Ist der Margen-Schock im aktuellen Carvana Quartal nur ein Ausrutscher – oder der Beginn einer riskanten Wachstumswette?
Carvana Quartal: Wie stark war das Wachstum?
Im jüngsten Carvana Quartal konnte Carvana Co. die Wachstumsgeschichte eindrucksvoll fortschreiben. Der Umsatz kletterte im vierten Quartal auf rund 5,6 Milliarden US‑Dollar, was einem Sprung von etwa 58 % im Jahresvergleich entspricht und die Markterwartungen klar übertraf. Auch auf Stückebene legte das Geschäft kräftig zu: Die Einzelhandelsverkäufe erreichten 163.000 bis 163.522 Fahrzeuge und lagen damit spürbar über den erwarteten rund 157.000 Einheiten. Das entspricht einem Zuwachs von rund 43 bis nahezu 60 % gegenüber dem Vorjahr und unterstreicht die starke Nachfrage nach dem Online-Modell beim Gebrauchtwagenkauf.
Parallel stieg der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug auf gut 25.000 US‑Dollar, was den Umsatz zusätzlich befeuerte. Damit gewinnt Carvana Co. im fragmentierten US‑Gebrauchtwagenmarkt weiter Marktanteile. Im Gesamtjahr 2025 setzte das Unternehmen bereits rund 597.000 Einzelhandelsfahrzeuge ab – ein Plus von gut 43 %.
Carvana: Woher kommt der Margendruck?
Die Kehrseite des starken Wachstums zeigte sich im selben Carvana Quartal bei der Profitabilität. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 511 Millionen US‑Dollar und lag damit spürbar unter den von Analysten erwarteten 535 bis 536 Millionen US‑Dollar. Die bereinigte EBITDA-Marge kam nur auf rund 9,1 bis 10,1 % und verfehlte damit ebenfalls die Prognosen von über 10 %.
Vor allem die Kosten für Inspektion, Reparatur und Aufbereitung der Fahrzeuge zogen deutlich an. Der Bruttogewinn pro Einheit sank auf etwa 6.562 US‑Dollar und blieb damit unter dem Konsens von 6.823 US‑Dollar. CEO Ernie Garcia begründete die Entwicklung mit höheren Aufbereitungskosten in neu integrierten Standorten, geringerer Effizienz in Zentren mit unerfahrenem Management und zusätzlichen Abschreibungen auf aggressiv aufgebauten Lagerbestand. Zudem stiegen die Werbeausgaben im Quartal um mehr als 60 %, um das Nachfragewachstum weiter anzuschieben.

Carvana Co.: Wie reagieren Anleger und Analysten?
Der Margenknick im Carvana Quartal löste eine deutliche Kursreaktion aus. Nach zeitweisen Einbrüchen von bis zu 20 % nachbörslich notiert die Aktie mittlerweile bei 332,79 US‑Dollar, rund 7,95 % niedriger als am Vortag. Auf Monatssicht hat Carvana damit laut Marktberichten bereits über 20 % an Wert eingebüßt, nachdem der Kurs Ende Januar noch klar über 470 US‑Dollar gelegen hatte.
Gleichzeitig bleibt die Analystengemeinde gespalten. Wedbush Securities hält an seinem „Outperform“-Rating fest, senkte das 12‑Monats-Kursziel aber von 500 auf 425 US‑Dollar und verweist auf anhaltenden kurzfristigen Margendruck. Auch BTIG-Analyst Marvin Fong bestätigt seine Kaufempfehlung, reduziert das Kursziel jedoch von 535 auf 455 US‑Dollar und betont, dass Investoren Carvanas Bereitschaft, Margen zugunsten von Marktanteilsgewinnen zu opfern, einpreisen müssen.
Die Citigroup hat ihr Kursziel ebenfalls auf 465 US‑Dollar zurückgenommen und verweist auf die zuletzt hohe Volatilität der Aktie. Gleichzeitig sehen einige Häuser wie Morgan Stanley weiterhin ein attraktives Chance-Risiko-Profil und verweisen auf die starke Positionierung von Carvana Co. als wachstumsstärktem und profitabelstem Autohändler im US‑Markt.
Carvana Quartal: Was sagt der Ausblick?
Beim Ausblick hielt sich das Management im Carvana Quartal mit konkreten Zahlen zurück, was den Druck auf die Aktie zusätzlich erhöhte. Für das erste Quartal 2026 stellt CEO Ernie Garcia zwar ein sequentielles Wachstum sowohl bei den verkauften Einheiten als auch beim bereinigten EBITDA in Aussicht, konkrete Zielgrößen für Q1 nennt Carvana jedoch nicht. Der Markt hatte im Vorfeld mit einem EBITDA von rund 671 Millionen US‑Dollar und knapp 175.500 verkauften Fahrzeugen gerechnet.
Auf Jahressicht erwartet Carvana Co. „signifikantes Wachstum“ bei Stückzahlen und EBITDA. Analysten von Wedbush kalkulieren inzwischen mit einem Jahresumsatz von rund 26,9 Milliarden US‑Dollar und einem bereinigten EBITDA von etwa 3 Milliarden US‑Dollar, was einer Marge von rund 11,2 % entspräche. Langfristig hält Carvana an seinem ambitionierten Ziel fest, jährlich 3 Millionen Fahrzeuge im Einzelhandel zu verkaufen und eine bereinigte EBITDA-Marge von 13,5 % in den Jahren 2030 bis 2035 zu erreichen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch rechtliche und reputationsbezogene Risiken. Shortseller-Vorwürfe rund um die Beziehung zur Schwesterfirma DriveTime sowie eine laufende Untersuchung einer Anwaltskanzlei wegen möglicher Wertpapierverstöße sorgen für Gegenwind und nähren die Skepsis jener Marktteilnehmer, die den rasanten Aufstieg der Aktie schon länger kritisch sehen.
Wir sind der am schnellsten wachsende und profitabelste Autohändler – der Weg zu 3 Millionen Autos pro Jahr mit 13,5 % EBITDA-Marge bis 2030–2035 ist klar.
— Ernie Garcia, CEO von Carvana Co.
Fazit
Das aktuelle Carvana Quartal vereint starkes Wachstum mit klar sichtbaren Wachstumsschmerzen, was die Anleger zu einer Neubewertung des Risikoprofils zwingt. Für Investoren bleibt entscheidend, ob das Management die hohen Aufbereitungs- und Marketingkosten zügig in den Griff bekommt und die angepeilten Margen wirklich erreichbar sind. Gelingt die Stabilisierung der Profitabilität, könnte die jetzige Korrektur bei Carvana Co. langfristig eine neue Einstiegsgelegenheit markieren.
Weiterführende Quellen
- Carvana Co. (CVNA) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Carvana Q4 Earnings Beat on Higher-Than-Expected Vehicle Sales (Zacks Investment Research)
- Carvana: Bank trims target to $425 but keeps ‘outperform’ on long term margin case (Proactive Investors)
- What’s Happening With Carvana Stock? (Forbes)
