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Amazon KI-Investitionen über 200 Milliarden Dollar bis 2026: Kippt der Free Cashflow oder entsteht ein neues KI-Monopol?

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Aktuell 210,00$ -0,16% 09.02.26 20:03 Uhr
Amazon

Amazon zündet die nächste Stufe im globalen KI-Wettrüsten – und verschreckt damit zugleich einen Teil der Anleger. Mit auf über 200 Milliarden Dollar steigenden Investitionsausgaben bis 2026 setzt der Konzern voll auf Rechenzentren, eigene Chips und Netzwerktechnik. Während CEO Andy Jassy von historisch hoher Nachfrage nach Cloud- und KI-Workloads spricht, fürchten Investoren einen jahrelang belasteten freien Cashflow und ein deutlich kapitalintensiveres Geschäftsmodell. Der Kurs der Amazon-Aktie reagiert nervös, obwohl Umsatz und Wachstum in wichtigen Sparten wie AWS und Werbung weiter anziehen. Wie sind die massiven Amazon KI-Investitionen einzuordnen – und was bedeutet das für langfristig orientierte Anleger?

Was steckt hinter den Amazon KI-Investitionen?

Amazon hat die Prognose für seine Investitionsausgaben drastisch angehoben: Rund 200 Milliarden Dollar CapEx sollen 2026 vor allem in Rechenzentren, eigene Chips und Netzwerktechnik fließen – ein Sprung von etwa 125 bis 132 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Damit gehört Amazon zu den aggressivsten Investoren im laufenden KI-Infrastrukturzyklus, zusammen mit Alphabet, Microsoft und Meta, die gemeinsam auf mehr als 650 Milliarden Dollar CapEx kommen.

Der Löwenanteil der Amazon KI-Investitionen entfällt auf Amazon Web Services (AWS). CEO Andy Jassy begründet den Schritt mit „sehr hoher Nachfrage“ nach Cloud- und KI-Workloads. AWS verzeichnete im Q4 2025 ein Umsatzwachstum von 24 Prozent – das stärkste Plus seit 13 Quartalen – bei einem annualisierten Run-Rate von 142 Milliarden Dollar und einem Backlog von 244 Milliarden Dollar, der binnen eines Jahres um 40 Prozent zulegte. Jassy betont, Amazon monetarisiere neue Kapazitäten „so schnell, wie wir sie installieren können“ und ziele auf hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital.

Kritiker verweisen dagegen auf den Wandel von einem vergleichsweise kapitalarmen, asset-light Geschäftsmodell hin zu einer deutlich kapitalintensiveren Struktur. Kurzfristig wird Amazon voraussichtlich über Jahre negativen freien Cashflow aufweisen und finanziert Teile der Amazon KI-Investitionen bereits über umfangreiche Anleiheemissionen und neue Schulden.

Warum reagiert die Börse so nervös auf Amazon?

Die deutlichen Kursverluste nach den Zahlen erklären sich durch eine Kombination aus Ergebnis-Enttäuschung und dem CapEx-Schock. Im Q4 2025 lag der Gewinn je Aktie mit 1,95 Dollar knapp unter den erwarteten 1,97 Dollar, belastet durch Sonderaufwendungen von 2,4 Milliarden Dollar, die das EPS um rund 0,22 Dollar drückten. Beim Umsatz überraschte Amazon dagegen positiv: 213,4 Milliarden Dollar lagen klar über dem Konsens von 211,3 Milliarden Dollar, das Gesamtgeschäft legte 14 Prozent zu.

Dennoch konzentrierte sich der Markt vor allem auf die Amazon KI-Investitionen. Viele Investoren hatten laut FactSet nur etwa 147 Milliarden Dollar CapEx erwartet – die neue 200-Milliarden-Marke wirkt daher wie ein Schock. Hinzu kommt die Sorge, dass sich das hohe Tempo beim Investitionsaufbau nicht eins zu eins in zweistellige Wachstumsraten im E-Commerce und Werbegeschäft übersetzen könnte, die zuletzt nur zwischen 8 und 11 Prozent zulegten.

