Droht Blue Owl Private Credit nach dem OBDC-II-Gate zum Modellfall für Liquiditätsrisiken im boomenden Private-Credit-Markt zu werden?
Blue Owl Capital: Was ist bei OBDC II passiert?
Blue Owl Capital Inc. hat die quartalsweisen Rücknahmen beim Retail-Fonds Blue Owl Capital Corporation II (OBDC II) ausgesetzt. Anleger können ihre Anteile damit nicht mehr wie gewohnt zurückgeben. Stattdessen soll Kapital über periodische Ausschüttungen aus Kreditrückzahlungen, Vermögensverkäufen und anderen Transaktionen zurückfließen. Der Schritt trifft einen Markt, in dem Private Credit für Privatanleger bisher als attraktive Alternative zu Anleihen und Dividendenwerten galt.
Parallel dazu vereinbarten mehrere Blue-Owl-Business-Development-Companies (BDCs) den Verkauf eines Kreditportfolios von insgesamt 1,4 Milliarden US‑Dollar an vier institutionelle Investoren, darunter drei große nordamerikanische Pensionsfonds und die eigene Versicherungsgesellschaft von Blue Owl. Die Investments werden zu 99,7 % des Nennwerts abgegeben, also praktisch zu Par – ein wichtiger Punkt, um Sorgen vor massiven Abschlägen in den Portfolios zu dämpfen.
Der Markt reagierte dennoch heftig: Die Aktie von Blue Owl Capital Inc. brach zunächst im zweistelligen Prozentbereich ein und setzte ihre Talfahrt an den Folgetagen fort. Auch andere große Alternative-Asset-Manager wie Apollo, Blackstone und KKR gerieten unter Druck, weil Investoren Dominoeffekte im Private-Credit-Sektor fürchten.
Blue Owl Private Credit: Liquidität oder „Gate“?
Im Zentrum der Diskussion steht, ob Blue Owl Private Credit mit OBDC II einen klassischen „Gate“-Mechanismus nutzt oder tatsächlich – wie vom Management behauptet – die Liquidität beschleunigt. CEO und Management betonen, man halte die Anlegerliquidität nicht an, sondern ändere lediglich die Methode der Rückführung: Weg von individuellen Rücknahmen, hin zu strukturierten Kapitalrückführungen über Kreditrückzahlungen und den Verkauf von Assets.
Faktisch bedeutet der Stopp der regulären Rücknahmen für viele Privatanleger jedoch eine deutliche Einschränkung ihrer Flexibilität. Der Schritt ist ein Warnsignal dafür, wie anfällig Blue Owl Private Credit und vergleichbare Produkte werden können, wenn Wellen von Rückgabewünschen auf per Definition illiquide Kreditportfolios treffen. Gerade das starke Engagement in Software- und Datencenter-Finanzierungen erhöht die Nervosität, da dieser Bereich zuletzt wegen KI-Disruption und Kursstürzen besonders unter Druck stand.
Gleichzeitig weisen Marktteilnehmer darauf hin, dass die tatsächlichen Ausfallraten im Private-Credit-Segment bislang niedrig bleiben. Der Verkauf des 1,4-Milliarden-Portfolios nahe Nennwert spricht dafür, dass die Kreditqualität im Kern stabil ist – die Debatte dreht sich daher stärker um Liquidität, Bewertungsfragen und die Eignung solcher Vehikel für Privatanleger.
Wie steht Blue Owl Capital fundamental da?
Abseits der Turbulenzen im Bereich Blue Owl Private Credit fielen die aktuellen Zahlen der börsennotierten BDCs gemischt aus. Die Blue Owl Capital Corporation (OBDC) meldete für das vierte Quartal 2025 ein GAAP-Nettozinsergebnis von 0,38 US‑Dollar je Aktie und ein adjustiertes NII von 0,36 US‑Dollar je Aktie. Die reguläre Quartalsdividende von 0,37 US‑Dollar entspricht auf Basis des Nettoinventarwertes (NAV) von 14,81 US‑Dollar einer Rendite von rund 10 %. Der leichte NAV-Rückgang resultierte primär aus kreditbezogenen Abschlägen auf einige wenige Positionen, teilweise kompensiert durch aktienrückkaufbedingte Effekte.
Die Schwester-BDC Blue Owl Technology Finance Corp. (OTF) lieferte mit einem NAV-Anstieg auf 17,33 US‑Dollar und einem adjustierten NII von 0,30 US‑Dollar je Aktie ebenfalls solide Zahlen und kündigte neben einer regulären Dividende fünf Sonderausschüttungen an. Beide Vehikel setzen ihre Aktienrückkaufprogramme fort, was das Management als Signal für Vertrauen in die eigenen Bewertungen versteht.
Dennoch zeigt die Kursentwicklung, dass Anleger skeptischer werden. OBDC wird laut jüngsten Marktkommentaren mit einem Abschlag von rund 20 % auf den NAV gehandelt, da Investoren eine mögliche Dividendenkürzung um 10–25 % einpreisen – vor allem wegen sinkender Basiszinsen und abnehmender Überschussdeckung. Morgan Stanley, Goldman Sachs oder Citigroup haben zwar in den letzten Wochen ihre Modelle an das veränderte Zinsumfeld angepasst, die generelle Einstufung des Sektors bleibt aber überwiegend vorsichtig bis neutral.
Was bedeutet das für Anleger in Blue Owl Private Credit?
Für Anleger steht Blue Owl Private Credit damit an einem Scheideweg: Einerseits untermauert der nahezu zu Par erfolgte Verkauf der 1,4 Milliarden US‑Dollar an Krediten die Werthaltigkeit vieler Engagements. Andererseits hat der dauerhafte Stopp der Rücknahmen bei OBDC II deutlich gemacht, wie stark Liquiditätsrisiken in Retail-orientierten Private-Credit-Vehikeln sein können. Hinzu kommen laufende Sammelklagen, in denen Blue Owl vorgeworfen wird, Risiken und Liquiditätsprobleme in bestimmten Produkten nicht frühzeitig offengelegt zu haben.
Wir halten die Anlegerliquidität nicht an, wir beschleunigen die Rückgabe von Kapital – wir ändern lediglich die Methode, mit der wir Rücknahmen ermöglichen.
— Management von Blue Owl Capital Inc.
Fazit
Während institutionelle Investoren von der Transaktion profitieren und sich direkte Kreditpakete sichern, müssen Privatanleger geduldig auf Kapitalrückflüsse aus Ausschüttungen und Portfoliorückzahlungen warten. Wer Blue Owl Private Credit im Depot hat, sollte die weitere Kommunikation des Managements, künftige Quartalszahlen und etwaige Anpassungen der Dividendenpolitik bei OBDC und OTF genau verfolgen.
Weiterführende Quellen
- Blue Owl Capital Inc. (OWL) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Blue Owl Move to Curb Redemptions at Private Credit Fund Hits Alt Manager Stocks (Barrons)
- Blue Owl Capital: Dividend Cut Already Priced In (Seeking Alpha)
- Blue Owl Capital stock is showing notable weakness (Benzinga)
