Droht der Commerzbank Übernahme durch UniCredit der Durchmarsch – oder kann Orlopp den Machtpoker noch drehen?
Wie weit ist die Commerzbank Uebernahme?
Im Zentrum der Debatte steht der nächste Schritt von UniCredit. Die italienische Bank hat ihre direkte Beteiligung an der Commerzbank weiter ausgebaut. Noch wichtiger ist jedoch der Blick auf die gesamte Stimmrechtsmacht: Einschließlich Total Return Swaps liegt der Zugriff nun bei 32,64 Prozent. Damit ist die für ein Pflichtangebot wichtige Marke von 30 Prozent wirtschaftlich faktisch überschritten. Das Management der Commerzbank und auch die Bundesregierung stellen sich weiterhin gegen eine Übernahme und pochen auf die Unabhängigkeit des Instituts.
Für Anleger ist die Commerzbank Uebernahme damit mehr als ein Szenario. Anfang Mai stimmen die Aktionäre von UniCredit über eine Kapitalerhöhung ab, die eine formelle Offerte finanzieren soll. UniCredit-Chef Andrea Orcel verbindet den Vorstoß mit dem Versprechen hoher Gewinnbeiträge bis 2028. Der Ton ist dabei deutlich schärfer geworden, was den Druck auf Frankfurt weiter erhöht.
Was plant Commerzbank?
Bettina Orlopp steht nun vor einer doppelten Herausforderung. Sie muss dem Kapitalmarkt ambitionierte Ziele präsentieren, damit eine eigenständige Commerzbank für Aktionäre attraktiver erscheint als ein Verkauf. Zugleich darf sie die Beschäftigten nicht verlieren, die sich im Abwehrkampf bislang klar hinter den Vorstand gestellt haben. Am 8. Mai will die Bank aktualisierte Finanzziele und ihre Strategie bis 2030 vorstellen.
Im Zuge dieser Neuausrichtung werden intern offenbar auch weitere Stellenstreichungen geprüft. Bereits Anfang 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3900 Vollzeitstellen angekündigt, überwiegend in Deutschland. Parallel sollten vor allem im Ausland neue Jobs entstehen, sodass die Gesamtzahl der Vollzeitkräfte bei rund 36.700 stabil bleiben sollte. Nun zeichnet sich ab, dass die Eigenständigkeit ebenfalls zusätzliche Einsparungen verlangen könnte. Gerade das macht die Commerzbank Uebernahme politisch und sozial so brisant.
Wie hoch wäre der Preis unter UniCredit?
Andrea Orcel hat für den Fall einer Übernahme ein Restrukturierungsprogramm mit Kostensenkungen von 1,3 Milliarden Euro bis 2028 skizziert. Nach seinen Angaben würden dabei rund 7000 Vollzeitstellen in Deutschland entfallen. Arbeitnehmervertreter der Commerzbank halten diese Zahl für zu niedrig angesetzt. Im Raum steht die Sorge, dass inklusive Tochtergesellschaften wie ComTS und CDS sowie über Einschnitte im Auslandsnetz deutlich mehr als 10.000 Stellen betroffen sein könnten.
Diese Aussicht erklärt, warum die Gegenwehr innerhalb der Bank so massiv ist. Betriebsratschef Sascha Uebel sieht bei einer unabhängigen Commerzbank bessere Perspektiven für die Belegschaft. Auch Verdi warnt davor, dass es nun keinen Überbietungswettbewerb bei Kostensenkungen zulasten der Mitarbeiter geben dürfe. Die Commerzbank Uebernahme ist damit längst nicht nur ein Kapitalmarktthema, sondern ein Konflikt über Strategie, Arbeitsplätze und den künftigen Zuschnitt des deutschen Bankensektors.
Wie reagiert die Aktie der Commerzbank AG?
Die Aktie der Commerzbank AG notiert aktuell bei 33,96 Dollar nach 34,52 Dollar am Vortag, ein Minus von 1,48 Prozent. Der Kursrückgang zeigt, dass der Markt die Lage zwar aufmerksam verfolgt, aber noch keine eindeutige Richtung einpreist. Eine falsche Euphorie ist damit fehl am Platz. Entscheidend werden nun die nächsten Wochen: das mögliche Angebot von UniCredit, die Aktionärsabstimmung zur Kapitalerhöhung und der Strategieauftritt von Orlopp.
Ein zusätzlicher Punkt für Investoren: Im vorliegenden Nachrichtenbild werden keine neuen Analysten-Ratings von Häusern wie Citigroup, RBC Capital Markets oder Goldman Sachs genannt. Der Fokus liegt klar auf Stimmrechten, Strategie und möglichem Stellenabbau.
Herr Orcel würde die Belegschaft der Commerzbank im Fall einer Übernahme drastisch zusammenstreichen.— Sascha Uebel
Unterm Strich bleibt die Commerzbank Uebernahme der dominierende Kurstreiber für die nächsten Wochen. Anleger sollten vor allem auf das Vorgehen von UniCredit, die Antwort der Commerzbank AG am 8. Mai und mögliche politische Signale achten. Gelingt Orlopp eine überzeugende Strategie, könnte die Bank ihre Eigenständigkeit stärken und den Übernahmedruck zumindest vorerst abfedern.
