Wird der Bitcoin Zollschock nur ein kurzer Schreckmoment bleiben oder den Weg in Richtung 60.000 Dollar freimachen?
Wie belastet der Bitcoin Zollschock den Markt?
Der jüngste Bitcoin Zollschock wurde durch Trumps Ankündigung ausgelöst, den globalen Zollsatz von zuvor 10 % auf 15 % anzuheben. Nach einem Urteil des Supreme Court, das frühere Notstands-Zölle einkassiert hatte, sorgt die aggressive Gegenreaktion aus dem Weißen Haus für neue Unsicherheit im Welthandel. Risk-on-Assets wie Bitcoin reagieren empfindlich: Der Kurs rauschte in weniger als zwei Stunden von rund 67.600 auf knapp 64.300 Dollar ab – der tiefste Stand seit dem 6. Februar – bevor sich BTCUSD leicht fangen konnte.
Marktbeobachter verweisen darauf, dass sich Bitcoin inzwischen stärker wie ein liquides Makro-Asset verhält, das eng mit der globalen Liquidität schwankt. Während Gold und Silber seit Jahresbeginn zweistellig zulegen, hat Bitcoin 2026 rund ein Viertel seines Werts verloren und liegt etwa 48 % unter seinem Rekordhoch von gut 126.000 Dollar. Der Kryptomarkt insgesamt hat binnen weniger Monate mehr als zwei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt, kleinere Token trifft es besonders hart.
Liquidationen, ETFs, Miner – wer verkauft?
Der Kurssturz unter 65.000 Dollar löste eine neue Welle von Zwangsliquidationen aus. Innerhalb von 24 Stunden wurden laut Derivatedaten Positionen im Volumen von rund 460 bis 500 Millionen Dollar aus dem Markt gespült, davon über 90 % gehebelte Long-Positionen. Die Liquidation-Heatmaps zeigten zuvor eng gebündelte Long-Cluster zwischen 65.500 und 64.500 Dollar, die der jüngste Rutsch nun „abgefrühstückt“ hat.
Parallel ziehen sich institutionelle Investoren zurück: Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen seit Jahresbeginn fünf Wochen in Folge Nettoabflüsse und liegen 2026 per saldo rund 2,6 bis 4,5 Milliarden Dollar im Minus. Einige Krypto-Hedgefonds haben ihre Bitcoin- und Ether-Exposures erstmals auf null gefahren und erhöhen lieber die Cashquote oder rotieren in Krypto-nahe Aktien. Das offene Interesse an Bitcoin-Futures ist von einem Jahreshöchststand bei über 38 Milliarden auf knapp 19,5 Milliarden Dollar geschrumpft – ein deutlicher Hinweis auf rückläufige Hebelrisiken, aber auch auf schwindende Spekulation.
Zusätzlich verschärft ein Miner-Ausverkauf den Druck. Branchenführer wie Bitdeer haben ihre Bestände vollständig liquidiert, andere wie Riot Platforms und Hut 8 schichten Kapital in KI-Rechenzentren um. Für viele Miner lohnt sich das Schürfen bei den aktuellen Preisen kaum noch, da der Hashpreis seit dem Halving 2024 deutlich gefallen ist. Kurzfristig bedeutet das zusätzliche Verkaufswellen am Spotmarkt, auch wenn die Hashrate bislang nahe Rekordniveau bleibt.

Bitcoin Zollschock: Droht ein Test von 60.000 Dollar?
Der aktuelle Bitcoin Zollschock trifft auf ohnehin schwache Stimmung. Der Crypto Fear & Greed Index ist auf Werte um 5 bis 14 von 100 gefallen – „extreme Angst“ und nahe historischen Tiefs. Viele Charttechniker sehen einen intakten Abwärtstrend seit Oktober: Jede Erholung wurde bislang abverkauft, der Bereich zwischen 60.000 und 55.000 Dollar gilt als zentrale Unterstützungszone. Prediction-Markets wie Polymarket taxieren die Wahrscheinlichkeit eines Rutsches unter 55.000 Dollar mittlerweile bei rund 70 %; Szenarien bis 50.000 Dollar sind an den Derivatemärkten fest verankert.
On-Chain-Daten deuten auf eine anhaltende Kapitulation neuer Marktteilnehmer hin: Der gleitende 7-Tage-Durchschnitt realisierter Nettoverluste liegt weiter bei knapp 500 Millionen Dollar pro Tag, während der Markt unter seinem 200-Wochen-EMA notiert. Historisch verlängern solche Phasen die Bodenbildungsprozesse um mehrere Monate. Gleichzeitig sehen einige Analysten in der Region um 55.000 Dollar – nahe dem realisierten Preis – eine potenzielle „Value-Zone“ für Langfristinvestoren.
Was bedeutet das für die Bitcoin-Story?
Der Bitcoin Zollschock verstärkt eine schon länger schwelende Identitätskrise. Statt als „digitales Gold“ zu glänzen, verhält sich Bitcoin derzeit wie ein klassisches Risk-on-Asset, das in Phasen steigender Zölle, Inflation und geopolitischer Spannungen verkauft wird. Während Gold neue Hochs testet, ringt BTCUSD darum, die Marke von 65.000 Dollar zurückzuerobern. Einige Strategen sprechen bereits von einer „gebrochenen Anlageklasse“, weil der durchschnittliche Käufer der letzten drei Jahre kaum Rendite erzielt hat, während der S&P 500 deutlich zugelegt hat.
Gleichzeitig bleibt die langfristige Erzählung intakt: Die feste Angebotsobergrenze von 21 Millionen Coins, der fortschreitende Ausbau von Lightning-Zahlungsinfrastruktur und die Integration von Bitcoin in Finanzprodukte und Bilanzen großer Unternehmen bieten weiter strukturelle Argumente. Investmenthäuser wie Standard Chartered rechnen trotz der aktuellen Schwäche mit einer möglichen Erholung Richtung 100.000 Dollar in den kommenden Jahren, auch wenn kurzfristig Rückschläge bis 50.000 Dollar einkalkuliert werden müssen. Für Anleger bleibt der Markt damit ein Hochrisiko-Spielfeld, in dem Timing und Risikomanagement entscheidend sind.
Volumen, das steigt, während der Preis fällt, ist lehrbuchmäßige bärische Preisaktion – ein weiteres Signal, dass der Trend zunächst eher nach unten als nach oben zeigt.
— Rekt Capital, Krypto-Analyst
Fazit
Unterm Strich zeigt der aktuelle Bitcoin Zollschock, wie stark Bitcoin inzwischen von makroökonomischer Politik und Liquidität abhängt. Für Anleger bedeutet das: Solange Zölle, Inflation und geopolitische Risiken dominieren und ETF-Gelder sowie Miner weiter verkaufen, bleiben Rückschläge bis in den Bereich um 60.000 Dollar möglich. Wer langfristig an die knappe Angebotsstruktur und die wachsende Rolle von Bitcoin in der Finanzinfrastruktur glaubt, findet in Phasen extremer Angst jedoch potenziell attraktivere Einstiegsniveaus – vorausgesetzt, die hohe Volatilität wird bewusst einkalkuliert.
