Steckt Bitcoin vs. Gold und Bärenmarkt-Risiko wirklich in einem neuen Bitcoin Bärenmarkt – oder nur in einer heftigen Midcycle-Korrektur? Zwischen schwachen On-Chain-Daten, ETF-Abflüssen und Gold-Rekorden stellt sich die Frage, wer am Ende als sicherer Hafen übrig bleibt.

Bitcoin Bärenmarkt oder nur Midcycle-Korrektur?
Bitcoin handelt aktuell um 87.500 bis 88.000 US-Dollar und damit deutlich unter dem Oktober-Hoch bei 126.000 US-Dollar. Technisch bleibt der Kurs unter der wichtigen EMA‑20 bei rund 90.300 US-Dollar gefangen, während die Zone um 86.000 US-Dollar als zentrale Unterstützung fungiert. Ein Bruch dieser Marke könnte den Weg in Richtung 84.000 US-Dollar freimachen und die Sorgen um einen ausgewachsenen Bitcoin Bärenmarkt verstärken.
Gleichzeitig deuten längerfristige Signale auf zunehmenden Druck. Zwei zentrale Trendlinien im Wochenchart haben einen bearishen Crossover ausgebildet; erstmals seit April 2022 liegt die 21‑Wochen-EMA wieder unter der 50‑Wochen-EMA. Charttechniker werten dies als klassisches Muster für einen Zykluswechsel – passend zur Vierjahres-Historie, in der ähnliche Konstellationen häufig in einen umfassenden Bitcoin Bärenmarkt mündeten.
Dennoch verweisen Marktbeobachter auf Parallelen zu 2019: Damals korrigierte Bitcoin ebenfalls kräftig, bevor eine massive Rally einsetzte, als die US‑Notenbank die geldpolitische Gangart lockerte. Bravos Research etwa interpretiert die aktuelle Phase eher als Zwischenkorrektur innerhalb eines laufenden Zyklus, nicht als Vorboten eines erneuten 75‑Prozent-Crashs wie in früheren Bärenmärkten.
Wie agieren institutionelle Anleger jetzt?
Während Privatanleger zunehmend verunsichert wirken, bleibt der institutionelle Sektor erstaunlich robust. In einer aktuellen Umfrage halten rund 71 Prozent der befragten Profis Bitcoin im Bereich von 85.000 bis 95.000 US-Dollar für unterbewertet. Etwa 80 Prozent gaben an, ihre Positionen bei einem weiteren Rückgang um zehn Prozent halten oder sogar ausbauen zu wollen. Über die Hälfte der Experten stuft das Umfeld als Akkumulationsphase oder Bärenmarkt ein – Szenarien, die langfristig orientierten Käufern eher Chancen als Risiken bieten.
Gleichzeitig signalisiert die Marktstruktur kurzfristige Schwäche. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt wöchentliche Nettoabflüsse von rund 1,7 Milliarden US-Dollar nach zuvor kräftigen Zuflüssen. On-Chain-Daten zeigen wieder realisierte Nettoverluste, während ein deutlicher Umschwung hin zu „risk-off“ Verhalten einsetzt. Der Crypto Fear & Greed Index ist auf 29 gefallen und signalisiert Angst – ein Umfeld, in dem ein Ausverkauf sich schnell verstärken kann.
Makroökonomisch belasten zudem die Aussicht auf einen erneuten teilweisen US-Government-Shutdown, die anstehende FOMC-Sitzung, geopolitische Spannungen und Sorgen um eine schwächere Tech-Gewinnsaison. Kapital wandert sichtbar aus Bitcoin in Aktien und Edelmetalle ab, während die US-Wirtschaft bei solidem Wachstum von gut fünf Prozent und einer Inflation um 2,7 Prozent zwar stabil wirkt, die geldpolitische Linie der Fed aber noch nicht klar auf expansiv gedreht hat.

Gewinnt Gold den Kampf gegen digitales Gold?
Parallel dazu erlebt Gold ein Comeback: Das Edelmetall brach am Montag die Marke von 5.000 US‑Dollar und markierte ein neues Rekordhoch, während Silber seinen Marktwert seit Oktober nahezu verdoppeln konnte. In Phasen politischen Stresses fließt Kapital laut Marktstrategen derzeit deutlich bevorzugt in „reale“ Edelmetalle statt in Bitcoin – trotz des Narrativs vom „digitalen Gold“.
Kritiker wie Peter Schiff argumentieren, Bitcoin sei ein rein spekulatives Instrument ohne reale Verwendung, während Gold als „echtes Geld“ und Industriemetall in Schmuck, Elektronik, Luft- und Raumfahrt sowie Medizin einen intrinsischen Wert besitzt. Tokenisierte, voll gedeckte Goldprodukte auf Blockchains sollen zudem internetnative Zahlungen ermöglichen, ohne auf stetig steigende Tokenpreise angewiesen zu sein. Institutionelle Analysen von Citi, Tagus Capital und Forschungsteams an der Duke University stellen zunehmend infrage, ob Bitcoin ein verlässlicher Makro-Hedge ist; sie sehen seine Inflationsschutzfunktion als episodisch und stark von globaler Liquidität und Risikobereitschaft abhängig – im Gegensatz zur deutlich stabileren Rolle von Gold.
Die nächsten 30 Tage werden entscheidend dafür sein, ob bereits ein Bitcoin Bärenmarkt eingesetzt hat oder die aktuelle Schwäche nur eine Zwischenkorrektur vor der nächsten Rally ist.— Nic Puckrin, Mitbegründer von Coin Bureau
Dennoch sprechen strukturelle Argumente gegen das vollständige Abhaken des „digitalen Gold“-Narrativs. Historische Muster aus 2012, 2017 und 2019 zeigen, dass Bitcoin oft monatelang seitwärts läuft, während Gold vorprescht, bevor eine verzögerte, teils explosive Krypto-Rally folgt. Analysten verweisen auf die Möglichkeit, dass eine aggressivere Lockerung der Fed – etwa zwei Zinssenkungen 2026 – Liquiditäts-Assets wie Bitcoin plötzlich wieder in den Fokus rücken könnte.