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Rigetti Computing Roadmap: -9,8% Risiko-Wende

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Kann die Rigetti Computing Technologieroadmap und Bewertung den jüngsten Kursrutsch von -9,8 % rechtfertigen? Zwischen 1.000+ Qubits bis 2027, neuem Indien-Großauftrag und hohem Cashburn stellt sich die Frage: Wie viel Zukunft ist im aktuellen Kurs schon eingepreist?

Rigetti Computing Roadmap mit Ankaa-3 Quantenchip im Fokus, technologischer Sprung zu 1.000+ Qubits bis 2027
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$19.85 -9.81%
Stand: 19:34 MEZ

Was steckt technologisch in der Rigetti Computing Roadmap?

Rigetti Computing positioniert sich als Vollsortiment-Anbieter im Quantencomputing – vom Chip bis zur Cloud. Herzstück der Rigetti Computing Roadmap sind eigene Quantenprozessoren (QPUs) auf Basis supraleitender Schaltkreise, die in kryogenen Anlagen betrieben werden. Aktuell bietet das Unternehmen unter anderem das 84‑Qubit-System Ankaa‑3 auf einem nicht-modularen Chip sowie das 36‑Qubit-System Cepheus‑1‑36Q, das vier modulare 9‑Qubit‑Chips verbindet. Diese Systeme werden sowohl direkt an Forschungseinrichtungen verkauft als auch über die eigene Cloud-Plattform Forest als „Quantum‑Computing‑as‑a‑Service“ bereitgestellt.

Die Rigetti Computing Roadmap sieht den nächsten deutlichen Technologiesprung noch für dieses Jahr vor: Ein 108‑Qubit‑Cepheus-System sowie ein weiteres System mit mehr als 150 Qubits sollen in Betrieb gehen. Bis Ende 2027 plant Rigetti den Sprung auf Systeme mit über 1.000 Qubits. Ein zentrales Leistungsmerkmal bleibt dabei die Gate Fidelity. Während klassische Chips nahezu fehlerfrei arbeiten, liegt die Zwei-Qubit-Gattergenauigkeit bei Rigetti bislang bei rund 99 %. Das klingt hoch, führt bei Milliarden von Operationen pro Sekunde jedoch zu schnell kumulierenden Fehlern, was den kommerziellen Einsatz noch bremst.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Rigetti-Systemen?

Der bislang noch enge Kundenkreis von Rigetti Computing besteht vor allem aus staatlichen Forschungslaboren, Universitäten und wenigen Hightech-Unternehmen. Entsprechend niedrig fällt der Umsatz aus: Die Erlöse der vergangenen zwölf Monate lagen bei rund 7,5 bis 7,6 Mio. US‑Dollar, nachdem die Einnahmen 2023, 2024 und 2025 teilweise rückläufig waren. Belastend wirkten vor allem unregelmäßige Regierungsaufträge und das Auslaufen eines Vertrags mit der US‑National Quantum Initiative.

Frischen Rückenwind bringt nun ein neuer Großauftrag: Indiens Centre for Development of Advanced Computing hat eine 108‑Qubit‑Anlage im Wert von 8,4 Mio. US‑Dollar bestellt. Damit übersteigt ein einzelner Auftrag die jüngsten Jahresumsätze von Rigetti. Gleichzeitig unterstreicht er, dass Länder mit eigener Digitalstrategie bereit sind, frühzeitig in Quanteninfrastruktur zu investieren. Analysten erwarten, dass sich der Umsatz von Rigetti bis 2027 auf rund 45,4 Mio. US‑Dollar mehr als versechsfacht, sofern die Systeme wie geplant ausgerollt und weitere Regierungs- und Forschungskunden gewonnen werden.

Reicht der Finanzpuffer von Rigetti Computing aus?

Die Kehrseite der Rigetti Computing Roadmap sind die massiven Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Nettoverlust von rund 351 Mio. US‑Dollar innerhalb von zwölf Monaten – bei nur einstelligen Millionenumsätzen. Zwar verfügt Rigetti noch über etwa 450 Mio. US‑Dollar an liquiden Mitteln, doch der jährliche Cashburn bleibt hoch.

Um diese Lücke zu schließen, setzte Rigetti Computing in den vergangenen Jahren stark auf Kapitalerhöhungen: Die Aktienzahl hat sich nahezu verdreifacht. Für bestehende Anleger bedeutet das fortlaufende Verwässerung, während die Profitabilität weiterhin in weiter Ferne liegt. Trotz des jüngsten Kursrückgangs auf 19,85 US‑Dollar bringt es Rigetti auf eine Marktkapitalisierung von rund 7,2 bis 7,3 Mrd. US‑Dollar – mehr als etablierte Unternehmen wie ADT, Mattel oder CarMax. Bezogen auf die für 2027 erwarteten Umsätze entspricht das einem Vielfachen von rund 160 des prognostizierten Jahreserlöses.

Wie teuer ist die Rigetti Computing Bewertung aktuell?

Die ambitionierte Rigetti Computing Roadmap liefert einen klaren Fahrplan für technologische Meilensteine – vom heutigen 84‑Qubit‑System bis zu 1.000+ Qubits im Jahr 2027. Gleichzeitig spiegeln die aktuellen Bewertungskennzahlen bereits einen erheblichen Teil dieses Zukunftspotenzials wider. Mit einem Kursrückgang von 22,01 auf 19,85 US‑Dollar am Donnerstag bleibt die Aktie trotz der Korrektur hoch bewertet.

Investmentbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup oder RBC Capital Markets haben die Branche Quantencomputing als spekulatives Wachstumsfeld auf dem Radar, konkrete Einstufungen oder Kursziele zu Rigetti stehen jedoch im Schatten der geringen Unternehmensgröße und der noch winzigen Umsatzbasis. Für viele professionelle Investoren bleibt entscheidend, ob Rigetti seine Roadmap technisch einhält und gleichzeitig neue Großaufträge über Regierungsprogramme und Industriekunden sichern kann. Die Rigetti Computing Roadmap adressiert klar dieses Spannungsfeld aus technologischem Fortschritt, Skalierung der Umsätze und langfristiger Finanzierung.

Fazit

Rigetti kombiniert einen sichtbaren Technologiepfad mit hohem Cashburn und extremer Bewertung. Für risikobereite Anleger kann die Rigetti Computing Roadmap ein spannendes, aber spekulatives Langfristthema sein. Entscheidend werden die nächsten System-Releases und Vertragsgewinne sein, die zeigen, ob das Unternehmen vom Forschungsobjekt zum tragfähigen Geschäftsmodell skalieren kann.