Das aktuelle Siemens Quartal liefert einen dynamischen Start ins neue Geschäftsjahr: Der Industriekonzern übertrifft Umsatz- und Ergebnisprognosen, profitiert massiv vom KI- und Rechenzentrumsboom und hebt seine Jahresprognose an. Die Aktie der Siemens AG reagiert mit einem deutlichen Kurssprung und markiert ein neues Rekordniveau. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob der starke Jahresauftakt den Beginn einer längeren Wachstumsphase signalisiert – oder ob bereits viel Zukunftsfantasie im Kurs eingepreist ist.
Siemens Quartal: Wie stark fällt der Jahresauftakt aus?
Im ersten Siemens Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (Oktober bis Dezember) steigert die Siemens AG den Umsatz von 18,35 auf 19,14 Milliarden Euro. Damit liegt der Industriekonzern leicht über den Erwartungen von rund 19,0 Milliarden Euro. Der Auftragseingang wächst auf vergleichbarer Basis um zehn Prozent auf 21,4 Milliarden Euro, absolut von 20,07 auf 21,37 Milliarden Euro, ebenfalls über den Prognosen.
Besonders stark präsentiert sich das industrielle Kerngeschäft: Das Ergebnis des industriellen Geschäfts steigt um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro und übertrifft damit die Analystenkonsensschätzungen von etwa 2,64 Milliarden Euro klar. Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten verbessert sich im Jahresvergleich von 1,80 auf 2,23 Milliarden Euro, während das bereinigte Ergebnis je Aktie vor Kaufpreiseffekten von 2,22 auf 2,80 Euro zulegt.
Unter dem Strich verdient Siemens AG 2,2 Milliarden Euro. Der Rückgang um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ist vor allem auf den einmaligen Buchgewinn aus dem Verkauf der Antriebssparte Innomotics zurückzuführen, der im Vorjahr das Ergebnis stark aufgebläht hatte.
Siemens AG: KI, Rechenzentren und Digitalgeschäft als Wachstumstreiber?
Der positive Überraschungseffekt im Siemens Quartal kommt klar aus den Zukunftssparten. Das Segment Digital Industries, das Automatisierungsprodukte und Industriesoftware bündelt, steigert den Gewinn um eindrucksvolle 37 Prozent auf 804 Millionen Euro. Auftragseingang und Umsatz legen dort jeweils prozentual zweistellig zu, gestützt von einer wieder anziehenden Nachfrage in China.
Auch die Sparte Smart Infrastructure bleibt der Performance-Motor. Hier wächst der Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 22 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro, der Umsatz um zehn Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis steigt um 18 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro, womit die Sparte ihre Margenverbesserung nun bereits das 21. Quartal in Folge fortsetzt.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist der globale KI- und Cloud-Boom. Siemens AG meldet ein Rekordvolumen von 1,8 Milliarden Euro an Großaufträgen für Rechenzentren, vor allem in den USA. Diese Projekte umfassen Elektrifizierung, Infrastruktur und intelligente Gebäudetechnik für Cloud- und KI-Infrastruktur. Vorstandschef Roland Busch betont, dass künstliche Intelligenz ein starker Wachstumstreiber sei und Siemens industrielle KI tief in Design, Entwicklung, Produkte und Betrieb integriere, um messbaren Mehrwert für Kunden zu schaffen.
Zur Beschleunigung dieser Strategie hat der Konzern im vergangenen Jahr rund 15 Milliarden US-Dollar in den Zukauf von Altair Engineering und Dotmatics investiert und plant zusätzlich eine Milliarde Euro in KI-Angebote in den kommenden drei Jahren, mit Fokus auf die USA, China und Indien.

Siemens AG: Was bedeutet die höhere Prognose für Anleger?
Auf Basis des starken Siemens Quartal hebt der Vorstand den Ausblick für das Gesamtjahr 2025/26 an. Die entscheidende Kennziffer, das Ergebnis je Aktie vor bestimmten Kaufpreiseffekten, soll nun in einer Spanne von 10,70 bis 11,10 Euro liegen. Zuvor hatte Siemens AG noch 10,40 bis 11,00 Euro erwartet. Das Umsatzziel bleibt unverändert: Der Konzern rechnet weiterhin mit einem vergleichbaren Wachstum von sechs bis acht Prozent, auch wenn der starke Euro für spürbaren Gegenwind bei Umsatz und Ergebnis sorgt.
Am Kapitalmarkt kommt das aktualisierte Bild gut an. Die Aktie steigt heute auf bis zu rund 274 Euro und ist mit einem Plus von etwa 6,7 Prozent einer der größten Gewinner im DAX. Damit überholt Siemens erneut SAP und ist zeitweise das wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. Analystenreaktionen fallen überwiegend positiv aus: RBC Capital Markets spricht von einem starken Start ins Geschäftsjahr bei sehr guter Auftragslage, während Jefferies insbesondere die bessere Entwicklung bei Digital Industries und Smart Infrastructure hervorhebt. Goldman Sachs-Analystin Daniela Costa erwartet, dass der Ergebniskonsens für das Gesamtjahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich nach oben angepasst werden dürfte.
Auch strukturell stellt sich der Konzern neu auf: Finanzvorstand Ralf P. Thomas übergibt zum 1. April an Veronika Bienert, und Technologievorstand Peter Körte übernimmt zusätzlich die Leitung von Smart Infrastructure. Die Führungsstruktur wird damit gestrafft, um die Ausrichtung auf margenstarke, softwarebasierte Geschäftsmodelle weiter zu schärfen.
„Künstliche Intelligenz ist ein starker Wachstumstreiber für unsere Geschäfte. Indem wir KI tief in Design, Entwicklung, Produkten und Betrieb integrieren, schaffen wir messbaren Mehrwert für unsere Kunden.“
— Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG
Fazit
In Summe signalisiert das aktuelle Siemens Quartal, dass die Transformation hin zu KI-getriebener Industrieautomation und digitaler Infrastruktur im Konzern greift und sich zunehmend in profitables Wachstum übersetzt.
Weiterführende Quellen
- Siemens AG Q1 2025/26 Pressemitteilung (Siemens AG)
- Siemens-Aktie nach Prognoseanhebung auf Rekordhoch (dpa-AFX)
- Siemens hebt Ausblick nach starkem Quartalsauftakt an (Bloomberg)
- Siemens AG bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)