen Wettbewerber wie BYD, Geely und andere heimische Marken nachhaltige Marktanteilsgewinne zu erzielen. Gelingt der Turnaround, könnte dies sowohl Margen als auch Bewertungsniveau spürbar nach oben verschieben. Bleibt der Erfolg aus, droht anhaltender Druck auf Umsatz, Gewinne und den Aktienkurs.