Amazon.com, Inc. sorgt mit einem der groessten Investitionsprogramme im Tech-Sektor für Aufsehen. Trotz stark wachsender Cloud-Sparte AWS und soliden Quartalszahlen geraet die Aktie unter Druck. Der Grund: Massive Amazon KI-Investitionen von bis zu 200 Milliarden US‑Dollar bis 2026 verunsichern kurzfristig viele Anleger. Wie passt der Kursrueckgang zu den starken Fundamentaldaten – und was bedeutet das für langfristig orientierte Investoren?
Wie reagiert der Markt auf Amazon KI-Investitionen?
Amazon.com, Inc. steht nach starken Zahlen unter seltsamem Vorzeichen: Operativ läuft es rund, der Kurs aber fällt. In den vergangenen fünf Handelstagen verlor die Aktie über 13 %, aktuell steht sie bei rund 204,91 US‑Dollar. Auslöser des Rückgangs sind nicht schwache Geschäfte, sondern die Ankündigung, die Investitionsausgaben 2026 von geschätzten 132 Milliarden auf 200 Milliarden US‑Dollar hochzufahren – ein Großteil davon fließt in KI‑Rechenzentren, eigene Chips und Automatisierung.
Börsenbeobachter sprechen von einem der aggressivsten Investitionsprogramme im Tech-Sektor. Während Analysten den langfristigen strategischen Wert der Amazon KI-Investitionen anerkennen, steigt kurzfristig die Skepsis, ob Free Cashflow und Margen dem Tempo standhalten. Barron’s verweist zudem auf die schwächste Kursserie seit 2022, bei der in wenigen Tagen über 400 Milliarden US‑Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet wurden.
Wie stark wächst das Cloud-Geschäft von Amazon?
Im vierten Quartal 2025 legte die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) den Grundstein für die KI-Offensive. Der Umsatz kletterte um 24 % auf 35,58 Milliarden US‑Dollar und wuchs damit so schnell wie seit 13 Quartalen nicht mehr. Das operative Ergebnis von AWS stieg um 18 % auf 12,5 Milliarden US‑Dollar. Gleichzeitig zog der gesamte Konzernumsatz um 14 % auf 213,39 Milliarden US‑Dollar an, womit Amazon die Markterwartungen übertraf, während der Gewinn je Aktie mit 1,95 US‑Dollar nur leicht unter den Prognosen lag.
Treiber der Dynamik sind KI‑Workloads: Die Nachfrage nach Infrastruktur für generative Modelle und spezialisierte Dienste wie Bedrock wächst rasant, die Ausgaben auf der Plattform stiegen im Quartal um 60 % gegenüber dem Vorquartal. Amazon betont, man monetarisiere Kapazitäten so schnell, wie diese installiert werden können. Das erklärt, warum die Amazon KI-Investitionen so stark in die Höhe schießen – und warum jede Verzögerung beim ROI die Nervosität der Anleger befeuert.

Worin fließen die Amazon KI-Investitionen konkret?
Der größte Block der geplanten 200 Milliarden US‑Dollar entfällt auf neue und expandierende Datenzentren für AWS, inklusive Netzanbindung und Kühlung, um KI‑Trainings- und Inferenzlasten zu bedienen. Ein zweiter Schwerpunkt sind eigene KI‑Chips wie Trainium und Inferentia, die Kunden eine günstigere und effizientere Alternative zu Nvidia‑GPUs bieten sollen. Neuere Generationen wie Trainium3 gelten als 30 % bis 40 % kosteneffizienter als vergleichbare Lösungen, und Kapazitäten sind bereits weitgehend bis Mitte 2026 ausgebucht.
Darüber hinaus fließen die Amazon KI-Investitionen in autonome KI‑Agenten, Entwicklerwerkzeuge und Robotik in den Logistikzentren. Parallel baut Amazon mit Project Kuiper ein Satellitennetzwerk auf, das langfristig zusätzliche Bandbreite für Cloud- und KI‑Dienste sichern soll. Auch Beteiligungen im weiteren Ökosystem – etwa im Rahmen der Kooperation mit Anthropic oder im Chip- und Netzwerkbereich – profitieren von dieser Investitionslawine, wie etwa Marvell Technology mit seiner starken Ausrichtung auf Rechenzentrums-Silizium.
Wie schätzen Analysten die Aktie von Amazon ein?
Die Analystenfraktion zeigt sich gespalten: Einige Häuser verweisen auf die hohe Bewertung und raten zu Geduld, andere sehen in der Schwächephase einen attraktiven Einstieg. The Globe and Mail berichtet von einer Einstufung auf „Hold“, weil das Chance-Risiko-Profil nach den Kursverlusten zwar verbessert, aber angesichts des Investitionsrisikos noch nicht eindeutig ist. Gleichzeitig betonen mehrere Research-Häuser das strukturelle Wachstum von Cloud, E‑Commerce und Werbung.
Jim Cramer, der sich auf Einschätzungen großer Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley stützt, spricht öffentlich von „total faith“ in CEO Andy Jassy. Er traut dem Management zu, die Bilanzbelastung zu steuern – notfalls auch über weitere Effizienzprogramme und Kostensenkungen. Die Mehrzahl der großen Wall-Street-Häuser bleibt grundsätzlich positiv, verweist jedoch darauf, dass die geplanten Schuldenaufnahmen zur Finanzierung der Amazon KI-Investitionen den Fokus der Investoren stärker auf Renditekennzahlen wie Return on Invested Capital lenken werden.
Fundamental ist Amazon dank hoher Cash-Bestände und eines wachsenden operativen Ergebnisses breit aufgestellt, um den Capex-Schub zu tragen. Entscheidend wird, ob sich die Amazon KI-Investitionen wie erhofft in beschleunigtes Umsatz- und Gewinnwachstum übersetzen lassen und damit den aktuellen Kursrückgang mittel- bis langfristig mehr als wettmachen.
Wir monetarisieren Kapazität so schnell, wie wir sie installieren können.
— Andy Jassy, CEO von Amazon.com, Inc.
Fazit
Die gewaltigen Amazon KI-Investitionen von 200 Milliarden US‑Dollar belasten kurzfristig Stimmung und Kurs, stärken aber das strategische Fundament in Cloud, Chips und Automatisierung. Für langfristige Anleger mit Risikobewusstsein könnte die aktuelle Schwächephase daher eher eine Einstiegs- als eine Ausstiegschance sein. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob AWS die hohen Erwartungen erfüllt und damit die Bewertung von Amazon wieder nach oben treiben kann.
Weiterführende Quellen
- Amazon.com, Inc. bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Amazon Bets Big on AI With $200B Capex: Buy, Sell or Hold the Stock? (The Globe and Mail)
- The Market Sours on Amazon’s Eye-Popping $200 Billion Investment in Artificial Intelligence (AI). Here’s Why It Could Pay Off. (The Motley Fool)
- Amazon.com Stock Is Falling Again. It’s on the Worst Run Since 2022. (Barron’s)