Die EZB hat den Weg für eine mögliche Commerzbank-Übernahme durch Unicredit freigemacht – doch welche Hürden bleiben noch bestehen?
EZB räumt die wichtigste Hürde aus dem Weg
Die Genehmigung hatte Unicredit am Donnerstagabend in Mailand mitgeteilt. Das Institut darf die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent überschreiten und den Anteil ohne Obergrenze weiter erhöhen. Damit nimmt die Commerzbank Übernahme ihre bislang wichtigste aufsichtsrechtliche Hürde. Unicredit sieht in der Entscheidung einen wichtigen Meilenstein, der die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB unterstreiche.
Die Mailänder hatten im Mai ein Angebot für sämtliche Aktien des Dax-Konzerns vorgelegt. Über den Umtausch im Sommer sicherten sie sich knapp die Hälfte der Anteile. Investire.biz beziffert die Beteiligung auf fast 48 Prozent und das Volumen des Angebots auf rund 45 Milliarden Euro. Laut dpa-AFX kommt die Erlaubnis nicht überraschend: Die EZB-Bankenaufsicht befürwortet grenzüberschreitende Bankenfusionen im Euroraum seit Langem, um den EU-Binnenmarkt zu stärken.
Aktie legt trotz erwarteter Entscheidung zu
Dass die Genehmigung kam, galt als ausgemacht. Trotzdem stützte sie den Kurs. Dow Jones meldete am Morgen ein Plus von 1,1 Prozent. Laut dpa-AFX gewann das Papier kurz nach Handelsstart gut ein Prozent auf 38,09 Euro. Bis zum Mittag baute die Aktie den Gewinn aus und notiert bei 38,24 Euro nach 37,70 Euro am Vortag.
Die Analysten sind mehrheitlich positiv gestimmt. Die 13 von MarketScreener erfassten Experten raten im Schnitt zum Übergewichten. Ihr mittleres Kursziel liegt bei 41,26 Euro und damit über dem aktuellen Kurs. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 beträgt laut MarketScreener 12,8. Neue Impulse könnten die Quartalszahlen bringen, die der Frankfurter Konzern am 5. November vorlegt.
Warum bleibt Unicredit knapp unter 50 Prozent?
Auffällig ist das erklärte Ziel von rund 50 Prozent der Stimmrechte statt einer klaren Mehrheit. Nach Angaben von Investire.biz liegt das an der polnischen Tochter mBank. Wer bestimmte Schwellen überschreitet, müsste auch deren Minderheitsaktionären ein Angebot machen. Wie genau Unicredit die angestrebte Kontrolle erreichen will, ließ das Institut laut dpa-AFX offen.
Die Italiener können nun weitere Aktien frei am Markt kaufen. Ein neues Angebot wäre wegen der üblichen Übernahmeprämie dagegen teuer. Unicredit-Chef Andrea Orcel drückt aufs Tempo. Seine Strategie soll die Frankfurter schon ab Januar umsetzen, die vollständige Fusion ist dagegen erst für 2029 oder 2030 geplant. Zudem droht er, per Aktionärsabstimmung einen neuen Aufsichtsrat und eine neue Führung einzusetzen, ohne die nächste Hauptversammlung abzuwarten.
Brüssel und Berlin reden noch mit
Abgeschlossen ist das Verfahren noch nicht. Die EU-Kommission prüft die Transaktion wettbewerbsrechtlich und will laut Reuters bis zum 16. November entscheiden. Bei der Einschätzung dieser Prüfung setzen die Medien unterschiedliche Akzente: Das Handelsblatt wertet die Zustimmung aus Brüssel als Formsache. Investire.biz verweist dagegen darauf, dass die Kommission Auflagen verhängen oder bei Bedenken eine vertiefte Prüfung einleiten kann.
Politisch bleibt der Bund ein wichtiger Akteur. Er hält gut 13 Prozent der Anteile und will betriebsbedingte Kündigungen bei der Bank mit weltweit rund 40.000 Vollzeitkräften möglichst verhindern. Berlin pocht zudem darauf, dass das Institut börsennotiert bleibt, seinen Sitz in Frankfurt behält und das starke Mittelstandsgeschäft fortführt. Unicredit, in Deutschland bereits mit der HypoVereinsbank vertreten, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen einschließlich des Abbaus Tausender Stellen. Inzwischen führen beide Häuser Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss.
Die Entscheidung stellt einen wichtigen Meilenstein bei der Übernahme der Commerzbank durch Unicredit dar und unterstreicht die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB sowie das Vertrauen in die soliden Fundamentaldaten und die starke Position von Unicredit innerhalb des europäischen Bankensektors.— Unicredit (Unternehmensmitteilung)
Unterm Strich hat die EZB der Unicredit den Weg zur Kontrolle über die Commerzbank geebnet, offen sind vor allem noch das Votum aus Brüssel und die Interessen des Bundes. Für Anleger bringt die Entscheidung mehr Klarheit über die künftige Eigentümerstruktur, die Analysten sehen weiteres Kurspotenzial. Die Quartalszahlen am 5. November und die Entscheidung der EU-Kommission dürften zeigen, wie zügig Orcel seine Pläne umsetzen kann.



