Wie passt ein zweistelliges Gewinnplus ins Bild, wenn die Aktie von American Express trotzdem unter Druck gerät?
Wie stark war das American Express Quartal?
American Express Company hat im ersten Quartal einen Nettogewinn von 2,97 Milliarden US-Dollar erzielt, nach 2,58 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie stieg auf 4,28 US-Dollar und lag damit über den Markterwartungen von rund 4,03 US-Dollar. Der Umsatz kletterte auf 18,91 Milliarden US-Dollar und übertraf ebenfalls die Analystenschätzungen. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Plus von 11 Prozent beim Umsatz und knapp 18 Prozent beim Ergebnis je Aktie.
Besonders wichtig für das American Express Quartal war die Entwicklung im Kartengeschäft. Das abgerechnete Geschäftsvolumen erreichte 428 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben der Kartenkunden stiegen währungsbereinigt um 9 Prozent, nach Unternehmensangaben der stärkste Zuwachs seit drei Jahren. Das unterstreicht, dass die Kernkundschaft mit höherem Einkommen trotz eines unsicheren Umfelds weiter konsumiert.
Warum blieb American Express so robust?
Der Konzern profitiert weiterhin von seinem Fokus auf zahlungskräftige Privat- und Firmenkunden. Im Luxus-Einzelhandel legten die Ausgaben um 18 Prozent zu, in Restaurants um 9 Prozent. Flugausgaben stiegen um 8 Prozent, auch wenn sich das Wachstum gegen Ende März und im April durch Reiseunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt etwas abschwächte. Gleichzeitig verwies das Management auf rekordhohe Reisebuchungen im Voraus und auf eine starke Nutzung von Premium-Angeboten.
Rückenwind kam zudem von der überarbeiteten Platinum-Karte in den USA. Nach der Auffrischung und einer höheren Jahresgebühr sieht American Express beschleunigtes Ausgabenwachstum bei gleichzeitig hohen Kundenbindungsraten. Auch jüngere Kundengruppen bleiben ein Wachstumstreiber: Millennials und Gen Z sorgen weiter für robuste Zuwächse, wobei mehr als 70 Prozent der neu gewonnenen Konten auf gebührenpflichtige Produkte entfallen. Das American Express Quartal zeigt damit, dass das Premium-Modell derzeit funktioniert.
Was plant American Express jetzt?
Trotz des starken Starts ins Jahr hält American Express an seinem Ausblick fest. Für 2026 erwartet der Konzern weiterhin ein Umsatzwachstum von 9 bis 10 Prozent sowie einen Gewinn je Aktie von 17,30 bis 17,90 US-Dollar. Das liegt nahe an den bisherigen Markterwartungen. Zugleich will das Unternehmen mehr in Marketing und Technologie investieren, um das Wachstumstempo zu stützen.
Im Fokus stehen dabei neue Angebote für Geschäftskunden, zusätzliche digitale Funktionen und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Mit der Übernahme des KI-Spezialisten Hypercard will American Express seine Lösungen im Ausgabenmanagement ausbauen. Außerdem treibt der Konzern agentische Bezahlprozesse voran, bei denen KI-Systeme Transaktionen im Auftrag von Kunden auslösen können. Das könnte American Express langfristig gegenüber Netzwerken und Fintechs besser positionieren. Im Wettbewerbsumfeld lohnt auch der Blick auf Apple, Tesla und NVIDIA, weil Investoren derzeit stark auf Unternehmen setzen, die Technologie und Zahlungsströme enger verknüpfen.
Wie reagiert die Aktie von American Express?
Die Aktie von American Express notiert aktuell bei 324,97 US-Dollar nach 335,20 US-Dollar am Vortag, ein Minus von 2,38 Prozent. Damit liegt der Kurs trotz der positiven Zahlen unter Druck. Das deutet darauf hin, dass Anleger neben der starken Ergebnislage auch makroökonomische Risiken, regulatorische Debatten und die bereits hohe Bewertung im Blick behalten.
Unter Analysten bleibt das Bild gemischt. JPMorgan hat das Kursziel zuletzt von 375 auf 325 US-Dollar gesenkt und die Einstufung auf „Neutral“ belassen, mit Verweis auf ein unsicheres konjunkturelles Umfeld. Gleichzeitig verweisen Marktbeobachter auf die Stabilität des Geschäftsmodells, die hohe Kapitalrendite und die Fähigkeit, Kapital über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückzugeben. American Express bleibt damit ein Titel, bei dem operative Stärke und vorsichtige Markterwartungen derzeit aufeinandertreffen.
Wir hatten einen sehr starken Start ins Jahr.— Stephen Squeri
Unterm Strich war das American Express Quartal besser als erwartet und bestätigt die Widerstandskraft des Premium-Kreditkartenmodells. Für Anleger bleibt entscheidend, ob Ausgabenwachstum, Gebühreneinnahmen und Technologiebeteiligungen das hohe Niveau halten können. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob American Express seine starke Stellung im Zahlungsverkehr weiter ausbauen kann.
