Trotz beeindruckender Zahlen und explodierendem KI-Geschäft gibt die Broadcom-Aktie nach – warum reagieren Anleger so sensibel auf den Ausblick?
Beeindruckende Broadcom Quartalszahlen im dritten Quartal
Broadcom Inc. (AVGO) hat für das dritte Geschäftsquartal 2026 beeindruckende Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg um 86 Prozent auf 29,6 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von 29,36 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 3,32 US-Dollar, ebenfalls über den erwarteten 3,24 US-Dollar. Besonders hervorzuheben ist das KI-Segment: Der Umsatz mit KI-Halbleitern explodierte um 221 Prozent im Jahresvergleich auf 16,7 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die eigene Prognose von 16 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow erreichte mit 13,7 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert. Diese Zahlen zeugen von der starken Position Broadcoms im prosperierenden KI-Markt.
CEO Hock Tan betonte die anhaltend starke Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Beschleunigern und Netzwerklösungen. Für das vierte Quartal wird ein weiterer Anstieg des KI-Halbleiterumsatzes auf 21,7 Milliarden US-Dollar erwartet, was einem Wachstum von 236 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Der operative Gewinn stieg um 92 Prozent auf über 20 Milliarden US-Dollar, was die operative Stärke des Unternehmens unterstreicht.
Warum bremst der kurzfristige Ausblick die Stimmung?
Trotz der hervorragenden Ergebnisse und der optimistischen Langfristprognosen gab die Aktie von Broadcom im vorbörslichen Handel und im frühen Handel nach. Der Grund liegt im Ausblick für das vierte Quartal: Broadcom prognostizierte einen Konzernumsatz von knapp 34,8 Milliarden US-Dollar, während Analysten im Schnitt 35,03 Milliarden US-Dollar erwartet hatten. Diese leichte Unterschreitung der Erwartungen reichte aus, um die Stimmung der Anleger zu trüben, die nach den jüngsten Höchstständen im KI-Sektor offenbar noch höhere kurzfristige Erwartungen hatten. Die Aktie, die Anfang Juni ein Rekordhoch von 495 US-Dollar erreicht hatte, gab im frühen Handel um fast sieben Prozent auf etwa 343 US-Dollar nach und liegt damit fast ein Drittel unter ihrem Höchststand. Dies zeigt, dass selbst bombastische Zahlen nicht ausreichen, wenn die Messlatte extrem hoch liegt.
Ein weiterer Faktor, der die Anleger beunruhigt, ist die Bruttomarge. Obwohl sie im dritten Quartal bei 75 Prozent lag, wird ein Rückgang auf 73 Prozent im laufenden Quartal erwartet. Finanzchefin Amie O’Toole erklärte, dies spiegele den zunehmenden Anteil von XPUs mit höherem Speichergehalt wider, was die konsolidierte Bruttomarge verwässere. Die gestiegenen Preise für High-Bandwidth Memory (HBM) Chips, die Broadcom nicht selbst herstellt, stellen hier einen Kostenfaktor dar. Dies deutet auf eine mögliche Margenkompression hin, auch wenn die Nachfrage weiterhin stark ist.
Langfristiges Wachstumspotenzial und Analystenreaktionen
Langfristig bleibt Broadcom Inc. äußerst optimistisch. Das Unternehmen erhöhte das Ziel für KI-Chips im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 leicht auf 58 Milliarden US-Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 wird eine Verdoppelung des KI-Umsatzes auf 115 Milliarden US-Dollar prognostiziert, und für 2028 eine weitere Verdoppelung auf 230 Milliarden US-Dollar. CEO Hock Tan geht davon aus, dass der bereinigte Gewinn pro Aktie bis 2028 die Marke von 30 US-Dollar überschreiten wird, was deutlich über den bisherigen Analystenschätzungen liegt. Zu den Großkunden im KI-Bereich zählen Google, Meta, OpenAI und Anthropic. Besonders hervorzuheben ist, dass Anthropic und OpenAI in den kommenden Jahren die größten Abnehmer von Broadcoms kundenspezifischen Chips werden sollen, noch vor Google.
Analysten reagierten auf die Broadcom Quartalszahlen und den Ausblick mit einer Mischung aus Bestätigung und Anpassung. Cantor Fitzgerald erhöhte das Kursziel für Broadcom von 525 US-Dollar auf 600 US-Dollar und bestätigte das Rating „Overweight“. BMO Capital hob das Kursziel von 455 US-Dollar auf 575 US-Dollar an und behielt das „Outperform“-Rating bei. Auch Rosenblatt erhöhte das Kursziel von 500 US-Dollar auf 600 US-Dollar mit einem „Buy“-Rating. Morgan Stanley erhöhte das Kursziel von 502 US-Dollar auf 505 US-Dollar mit einem „Overweight“-Rating. Truist Securities hingegen senkte das Kursziel leicht von 550 US-Dollar auf 520 US-Dollar, behielt aber das „Buy“-Rating bei. Diese Reaktionen spiegeln das Vertrauen in das langfristige Wachstum des Unternehmens wider, auch wenn kurzfristige Schwankungen bestehen bleiben.
Broadcoms KI-Geschäft setzt neue Maßstäbe
Die aktuellen Entwicklungen bei Broadcom zeigen, wie das Unternehmen seine Position im hart umkämpften KI-Markt festigt, wie der Artikel „Broadcom Quartalszahlen: KI-Boom treibt Aktie um 4% in die Höhe“ detailliert. Im Vergleich dazu kämpft die Campbell Soup Company nach Verlust und Dividendensenkung mit einem Kursrückgang, was die unterschiedlichen Dynamiken in verschiedenen Sektoren verdeutlicht.
Demand for our custom AI accelerators and networking continues to be very strong. Q3 AI semiconductor revenue of $16.7 billion grew 221% year-over-year, and 54% quarter-over-quarter.— Hock Tan, Präsident und CEO von Broadcom
Die jüngsten Broadcom Quartalszahlen belegen das beeindruckende Wachstum des Unternehmens im KI-Sektor, doch der kurzfristige Ausblick für das vierte Quartal dämpfte die Anlegerstimmung und führte zu Kursverlusten. Trotz starker langfristiger Prognosen und positiver Analystenbewertungen zeigt sich, dass die hohen Erwartungen im KI-Bereich eine Herausforderung darstellen können. Für Anleger bedeutet dies, dass das enorme Potenzial des Unternehmens weiterhin intakt ist, jedoch kurzfristige Volatilität aufgrund hoher Marktansprüche zu erwarten ist. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Broadcom die Erwartungen wieder voll erfüllen kann und die Aktie ihren Aufwärtstrend fortsetzt.




