Amazon.com setzt auf Drohnenlieferung und KI – aber reicht das, um den Aktienkurs nachhaltig anzutreiben?
Was waren die Haupttreiber für Amazon.com diese Woche?
Die Woche von Amazon.com war maßgeblich von zwei großen Themen bestimmt. Zum einen sorgte die Ankündigung der massiven Expansion des Drohnenlieferdienstes Amazon Prime Air für Aufsehen. Das Unternehmen plant, seine Reichweite bis Ende 2026 auf fast 500 Städte und Gemeinden in den USA auszudehnen, was einer Versechsfachung der aktuellen Abdeckung entspricht. Dies zeigt Amazons Engagement, die Liefergeschwindigkeit weiter zu erhöhen und die Effizienz seiner Logistik zu verbessern. Zum anderen standen die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) und die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) im Zentrum der Aufmerksamkeit. Analysten wie Brian Nowak von Morgan Stanley sehen in AWS den entscheidenden Wachstumstreiber, der den Aktienkurs bis Ende 2027 auf 500 US-Dollar treiben könnte, vorausgesetzt, AWS erreicht bis Mitte des nächsten Jahrzehnts einen Umsatz von 1 Billion US-Dollar.
Wie entwickelte sich der Aktienkurs von Amazon.com?
Die Aktie von Amazon.com verzeichnete in der abgelaufenen Handelswoche eine leichte Korrektur. Die Wochenperformance von Montagseröffnung bis Freitagsschluss belief sich auf -2,6%, wobei der Kurs von 265,44 US-Dollar auf 258,63 US-Dollar fiel. Das Wochenhoch lag bei 266,40 US-Dollar, während das Wochentief bei 257,04 US-Dollar notiert wurde. Die Woche verlief ohne auffällige Ausreißer an einzelnen Tagen, zeigte jedoch eine generelle Abwärtsdynamik. Trotz dieser leichten Abschwächung im Wochenverlauf bleibt die Aktie im Jahresvergleich mit einem Plus von 12,69% und über die letzten zwölf Monate mit 16,22% weiterhin im Aufwärtstrend.
Welche Rolle spielt die KI-Strategie von Amazon.com?
Die Investitionen von Amazon.com in KI sind ein wiederkehrendes Top-Thema. Morgan Stanley-Analyst Brian Nowak hob hervor, dass die Fähigkeit von AWS, neue Rechenkapazitäten online zu stellen, der Haupttreiber für das zukünftige Umsatzwachstum sein wird. Er erwartet, dass AWS im Jahr 2026 um 45% wachsen wird, deutlich über der Schätzung der Analysten von 38%, und bis 2028 einen Jahresumsatz von 335 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Diese Prognose basiert auf der Annahme, dass die Nachfrage nach generativen KI-Tools weiter expandiert und Amazon seine Rechenkapazitäten entsprechend ausbaut. Das Unternehmen hat seine KI-Ausgabenprognose für 2026 bereits auf 220 Milliarden US-Dollar erhöht und die Preise für KI-Servermieten zweimal in diesem Jahr angehoben. Auch Rosenblatt-Analyst Scott Devitt, der die Abdeckung für Amazon.com mit einem ‘Buy’-Rating und einem Kursziel von 335 US-Dollar wieder aufnahm, betonte, dass die KI-Positionierung des Unternehmens vom Markt unterschätzt werde. Er sieht Amazon und Alphabet als klare Gewinner im E-Commerce-Bereich durch den Einsatz von KI-Agenten.
Wie wird die Expansion von Amazon Prime Air bewertet?
Die geplante Ausweitung von Amazon Prime Air auf nahezu 500 Städte und Gemeinden bis Ende 2026 ist ein klares Signal für Amazons Bestreben, seine Führungsposition im E-Commerce zu festigen. David Carbon, Vice President von Amazon Prime Air, erklärte, dass der Dienst Kunden eine schnellere Option biete, mit Lieferungen in nur 30 Minuten. Obwohl die Kosten der Expansion nicht öffentlich gemacht wurden, wird sie als vergleichsweise gering im Verhältnis zu den insgesamt 220 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben gesehen, die Amazon für 2026 plant und die hauptsächlich in KI und AWS fließen. Diese Initiative positioniert Amazon im Wettbewerb mit anderen Akteuren wie Walmart und DoorDash, die ebenfalls in die Drohnenlieferung investieren, und könnte zu einer strukturellen Verschiebung im Konsumentenverhalten führen, indem sie die Kauffrequenz und die Warenkorbgrößen erhöht, wie Truist Securities-Analyst Youssef Squali bemerkte.
Welche Meinungen gibt es zu Amazons Bewertung und Investitionen?
[object Object]„Wir haben lange geglaubt, dass AWS ein Geschäft mit mehreren hundert Milliarden Dollar Umsatz werden könnte, und jetzt glauben wir, dass es mindestens doppelt so viel und sehr wahrscheinlich ein Billionen-Dollar-Geschäft pro Jahr sein wird.“— Andy Jassy, CEO von Amazon.com
Trotz der positiven Aussichten für AWS und die Amazon Prime Air Expansion gibt es unterschiedliche Meinungen zur Bewertung von Amazon.com. Während einige Analysten das Unternehmen als unterbewertet ansehen, insbesondere im Vergleich zu seinen Hyperscaler-Konkurrenten wie Microsoft und Alphabet, die bei geringerem Wachstum höhere Multiplikatoren aufweisen, äußern andere Bedenken hinsichtlich der hohen Investitionsausgaben. Der freie Cashflow von Amazon ist aufgrund der massiven Investitionen in KI und Rechenzentren negativ geworden. Die langfristigen Schulden stiegen von 65,6 Milliarden US-Dollar auf 119,1 Milliarden US-Dollar. Allerdings argumentiert das Management, dass Server in weniger als drei Jahren die Gewinnschwelle erreichen und Rechenzentren über 30 Jahre monetarisiert werden können, was die negativen Cashflows als Investitionszeitpunkt und nicht als strukturelles Problem interpretiert.



