Wird die Amazon OpenAI-Partnerschaft zum Wendepunkt im KI-Wettrennen – oder nur zur nächsten teuren Wette im Cloud-Geschäft?
Was steckt hinter der Amazon OpenAI-Partnerschaft?
Amazon kündigt eine mehrjährige strategische Allianz mit OpenAI an, die ein Investitionsvolumen von bis zu 50 Milliarden US-Dollar umfasst. Ein erster Teilbetrag von 15 Milliarden Dollar soll zeitnah fließen. Im Gegenzug wird OpenAI seine Modelle enger in Amazons KI-Plattform Bedrock integrieren und AWS als bevorzugten Drittanbieter für Cloud-Infrastruktur nutzen. Parallel dazu wird ein bestehendes Compute-Abkommen um 100 Milliarden Dollar ausgeweitet, wobei OpenAI verstärkt auf Amazons eigene Trainium-Chips setzt.
Damit untermauert Amazon seinen Anspruch, im Cloud- und KI-Geschäft zu den Hauptprofiteuren des aktuellen Investitionszyklus zu gehören. AWS bleibt nach Marktanteilen der größte Hyperscaler vor Microsoft Azure und Google Cloud, hatte beim KI-Tempo zuletzt aber Nachholbedarf. Die Amazon OpenAI-Partnerschaft soll diese Lücke schließen und zugleich die Auslastung der massiven Kapazitätserweiterungen in den Rechenzentren sichern.
Wie passt der Deal in Amazons Capex-Offensive?
Bereits vor der Ankündigung hatte Amazon.com, Inc. für 2026 Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt – mehr als doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Ein Großteil dieses Budgets fließt in KI-Infrastruktur, neue Rechenzentren wie den Ausbau-Standort in Louisiana sowie in eigene Chips. Nach starken Q4-Zahlen leidet der freie Cashflow spürbar unter dieser Offensive, was kurzfristig auf die Bewertung drückt.
Analysten von Zacks Investment Research verweisen darauf, dass die hohe Capex-Belastung die Marge in den kommenden Jahren dämpfen könnte, sehen die Ausgaben aber als notwendig, um die steigende Kundennachfrage nach KI-Diensten zu bedienen. Auch große Investoren wie Druckenmiller und Ackman hatten zuletzt auf das Langfristpotenzial von Amazon verwiesen, während Berkshire Hathaway seine Position deutlich reduziert hat. Der Kursabschlag nach den jüngsten Zahlen wird von einigen Marktteilnehmern als Einstiegschance in ein strukturell wachsendes KI- und Cloud-Geschäft interpretiert.

Was bedeutet die Amazon OpenAI-Partnerschaft für das KI-Ökosystem?
Die neue Allianz reiht sich in eine spektakuläre Finanzierungsrunde ein: OpenAI erhält insgesamt 110 Milliarden Dollar frisches Kapital, unter anderem von Amazon, NVIDIA und SoftBank. Die Bewertung des KI-Vorreiters steigt damit auf 730 bis 840 Milliarden Dollar. Amazon stellt nicht nur Kapital bereit, sondern vor allem Rechenleistung mit hoher Marge, was das effektive Risiko der Beteiligung begrenzt.
Spannend ist die Neuordnung im KI-Gefüge: Microsoft betont zwar, dass seine exklusive Lizenz auf zentrale OpenAI-Technologie und die Rolle von Azure für stateless OpenAI-APIs unverändert bleiben. Gleichzeitig verschiebt sich ein Teil des Trainings- und Modellbetriebs in Richtung AWS, das seine Trainium-Chips bei OpenAI platzieren kann. Amazon fährt damit eine Doppelstrategie: Neben dem bestehenden 8-Milliarden-Engagement bei Anthropic verankert sich der Konzern nun auch tief im OpenAI-Stack, während Anthropic verstärkt auf Google-Infrastruktur und TPUs setzt.
Wie reagiert die Amazon-Aktie und was bedeutet das für Anleger?
Trotz der Schlagkraft der Amazon OpenAI-Partnerschaft reagiert der Markt zunächst zurückhaltend. Die Amazon-Aktie handelt mit 207,95 US-Dollar nur minimal über dem Vortag (+0,01 %) und liegt nahe ihren jüngsten Mehrwochentiefs, was zusätzlich auf den Nasdaq drückt. Charttechnisch ringen die Papiere um die Rückeroberung des 50-Tage-Durchschnitts, der den seit Januar 2023 laufenden Aufwärtstrend absichert.
Gleichzeitig bewerten viele Profis die Aktie als relativ günstig im Vergleich zu anderen Mitgliedern der „Magnificent 7“. Bei einem erwarteten Gewinnwachstum im niedrigen bis mittleren Zehnerbereich wirkt ein KGV um die 25 moderat, zumal die Basisgeschäfte in E-Commerce, Werbung und Cloud hochprofitabel bleiben. Konkurrenzdruck kommt jedoch von Schwergewichten wie Apple im Geräte-Ökosystem, Tesla bei KI-gestützter Mobilität und natürlich von NVIDIA als dominierendem Chip-Lieferanten für KI-Rechenzentren.
Für Beschäftigte hat der Umbau eine Kehrseite: Amazon hat in den vergangenen Monaten rund 30.000 Stellen gestrichen, während CEO Andy Jassy offen darauf hinweist, dass zunehmend Aufgaben durch KI ersetzt werden. Die frei werdenden Mittel fließen direkt in Infrastruktur und Beteiligungen wie die Amazon OpenAI-Partnerschaft – ein Muster, das auch andere Großkonzerne verfolgen.
Die entscheidende Frage für Investoren lautet nun, ob Amazon die enorme KI-Capex-Welle rechtzeitig in steigende Cashflows verwandeln kann. Gelingt es, AWS durch die enge Integration der OpenAI-Modelle als erste Anlaufstelle für Unternehmenskunden zu etablieren, könnte sich die heutige Bewertung als attraktiv erweisen.
Wir denken, OpenAI wird einer der großen Gewinner im KI-Zeitalter sein – und wir glauben, dass Amazon langfristig eine starke Rendite auf diese Investition erzielen wird.
— Andy Jassy, CEO von Amazon.com, Inc.
Fazit
Die Amazon OpenAI-Partnerschaft ist ein strategischer Kraftakt, mit dem sich Amazon.com, Inc. im Zentrum der nächsten KI-Wachstumsphase positioniert. Für Anleger bedeutet die Kombination aus Kurskonsolidierung, hoher Capex-Belastung und wachsender KI-Verankerung ein klassisches Chance-Risiko-Profil eines Qualitätswerts im Investitionszyklus. Entscheidend wird sein, ob AWS die neuen OpenAI-Services schnell in Umsatz und Margen übersetzen kann – dann könnte sich der aktuelle Bewertungsabschlag als attraktive Einstiegsgelegenheit erweisen.
Weiterführende Quellen
- Amazon.com, Inc. bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Amazon Bets $50 Billion On OpenAI In Landmark AI Partnership (Benzinga)
- Amazon invests $50B in OpenAI, deepens AWS partnership with expanded $100B cloud deal (GeekWire)
- Will Heavy Capex Spending Weigh on Amazon’s AI Ambitions? (Zacks Investment Research)
- Amazon Stock Lower After Announcing $50 Billion OpenAI Investment, Partnership (Investors Business Daily)

