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Amazon Aktie: -3,4% Kursrutsch als Wendepunkt? Alexa+ kommt

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Droht Amazon.com, Inc. durch neue Zölle und teure KI-Investitionen unter Druck zu geraten – oder legt der Konzern damit das Fundament für den nächsten Gewinnschub? Der Kurs fällt um 3,4 %, während AWS, eigene KI-Chips und Alexa+ massiv ausgebaut werden.

Amazon KI-Strategie: Amazon-Hauptquartier bei Abendlicht mit Fokus auf Cloud- und KI-Ausrichtung
Erwähnte Aktien
AMZN Amazon
$231.78 -3.40%
Stand: 04:34 MEZ

Wie treffen neue Zölle Amazon und seine Kunden?

Die jüngste Kursschwäche von Amazon ist eng mit der Zollpolitik der US-Regierung verknüpft. CEO Andy Jassy macht deutlich, dass sich die Strafzölle nun direkt in den Preisen auf der Plattform bemerkbar machen. Viele Händler hatten 2025 noch Vorzieheinkäufe getätigt, um höhere Importkosten zu umgehen. Diese Lagerbestände sind inzwischen weitgehend aufgebraucht, sodass neue Lieferungen zu deutlich höheren Einkaufspreisen hereinkommen.

In margenschwachen Bereichen wie dem klassischen Onlinehandel bleibt Amazon damit wenig Spielraum. Jassy verweist darauf, dass der Einzelhandel typischerweise nur mittlere einstellige operative Margen aufweist – steigen die Kosten um 10 %, sind Preiserhöhungen oft unvermeidlich. Entsprechend beobachten die Manager, dass viele Konsumenten zu günstigeren Marken wechseln oder Käufe größerer Anschaffungen aufschieben. Besonders hart treffen die Zölle Amazon-Verkäufer, die stark von chinesischer Produktion abhängen; parallel verschärft die Schließung des De‑Minimis-Schlupflochs den Preisdruck.

Amazon prüft daher Preisanpassungen bei hauseigenen Marken wie Amazon Basics, um Zollkosten abzufedern, ohne die Nachfrage völlig abzuwürgen. Für Anleger ist das ein klares Signal, dass kurzfristig die Profitabilität im Handelsgeschäft weiter unter Druck stehen dürfte – ein Umstand, der die Bedeutung der Amazon KI-Strategie und der margenstarken Sparten zusätzlich erhöht.

Wie treibt AWS die Amazon KI-Strategie voran?

Parallel zur Zolldebatte treibt Amazon seine KI-Offensive über AWS massiv voran – und baut dennoch hunderte Stellen in der Cloud-Sparte ab. Der Konzern richtet seine Ressourcen konsequent auf generative KI, eigene Chips und skalierbare Rechenzentren aus. AWS ist schon heute der größte Cloud-Anbieter weltweit und steuert einen Großteil des operativen Gewinns bei, obwohl es nur rund ein Fünftel des Umsatzes liefert.

Zentraler Baustein der Amazon KI-Strategie ist die Rolle von AWS als „Pick-and-Shovel“-Anbieter: Unternehmen mieten Rechenleistung, Speicher und spezialisierte KI-Services, um eigene Modelle zu trainieren und zu betreiben. Dafür baut Amazon ein Ökosystem aus selbstentwickelten Chips und Partnerschaften wie der Milliardenbeteiligung an Anthropic, dem Entwickler des Claude-Chatbots, auf. Zugleich sieht das Management enormes Einsparpotenzial durch KI-gestützte Automatisierung in den eigenen Prozessen – von Büroarbeit über Logistik bis hin zu Robotik in den Fulfillment-Centern.

Analysten verweisen darauf, dass Amazon als Profiteur der sogenannten physischen KI gilt: Wenn autonome Roboter, Drohnenlieferungen und automatisierte Lager den Personalbedarf massiv senken, könnte das bisher margenschwache Handelsgeschäft deutlich profitabler werden. Für eine Firma, die pro Quartal dreistellige Milliardenbeträge an operativen Kosten schultern muss, wären prozentuale Effizienzsteigerungen durch KI direkt gewinnwirksam.

Amazon.com, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Amazon.com, Inc. (AMZN) – 252-Tage-Chart

Welche Rolle spielt Alexa+ in der Amazon KI-Strategie?

Mit Alexa+ greift Amazon nun offensiv in den Wettbewerb der Chatbots ein. Der neue Webauftritt unter alexa.com erinnert optisch an klassische KI-Assistenten und bietet Funktionen zum Planen, Lernen, Erstellen, Shoppen und Finden. Alexa+ kann smarte Geräte steuern, komplexe Aufgaben organisieren und sogar Dienstleister für Reparaturen vermitteln – ein Schritt hin zu agentischer KI, die eigenständig Handlungen anstößt.

Die Strategie ist klar: Amazon will seine riesige Basis an Alexa-Geräten und Prime-Kunden nutzen, um einen eng mit E-Commerce, Werbung und Smart Home verzahnten Assistenten aufzubauen. Investoren sehen darin einen wichtigen Hebel, um zusätzliche, hochmargige Umsätze zu generieren. Schätzungen zufolge bringt KI-gestützte Produktempfehlung bereits heute Milliarden an Werbeerlösen, Tendenz steigend. Zugleich erhöht Amazon seine Investitionspläne deutlich; das Management spricht von einem „massiven“ KI-Investitionszyklus mit zweistellig steigenden Capex-Budgets.

Börsenkommentare aus dem Umfeld großer Investmenthäuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und RBC Capital Markets betonen, dass sich die Bewertung von Amazon zunehmend an der Ertragskraft von AWS, Werbung und KI-gestützten Services orientiert – weniger am margenschwachen Kerngeschäft Handel.

Was bedeutet Amazons KI-Strategie für Anleger?

Für Langfristinvestoren bleibt Amazon.com, Inc. trotz Zollrisiken, FTC-Streit um Prime und AWS-Stellenabbau ein zentraler Hebel im globalen KI-Thema. Die Amazon KI-Strategie zielt darauf ab, parallel drei Ebenen zu bespielen: Infrastruktur über AWS, Anwendungen wie Alexa+ und interne Automatisierung von Logistik und Verwaltung. Gelingt dieser Dreiklang, könnte Amazon seine Margen deutlich steigern und sich als Hauptprofiteur der physischen und generativen KI etablieren.

Die Aktie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten zwar weniger dynamisch entwickelt als andere KI-Lieblinge, doch mehrere Research-Häuser sehen gerade darin eine Chance: Das Chance-Risiko-Profil könnte sich verbessern, wenn sich die Effizienzgewinne materiell in den Zahlen zeigen. Kurzfristig dürfte der Kurs jedoch empfindlich auf weitere Zollschritte, Signale zu Capex und die Entwicklung bei AWS reagieren.

Fazit

Unterm Strich zeigt sich: Die Amazon KI-Strategie ist der Schlüssel, um steigende Kosten, regulatorischen Druck und den harten Wettbewerb im Handel zu kompensieren. Für geduldige Anleger, die mit Volatilität leben können, bleibt der Konzern ein potenzieller Profiteur des nächsten großen Technologiezyklus – vorausgesetzt, die Milliardeninvestitionen in Cloud, Chips und Alexa+ zahlen sich wie geplant aus.