Wie passt ein starkes AutoZone Quartal mit Gewinnplus zu einem zweistelligen Kurssturz von mehr als zehn Prozent zusammen?
Wie stark war das AutoZone Quartal?
AutoZone, Inc. erzielte im zwölfwöchigen dritten Quartal bis zum 9. Mai einen Umsatz von 4,84 Milliarden Dollar, ein Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg auf 38,07 Dollar nach 35,36 Dollar und lag damit über den Analystenschätzungen von rund 36,18 Dollar. Der Nettogewinn verbesserte sich auf 641,5 Millionen Dollar nach 608,4 Millionen Dollar. Zugleich blieb der Umsatz leicht unter den Konsensschätzungen von etwa 4,86 Milliarden Dollar. Genau diese Kombination aus Gewinnüberraschung und Umsatzverfehlung prägte das Bild im AutoZone Quartal.
Die Bruttomarge sank auf 52,2 Prozent und damit um 57 Basispunkte. Belastet wurde sie vor allem durch einen nicht zahlungswirksamen LIFO-Effekt von 77 Basispunkten. Positiv entwickelte sich dagegen die Kostenquote: Die operativen Aufwendungen lagen bei 33,1 Prozent des Umsatzes nach 33,3 Prozent im Vorjahr. Das operative Ergebnis stieg um 6,6 Prozent auf 923,8 Millionen Dollar, womit die operative Marge wieder über 19 Prozent lag.
Warum reagiert AutoZone so deutlich?
Die Kursreaktion fiel trotz des Gewinnbeats klar negativ aus. Bereits vorbörslich hatte die Aktie nachgegeben, im Tagesverlauf weitete sich der Rückgang deutlich aus. Entscheidend war, dass Anleger beim AutoZone Quartal stärker auf die Qualität des Wachstums schauten. Im Heimatmarkt stiegen die vergleichbaren Umsätze um 4,1 Prozent, was solide ist, aber unter einigen Erwartungen lag. International sah es auf den ersten Blick besser aus: Auf berichteter Basis legten die vergleichbaren Umsätze um 16,6 Prozent zu. Währungsbereinigt blieben jedoch nur 1,6 Prozent, weil Mexiko und Brasilien schwächer liefen als geplant.
Hinzu kommt, dass der Konzern die Lagerbestände um 10,8 Prozent erhöhte, was mit Wachstumsinitiativen und Inflation begründet wurde. Seeking Alpha verwies zusätzlich auf Margendruck und eine Erosion der Kapitalrendite. Auch Investing.com hob hervor, dass der Umsatzrückstand gegenüber den Prognosen den positiven Ergebniseffekt überlagerte. Für den Markt war das ein Signal, dass starke Aktienrückkäufe allein nicht reichen, wenn Umsatzqualität und internationale Dynamik Fragen aufwerfen.
Wie entwickelt sich AutoZone operativ?
Im US-Geschäft blieb die Entwicklung robust. Sowohl das Do-it-yourself-Segment als auch das Geschäft mit Werkstätten und professionellen Kunden legten zu. Das Management sprach von starker Ausführung und einem fortgesetzten Gewinn von Marktanteilen. Gleichzeitig öffnete AutoZone im Quartal 82 neue Filialen, davon 57 in den USA, 20 in Mexiko und fünf in Brasilien. Damit stieg die Gesamtzahl auf 7.856 Standorte. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen weiter rund 355 bis 365 Neueröffnungen an.
Ein weiterer Stützpfeiler im AutoZone Quartal war die Kapitalallokation. Das Unternehmen kaufte 164.000 eigene Aktien zu einem Durchschnittspreis von 3.582 Dollar zurück und investierte dafür 586,3 Millionen Dollar. Zum Quartalsende standen noch etwa 0,8 Milliarden Dollar unter der bestehenden Rückkaufgenehmigung zur Verfügung. Das hebt den Gewinn je Aktie zusätzlich, ändert aber nichts daran, dass Investoren derzeit vor allem auf Umsatz, Margen und Auslandswachstum achten.
Im Analystenumfeld wird AutoZone weiter grundsätzlich konstruktiv gesehen. MarketBeat verweist auf einen Konsens von Moderate Buy und ein durchschnittliches Kursziel von 4.290,91 Dollar. Namentlich genannte Häuser wie Citigroup oder RBC Capital Markets wurden in den vorliegenden aktuellen Meldungen zwar nicht mit neuen Urteilen zum Quartal zitiert, doch der Fokus dürfte nun auf möglichen Anpassungen nach der heutigen Reaktion liegen. Im Wettbewerbs- und Marktumfeld bleiben auch Apple, Tesla und NVIDIA Beispiele dafür, wie stark Börsen derzeit auf Abweichungen bei Umsatzqualität und Margen reagieren.
I want to thank our AutoZoners across the globe for delivering on our promise of “WOW” customer service and strong financial results this past quarter.— Phil Daniele
Das AutoZone Quartal zeigt damit ein Unternehmen mit starkem Gewinn, guter Kostenkontrolle und anhaltenden Aktienrückkäufen, aber auch mit Schwächen beim Umsatzmix und im internationalen Geschäft. Für Anleger wird nun entscheidend sein, ob AutoZone im vierten Quartal die Dynamik in Mexiko und Brasilien stabilisieren und die Marge trotz weiterer LIFO-Belastungen verteidigen kann. Gelingt das, könnte der aktuelle Rücksetzer für langfristig orientierte Investoren wieder interessanter werden.