Gleichzeitig profitieren Zulieferer: So meldete STMicroelectronics eine mehrjährige, milliardenschwere Vereinbarung mit AWS zur Lieferung von Halbleitern und Energieeffizienzlösungen für KI-Rechenzentren. Die Aktie von STMicro legte daraufhin deutlich zu – ein Hinweis darauf, wie stark Amazons Kapazitätsausbau die gesamte KI-Infrastrukturkette befeuert.

Amazon.com, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Wie zahlt KI auf AWS, Handel und Werbung ein?

Operativ laufen bei Amazon mehrere KI-Strategien parallel. Im Cloud-Geschäft nutzt AWS die Amazon KI-Investitionen, um sich als bevorzugte Plattform für generative KI zu positionieren – unter anderem über die enge Partnerschaft mit Anthropic, deren Claude-Modelle als führende Enterprise-LLMs gelten und das Wachstum von AWS zusätzlich anschieben. Analysten sehen hier einen wichtigen Differenzierungsfaktor gegenüber Microsoft Azure und Google Cloud.

Im Kerngeschäft E-Commerce setzt Amazon verstärkt auf KI, um den Conversion-Funnel zu optimieren. Der hauseigene Shopping-Chatbot „Rufus“ soll Kunden von der Produktsuche bis zum Kauf schneller führen und so die Umsätze pro Besuch steigern. Gleichzeitig wächst das Werbegeschäft kräftig weiter: Die Werbeerlöse legten im jüngsten Quartal um 22 Prozent auf 21,3 Milliarden Dollar zu, getrieben von gesponserten Produkten auf der Plattform und neuen Werbeformaten bei Prime Video.

Auch die Smart-Home-Tochter Ring demonstriert, wie sich KI-Features monetarisieren lassen. Funktionen wie „Dog Search Party“ oder „Firewatch“ werten bestehende Hardware mit KI aus und schaffen zusätzliche Nutzungsszenarien – ein Modell, das sich perspektivisch auf Millionen installierter Geräte im Amazon-Ökosystem übertragen lässt und die Logik der Amazon KI-Investitionen verdeutlicht.

Wie bewerten Analysten die Amazon-KI-Offensive?

Nach dem Kursrutsch stufen mehrere Research-Häuser die Abwärtsbewegung als Überreaktion ein. Morningstar nahm Amazon neu in die Liste der 4-Sterne-Aktien auf und signalisiert damit eine aus Bewertungs­sicht attraktive Einstiegsgelegenheit. Auf Plattformen wie Seeking Alpha sprechen zahlreiche Analysten von einer „Buy-the-Dip“-Chance, da die hohen Amazon KI-Investitionen als notwendiger Preis für die Sicherung der Dominanz im Cloud- und KI-Zeitalter gesehen werden.

Auch wenn konkrete Kursziele einzelner Häuser wie Citigroup oder RBC Capital im aktuellen Nachrichtenfluss kaum im Vordergrund stehen, dominiert insgesamt ein konstruktiver Tenor: Kurzfristig drücken Margen, Free-Cashflow und die Schuldenaufnahme auf die Stimmung, langfristig könnten sich die heutigen Milliardenaufwände jedoch als Basis für neue Allzeithochs erweisen.

Damit stehen Anleger vor einem klassischen Trade-off: Wer an die Tragfähigkeit des AWS-Modells und die Monetarisierung von KI in Handel, Werbung und Devices glaubt, dürfte die momentane Schwächephase eher als Chance denn als Warnsignal interpretieren.

Fazit

Die massiven Amazon KI-Investitionen belasten kurzfristig Kurs und Cashflow, stärken aber zugleich die strategische Position in Cloud, E-Commerce und Werbung. Für langfristig orientierte Anleger bleibt Amazon damit ein Hochrisiko-Hochchancen-Titel im Zentrum des globalen KI-Infrastruktur-Booms. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob der Konzern seine enorme Ausgabenwelle wie angekündigt in beschleunigtes Wachstum und steigende Renditen verwandeln kann.

Weiterführende Quellen