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Boeing Quartal: -2,5% trotz Gewinn-Wende

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Wie passt ein Milliarden-Gewinn zu einem Kursrückgang von rund 2,5 Prozent bei The Boeing Company? Das neue Boeing Quartal zeigt starke Umsätze, hohe Auslieferungen – und wirft dennoch kritische Fragen zum operativen Turnaround auf.

Boeing Quartal mit hoher Flugzeugproduktion in moderner Endmontagelinie
Erwähnte Aktien
BA BA
$242,14 -2.53%
Stand: 16:07 MEZ

Boeing Quartal: Wie belastbar ist der Turnaround?

The Boeing Company hat im vierten Quartal 2025 den Spagat aus operativer Erholung und Bilanzkosmetik hingelegt. Der Umsatz kletterte auf rund 23,9 Milliarden US‑Dollar und lag damit etwa 57 Prozent über dem Vorjahreswert. Analystenschätzungen von etwa 22,6 Milliarden Dollar wurden klar übertroffen. Entscheidend dafür waren 160 kommerzielle Auslieferungen im Quartal – fast dreimal so viele wie ein Jahr zuvor und die stärkste Quartalsleistung seit 2018.

Unterm Strich schrieb Boeing dank des Verkaufs der Digital‑Aviation‑Sparte inklusive Jeppesen einen Nettogewinn von gut 8,2 Milliarden Dollar bzw. 10,23 Dollar je Aktie. Bereinigt um diesen Sondereffekt erzielte der Konzern ein Ergebnis von 9,92 Dollar je Aktie und lag damit deutlich besser als frühere Verlustquartale. Andere Auswertungen auf Non‑GAAP‑Basis zeigen jedoch, dass operativ weiterhin ein Verlust anfällt – ein Kernpunkt, warum das starke Boeing Quartal an der Börse mit Kursabschlägen von rund 2,5 Prozent quittiert wurde.

Im Gesamtjahr 2025 setzte Boeing 89,5 Milliarden Dollar um, ein Plus von gut einem Drittel, und lieferte 600 Flugzeuge aus – der höchste Wert seit 2018. Dennoch schrieb das Verkehrsflugzeuggschäft operativ weiter rote Zahlen, während die Rüstungs‑ und Raumfahrtsparte ihre Verluste immerhin deutlich eindämmte.

Boeing Produktion: Reicht der FAA-Kurs für 2026?

Das Boeing Quartal ist vor allem ein Gradmesser dafür, wie belastbar der operative Turnaround ist. Der Fokus des Marktes liegt klar auf den Produktionsraten der Schlüsselprogramme 737 MAX und 787 Dreamliner. Die US‑Luftfahrtbehörde FAA hat die Obergrenze für die 737‑MAX‑Fertigung inzwischen auf 42 Jets pro Monat angehoben, nachdem zuvor bei 38 Stück die Grenze lag. Intern arbeitet der Konzern darauf hin, die Rate 2026 auf 47 Maschinen pro Monat zu erhöhen – ein zentraler Hebel für Umsatz und freien Cashflow.

Beim Langstreckenjet 787 peilt Boeing für das laufende Jahr die Marke von 10 Flugzeugen pro Monat an. Rückenwind liefern neue Großaufträge: Delta Air Lines orderte bis zu 60 Dreamliner, Ethiopian Airlines neun weitere. Gleichzeitig bleibt der regulatorische Druck hoch. Die FAA überwacht Boeings Qualitäts‑ und Sicherheitsprozesse nach den Krisenjahren deutlich schärfer und hat einen detaillierten Umsetzungsplan für Sicherheitsverbesserungen an der gesamten 737‑MAX‑Flotte vorgelegt.

Entscheidend wird daher, wie schnell Boeing Zertifizierungen für Modelle wie die 737 MAX 7, 737 MAX 10 und die 777X vorantreibt. Verzögerungen bremsen Auslieferungen, binden Kapital und gefährden die angepeilten Cashflow‑Ziele. Das Management um CEO Kelly Ortberg stellt für 2026 einen positiven freien Cashflow im niedrigen einstelligen Milliardenbereich in Aussicht und verweist auf einen Rekord‑Auftragsbestand von rund 682 Milliarden Dollar.

The Boeing Company Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
The Boeing Company (BA) – 252-Tage-Chart

Boeing Quartal: Wie urteilen die Analysten jetzt?

Auf Analystenseite überwiegt nach dem Boeing Quartal vorsichtiger Optimismus. Besonders positiv fällt Susquehanna auf: Die Investmentbank hat ihr Kursziel jüngst von 220 auf 260 US‑Dollar angehoben und bleibt bei einem “Positive”‑Rating. Begründet wird dies mit einem freundlichen Umfeld in der zivilen Luftfahrt, steigenden Verteidigungsbudgets und der Aussicht auf verbesserten freien Cashflow.

Auch andere Häuser wie Bernstein hatten bereits im Vorfeld des Zahlenwerks Kursziele nach oben gesetzt und Boeing als Top‑Wert im Luft‑ und Raumfahrtsektor 2026 hervorgehoben. Gleichzeitig verweisen Research‑Berichte auf die Kehrseite des starken Boeing Quartal: Einmalige Gewinne wie der Jeppesen‑Verkauf kaschieren, dass die zivilen und militärischen Sparten operativ noch nicht nachhaltig profitabel sind und der Konzern in den vergangenen Jahren rund 40 Milliarden Dollar an Barmitteln verbrannt hat.

Anleger müssen daher abwägen: Auf der einen Seite steht das beste Auslieferungs‑ und Umsatzniveau seit 2018, ein Rekord‑Backlog und konkrete Produktionsoffensiven. Auf der anderen Seite bleiben hohe Verschuldung, Programmrisiken – etwa bei den neuen Air‑Force‑One‑Maschinen – und ein enger regulatorischer Korridor. Die Aktie von Boeing (BA) notiert mit rund 242 US‑Dollar zwar nahe dem 52‑Wochen‑Hoch, reagiert kurzfristig aber sensibel auf jede Anpassung der Fertigungs‑ und Cashflow‑Guidance.

Wir haben 2025 bedeutende Fortschritte in unserer Erholung gemacht und die Grundlage geschaffen, um das Momentum im kommenden Jahr fortzusetzen.
— Kelly Ortberg, CEO von The Boeing Company
Fazit

Für kurzfristig orientierte Trader dürfte das Boeing Quartal damit vor allem ein Volatilitätskatalysator bleiben, während langfristige Investoren auf die Frage fokussieren, ob Boeing die angekündigten Produktionsziele unter den Augen der FAA auch tatsächlich liefern kann.