Steht das kommende Apple Inc.-Quartal vor einem echten AI-Wendepunkt? Zwischen iPhone-Boom, Google-Gemini-Deal und steigenden Speicherpreisen fragen sich Anleger, ob der Konzern vor einem neuen Wachstumszyklus steht.

Apple Quartal: Wie stark zieht das iPhone an?
Für das laufende Apple Quartal, also das zum Dezember abgeschlossene Fiskal-Q1, rechnen Analysten mit einem kräftigen Rebound im Kerngeschäft. Der iPhone-Umsatz soll demnach um rund 13,8 % steigen – das wäre das stärkste Plus seit mehr als vier Jahren. Treiber sind vor allem die Premium-Varianten der neuesten iPhone-17-Generation, deren überarbeitete Kamera, höherer Speicher und Pro-Features insbesondere in China und in Schwellenländern gut ankommen. Insgesamt kommt Apple Inc. laut Marktforschern inzwischen auf etwa 20 % Anteil am globalen Smartphone-Markt, nach 18 % im Vorjahr.
Beim Konzernumsatz erwartet der Markt ein Rekordniveau von etwa 138,4 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von gut 11 % entspricht. Neben den iPhones soll insbesondere das margenstarke Service-Geschäft mit einem Plus von rund 14 % zulegen. Dazu zählen die App-Ökosysteme, iCloud, Apple TV+ und neue Angebote wie das Kreativabo Creator Studio, das Final Cut Pro und Logic Pro im Paket zu einem vergleichsweise günstigen Preis bündelt und damit verstärkt semi-professionelle Creator adressiert.
Apple Inc.: Wird die AI-Offensive zum Wendepunkt?
Im Zentrum der Anlegerfragen zum Apple Quartal steht jedoch weniger die Vergangenheit als die künftige Rolle im AI-Markt. Apple Inc. hat sich entschieden, für die nächste Generation von Siri und “Apple Intelligence” auf Googles Gemini-Modelle zurückzugreifen. Der Schritt markiert die bislang größte Öffnung der Plattform für externe KI-Technologie. Goldman Sachs betont, dass dieser Ansatz es Apple erlaube, seine Basis von über zwei Milliarden Geräten zu nutzen, ohne selbst gigantische Summen in eigene Foundation-Modelle stecken zu müssen.
Auch Wedbush-Analyst Dan Ives sieht in der AI-Offensive einen möglichen Wendepunkt: Aus seiner Sicht unterschätzt der Markt, welches Erlöspotenzial sich aus KI-gestützten Diensten, personalisierten Assistenten und Upselling im Ökosystem ergeben könnte. Entscheidend wird am Donnerstag sein, wie klar das Management um CEO Tim Cook die Monetarisierungsstrategie formuliert und welche Rolle Partner wie Alphabet und die großen Cloud-Anbieter künftig spielen.
Parallel baut Apple Inc. seine Software- und Serviceangebote weiter aus. Creator Studio zielt klar auf Content-Produzenten, die bisher vor hohen Einstiegskosten professioneller Tools zurückschrecken. Damit stärkt Apple sowohl die Bindung an Mac, iPad und iPhone als auch wiederkehrende Abo-Umsätze – ein wichtiger Hebel in einem Umfeld, in dem Hardware-Zyklen volatiler werden.

Apple Inc.: Wie gefährlich ist der Margendruck?
Trotz des positiven Umsatzbilds ist das Apple Quartal von Risiken geprägt. Eine globale Knappheit bei Speicherchips treibt die Preise für Flash-Speicher und RAM in die Höhe. Börsenkommentatoren wie Jim Cramer verweisen darauf, dass “jeder, der Telefone oder Computer baut”, derzeit Opfer dieser Entwicklung sei, weil teure Speicherbausteine die Stückkosten erhöhen. Für einen Premiumanbieter wie Apple Inc. ist das besonders relevant: iPhone, Mac, iPad und Wearables setzen durchweg auf hohe Speicheroptionen, während Kunden zugleich aggressive Rabatte im Handel gewohnt sind.
Spannend wird deshalb, ob Apple in der Lage ist, den Margendruck über Mix-Effekte und Preissetzungsmacht zu kompensieren. Das Unternehmen ist bekannt für eine extrem effiziente Lieferkette, doch Kommentare aus dem Markt deuten darauf hin, dass die Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität anspruchsvoller wird. Zugleich könnte der anhaltende Abfluss von Erlösen an Speicherzulieferer die Bewertung in Relation zu AI-getriebenen Rivalen wie Microsoft und Alphabet erklären, deren Aktien von der KI-Rally deutlich stärker profitiert haben.
Apple Quartal: Was bringen Services und Buybacks?
Neben Hardware und AI wird das Service-Segment im Apple Quartal genau beäugt. Die Sparte gilt als Stabilitätsanker mit hohen Margen, steht aber insbesondere in Europa wegen Wettbewerbs- und Zahlungsregeln stärker unter regulatorischer Beobachtung. Rechtsstreitigkeiten wie die aktuelle Klage eines App-Entwicklers aus dem Webcam-Bereich zeigen, dass das geschlossene Ökosystem auch juristische Risiken birgt.
Finanziell bleibt Apple Inc. dennoch ein Schwergewicht: Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 112 Milliarden US-Dollar und sitzt auf rund 132 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und Wertpapieren. Neben einem großen Aktienrückkaufprogramm wird an der Börse diskutiert, ob Apple einen Teil der Liquidität alternativ einsetzen sollte – etwa für unkonventionelle Anlagen wie Bitcoin oder stärkere Investitionen in eigene AI-Infrastruktur. Solche Ideen sind bislang theoretischer Natur, zeigen aber, wie hoch der Druck ist, den Cash-Berg im Sinne der Aktionäre produktiv zu nutzen.
Apple kann dank seiner riesigen Nutzerbasis schon mit vergleichsweise moderaten AI-Investitionen attraktive Renditen erzielen – die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell das Management diesen Hebel nutzt.— Redaktion Börsenblog
Für Anleger dürfte das bevorstehende Update zum Apple Quartal daher mehr sein als ein reiner Zahlencheck: Es ist ein Stimmungsbarometer dafür, ob der Konzern im Spannungsfeld aus iPhone-Boom, Speicherknappheit, Regulierungsrisiken und AI-Partnerschaften Kurs auf ein neues Wachstumsjahrzehnt nimmt.