AMD OpenAI steht im Zentrum der aktuellen Debatte rund um die Bewertung von Advanced Micro Devices, Inc. (AMD). Trotz starker Quartalszahlen und eines massiven KI-Auftrags mit potenziell Milliardenvolumen reagierte die Börse zunächst mit einem deutlichen Kursrutsch. Inzwischen legt die Aktie wieder zu und notiert rund 8 % im Plus – doch viele Anleger fragen sich, ob der Mega-Deal mit OpenAI eher Gamechanger oder Risiko ist. Der folgende Überblick ordnet die Zahlen, den AMD OpenAI Vertrag und die Perspektiven im Datacenter-Geschäft ein.
AMD: Kursrutsch nach starken Quartalszahlen?
Advanced Micro Devices, Inc. ist einer der wichtigsten Herausforderer von Nvidia im Markt für KI-Beschleuniger. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025 erzielte AMD einen Umsatz von 34,6 Milliarden US‑Dollar, ein Plus von 36 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark wuchs das Datacenter-Segment: Es brachte 16,6 Milliarden US‑Dollar ein und legte damit um 32 % zu. Dennoch reagierte die Börse zunächst geschockt – direkt nach den Q4-Zahlen verlor die Aktie rund 15 %, insgesamt im Januar sogar knapp 26 %, bevor nun eine technische Gegenbewegung einsetzte.
Der Markt ringt um eine Neubewertung: Mit nicht GAAP-bereinigten Gewinnen von 4,17 US‑Dollar je Aktie lag das KGV bei knapp 50 und damit sogar über Nvidia. Gleichzeitig verweisen Wachstumsinvestoren auf Kennzahlen wie das PEC-Ratio von unter 1, das auf Basis erwarteter Gewinnzuwächse von im Schnitt mehr als 40 % pro Jahr eher auf eine Unterbewertung hindeutet. Das Spannungsfeld zwischen hoher Bewertung und starkem strukturellem Wachstum macht AMD besonders anfällig für jede Enttäuschung im KI-Narrativ.
AMD OpenAI: Deal als Gamechanger oder Bremsklotz?
Im Zentrum dieser Debatte steht AMD OpenAI. Der ChatGPT-Entwickler hat sich verpflichtet, bis 2030 bis zu 6 Gigawatt GPU-Compute-Kapazität direkt von AMD zu beziehen – Schätzungen zufolge entspricht das 3 bis 6 Millionen GPUs und einem möglichen Volumen von rund 90 Milliarden US‑Dollar. Für AMD ist das ein potenzieller Turbo für die Data-Center-Umsätze und ein starkes Signal im Wettbewerb mit Nvidia, zumal die kommenden MI450-GPUs in den neuen Helios-Racks laut Unternehmensangaben bis zum 36‑Fachen der Vorgängerleistung liefern sollen.
Doch genau dieser Mega-Deal macht Investoren nervös. OpenAI setzt gleichzeitig auf enorme Cloud-Verpflichtungen bei Microsoft Azure und Oracle Cloud Infrastructure und verfügt mit aktuell rund 20 Milliarden US‑Dollar Jahresumsatz nicht über die Finanzkraft, all diese Zusagen aus eigener Kraft zu stemmen. Berichte, dass Nvidia ein angekündigtes 100‑Milliarden-Dollar-Investment in OpenAI überdenkt, nähren Zweifel, ob AMD OpenAI tatsächlich im geplanten Umfang umsetzen kann – oder ob nach der ersten Auslieferungswelle ab 2026 Abbestellungen und Neuverhandlungen drohen.

AMD: Datenzentrum wächst auch ohne OpenAI
Unabhängig von AMD OpenAI bleibt das Kerngeschäft im Rechenzentrum ein Wachstumstreiber. CEO Lisa Su stellt für die kommenden drei bis fünf Jahre ein jährliches Wachstum der Datacenter-Sparte von rund 60 % in Aussicht. Neben den AI-GPUs sollen vor allem Server-CPUs einen kräftigen Beitrag leisten. Große Hyperscaler wie Microsoft, Meta und Oracle arbeiten aktiv daran, ihre Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren und evaluieren alternative Plattformen – hier positioniert sich AMD mit Helios-Racks und MI450 als zweitstärkste Option im High-End-Segment.
Gleichzeitig gibt es Bremsfaktoren: Ein Teil des jüngsten Datacenter-Schubs kam aus China, wo AMD innerhalb eines regulatorischen Fensters noch leistungsstarke, aber exportkonforme Chips verkaufen konnte. Skeptische Stimmen warnen, dass diese Sonderkonjunktur nicht beliebig wiederholbar ist und die Wachstumsraten künftig glatter, aber auch niedriger ausfallen könnten. Hinzu kommen erhöhte Lagerbestände, die von vorsichtigen Beobachtern als Signal potenzieller Nachfrage- oder Wettbewerbsrisiken interpretiert werden.
Was bedeutet das für Anleger bei Advanced Micro Devices?
Die Analystenlandschaft ist entsprechend gespalten. Research-Häuser wie The Motley Fool verweisen auf die starken strukturellen Treiber im Datenzentrum und sehen die Korrektur als Chance für langfristig orientierte Anleger, warnen aber gleichzeitig vor der Abhängigkeit vom Deal AMD OpenAI und der im Branchenvergleich immer noch ambitionierten Bewertung. Auf der anderen Seite argumentieren eher vorsichtige Analysen, etwa bei Seeking Alpha oder Forbes, dass der Kursrückgang angesichts hoher Lagerbestände, China-Einmaleffekten und des unsicheren OpenAI-Pfads noch nicht zwingend am Ende sein muss.
Einigkeit besteht hingegen darin, dass AMD mit den MI450-GPUs und den Helios-Racks technologisch einen deutlichen Schritt nach vorn macht und seine Rolle als wichtigste Alternative zu Nvidia im KI-Rechenzentrum weiter festigt. Ob dies am Ende reicht, um die in die Aktie eingepreisten Wachstumserwartungen zu rechtfertigen, hängt maßgeblich davon ab, wie sich AMD OpenAI entwickelt und ob andere Hyperscaler entstehende Lücken schnell schließen würden.
Fazit
AMD steht mit seiner AI-Offensive und dem Großkunden OpenAI an einem kritischen Wendepunkt. Für Anleger bedeutet die Kombination aus starkem strukturellem Wachstum, hohem Bewertungsniveau und dem Schlüsselfaktor AMD OpenAI erhöhte Schwankungsanfälligkeit – aber auch beträchtliches Upside-Potenzial. Die nächsten Updates zu Data-Center-Aufträgen und zur konkreten Umsetzung des OpenAI-Vertrags werden entscheidend sein, ob der jüngste Kursrutsch eine Einstiegsgelegenheit oder nur eine Zwischenstation in einer längeren Korrektur war.
Weiterführende Quellen
- Advanced Micro Devices, Inc. (AMD) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- AMD Q4 Earnings: 3 Reasons For The Knife To Fall More (Seeking Alpha)
- Advanced Micro Devices (AMD) Stock Just Plunged. Buy the Dip, or Run for the Hills? (The Motley Fool)
- Is AMD Stock’s 20% Fall A Buying Opportunity Or Trap? (Forbes)