Können die massiven Alphabet KI-Investitionen in Cloud, Gemini und Waymo den aktuellen Kursdruck langfristig in Wachstum verwandeln?
Wie stark steigen die Alphabet KI-Investitionen?
Alphabet plant für 2026 Investitionsausgaben von rund 175 bis 185 Milliarden US‑Dollar – deutlich mehr als die etwa 91 Milliarden Dollar des Vorjahres und klar über den bisherigen Markterwartungen. Rund 60 % dieser Summe fließen in Server und damit direkt in KI-Rechenzentren, um Modelle wie Gemini zu trainieren und auszurollen. Damit liegen die Alphabet KI-Investitionen zwar unter den von Amazon in Aussicht gestellten 200 Milliarden Dollar, markieren aber dennoch eine neue Größenordnung im Konzern.
An der Börse sorgt dieser Capex-Sprung für Druck: Die Alphabet-Aktie (GOOGL) schloss zuletzt bei 301,88 US‑Dollar, die Stimmrechtsaktie GOOG bei 302,43 US‑Dollar und liegt damit rund 12 % unter dem 52‑Wochen-Hoch. Investoren fürchten, dass der Free Cashflow kurzfristig von rund 70 Milliarden US‑Dollar in den Jahren 2024 und 2025 auf etwa 33 Milliarden 2026 einbricht. Dennoch verweisen mehrere wachstumsorientierte Fonds darauf, dass KI-Ausbau für die großen Tech-Konzerne inzwischen Pflicht sei – wer jetzt spare, riskiere, technologisch den Anschluss zu verlieren.
Was treiben Google Cloud und Gemini mit dem Geld?
Im Kerngeschäft läuft es operativ weiterhin stark: Im vierten Quartal 2025 stieg der Konzernumsatz um 18 % auf 113,8 Milliarden US‑Dollar. Besonders Google Cloud lieferte: Das Infrastrukturgeschäft zählt inzwischen zu den margenstärksten Segmenten und profitiert stark von neuen KI-Angeboten. In Teilen des Cloud-Geschäfts wurden zuletzt Wachstumsraten von 48 % und operative Margen um 30 % genannt – Zahlen, die den Ausbau der Infrastruktur durch hohe Alphabet KI-Investitionen plausibel machen.
Der Ausbau der Gemini-Plattform steht im Zentrum dieser Strategie. Alphabet kombiniert die eigene Datenbasis aus Suche, YouTube und Chrome mit generativer KI, um Suchergebnisse und Werbeformate zu personalisieren und neue Assistenten-Funktionen zu entwickeln. Analysten verweisen zudem auf das mögliche KI-Bündnis mit Apple, bei dem Gemini-Modelle auf iPhones und anderen Geräten laufen könnten. Für Apple wäre dies ein Weg, Entwicklungskosten zu sparen – für Alphabet eine zusätzliche Monetarisierungsschiene seiner massiven KI-Infrastruktur.

Wie fügt sich Waymo in die Alphabet KI-Investitionen ein?
Ein Schlüsselfaktor der Alphabet KI-Investitionen ist die Tochter Waymo, die beim Thema Robotaxis in den USA einen technologischen Vorsprung aufbaut. Waymo setzt im Gegensatz zu Tesla auf ein Sensorsystem mit Kameras, Radar und LiDAR. Zwar gelten die LiDAR-basierten Fahrzeuge als teurer, doch mehrere Studien und Branchenstimmen – darunter Ford‑Chef Jim Farley – sehen darin aus Sicherheitsgründen die überlegene Technologie für autonomes Fahren.
Waymo hat jüngst die sechste Generation seines Waymo Driver vorgestellt. Das System nutzt eine neue 17‑Megapixel-Kamera mit höherer Dynamik, besserer Low‑Light‑Performance und verbesserten LiDAR-Sensoren, die dank Industriekostensenkungen deutlich günstiger geworden sind. In Kalifornien skaliert Waymo sein Robotaxi-Geschäft bereits spürbar: Die wöchentlichen Fahrten liegen bei über 280.000, insgesamt wurden im Dezember 2025 in Kalifornien 1,26 Millionen Passagierfahrten gezählt – ein Plus gegenüber 1,02 Millionen im September.
Wie reagieren Analysten auf Waymo und die Aktie von Alphabet?
Auf Analystenseite überwiegt trotz Capex-Skepsis eine konstruktive Sicht. TD Cowen‑Analyst John Blackledge bestätigte zuletzt sein „Buy“-Rating für Alphabet mit einem Kursziel von 365 US‑Dollar und hob insbesondere die Waymo-Skalierung hervor: mehr Fahrten, längere Distanzen, die Öffnung von Freeways in Los Angeles und San Francisco sowie eine verbesserte Auslastung, da die Minuten zwischen den Fahrten von 27 auf 18 gesunken sind.
Andere Häuser wie Monness, vertreten durch Analyst Brian White, bleiben vorsichtiger und stufen Alphabet mit „Hold“ ein. White verweist zwar auf das „gesunde Momentum“ bei Google Suche, Werbung und Cloud sowie die Fortschritte bei Gemini, sieht die Bewertung aber als ambitioniert, zumal Konkurrenzdruck in KI und Cloud hoch bleibt. Parallel dazu hat der britische Starinvestor Terry Smith („English Warren Buffett“) jüngst einen Teil seiner Alphabet-Position reduziert – ein Signal, dass nicht jeder Großanleger den stark steigenden Alphabet KI-Investitionen entspannt zusieht.
Welche Rolle spielt Energie für die KI-Offensive von Google?
Mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren steigt der Strombedarf von Alphabet massiv. Um dieses Wachstum klimafreundlich abzusichern, setzt das Unternehmen verstärkt auf langfristige Stromabnahmeverträge. So wurde heute ein großvolumiger Geothermie-Deal in Nevada bekannt: Über den Versorger NV Energy sichert sich Google bis zu 150 Megawatt neuer geothermischer Kapazität, die zwischen 2028 und 2030 ans Netz gehen sollen. Geothermie bietet konstante, CO₂‑arme Grundlast und passt damit gut zu den Anforderungen von rund um die Uhr laufenden KI-Workloads.
Der Deal unterstreicht, dass Alphabet KI-Investitionen nicht nur Server und Chips umfassen, sondern auch die vorgelagerte Energieinfrastruktur. Für Anleger bedeutet dies: Die Capex-Zahl spiegelt ein Ökosystem aus Rechenzentren, Glasfaser, KI‑Chips, Robotaxis und grüner Energie wider – ein breites, aber kapitalintensives Zukunftsportfolio.
Die massiven Alphabet KI-Investitionen drücken kurzfristig auf den Free Cashflow, erhöhen aber die Chancen, dass Google Cloud, Gemini und Waymo in der nächsten Dekade zu noch größeren Gewinnmaschinen werden.
— Redaktion
Fazit
Im Fazit zeigt sich, dass Alphabet KI-Investitionen kurzfristig zwar auf Margen und Free Cashflow drücken, langfristig aber die Basis für Wachstum in Suche, Cloud, Gemini und Waymo legen sollen. Für Anleger bleibt der Titel ein Balanceakt zwischen Bewertungsrisiko und strukturellem KI-Potenzial. Wer an eine führende Rolle von Alphabet im globalen KI‑Ökosystem glaubt, könnte Rücksetzer wie den aktuellen Kursrutsch von rund 12 % unter das Hoch als Einstiegs- oder Nachkaufchance betrachten.