Steckt der DAX Leitindex in einer harmlosen Seitwärtsphase – oder verpasst der Markt gerade den nächsten großen Impuls?
Wie stabil ist die DAX Seitwärtsphase aktuell?
Der DAX Leitindex setzt seine Schwächephase vom Wochenauftakt fort. Nach einem kurzen Ausflug über 25.000 Punkte zum Start in die Woche drehte der Markt im Tagesverlauf deutlich nach unten und schloss schließlich mit einem Minus von rund 0,5 % bei 24.800 Punkten. Am Dienstagmorgen rutscht der Index weiter leicht ab auf 24.786,81 Zähler und verliert damit nochmals 0,06 % zum Vortag. Charttechnisch bleibt die Handelsspanne klar umrissen: Auf der Unterseite gilt der Bereich um 24.500 Punkte als zentrale Unterstützung, nach oben bilden 25.000 bis 25.100 Punkte einen kurzfristigen Widerstand. Solange diese Zone nicht dynamisch überwunden wird, bleibt die DAX Seitwärtsphase das dominierende Muster.
Intraday rückt aktuell zunächst die Zone um 24.714/24.700 Punkte in den Fokus. Hier verläuft eine erste markante Unterstützung, an der technische Käufer immer wieder aktiv werden. Darunter würde sich das Bild eintrüben, Folgeabgaben bis in den Bereich 24.620 und anschließend 24.500/24.475 Punkte wären möglich. Auf der Oberseite liegen erste Erholungsziele bei 24.800, 24.860 und 24.898 Punkten. Spätestens dort ist erneut mit verstärktem Verkaufsdruck zu rechnen, weil in dieser Region in den vergangenen Tagen mehrfach neue Short-Positionen eröffnet wurden.
Welche Rolle spielen Siemens, Airbus und Deutsche Telekom?
Auf Einzeltitelebene prägten zuletzt vor allem große Index-Schwergewichte das Bild. Siemens stand mit Kursabschlägen von zeitweise rund 4 % deutlich unter Druck und zählte zu den Hauptbremsklötzen im DAX Leitindex. Belastet wird die Aktie von Sorgen über eine mögliche Disruption traditioneller Industriebereiche durch Künstliche Intelligenz sowie Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf der vergangenen Monate. Demgegenüber zeigten sich Werte wie Airbus und Deutsche Telekom robuster und legten jeweils um etwa 2 % zu, konnten das Schwächeln der Schwergewichte aber nicht vollständig kompensieren.
Markttechnisch bleibt damit eine Patt-Situation bestehen: Investoren steigen ein, sobald der Index Richtung 24.500 Punkte nachgibt, während Gewinne oberhalb von 25.000 Punkten rasch mitgenommen werden. Diese Mechanik zementiert die DAX Seitwärtsphase und verhindert bislang einen klaren Ausbruch nach oben oder unten. Ein neues kurzfristiges Long-Signal würde sich erst ergeben, wenn der Index sich lesbar und mit Volumen über 25.100 Punkten etablieren kann.

DAX Seitwärtsphase trotz besserer Stimmungsdaten?
Fundamental wirken die Vorgaben aus der deutschen Binnenwirtschaft moderat unterstützend. Daten von Reuters zufolge sind die deutschen Einzelhandelsumsätze im Dezember zwar nur um 0,1 % zum Vormonat gestiegen, damit aber immerhin nicht weiter gefallen. Parallel dazu meldet das Wall Street Journal eine spürbare Aufhellung der Verbraucherstimmung in Deutschland: Steigende Einkommens- und Konjunkturerwartungen sowie eine höhere Kaufbereitschaft signalisieren, dass die Konsumenten nach dem schwierigen Vorjahr vorsichtig optimistischer werden.
Auf der anderen Seite dämpfen anhaltende US-Zölle auf europäische Exporte, wie sie in einer Analyse bei Seeking Alpha thematisiert werden, die Perspektiven der stark exportorientierten deutschen Industrie. Besonders die Automobil- und Maschinenbauwerte leiden unter der Kombination aus schwächerer globaler Nachfrage, ungünstiger Wechselkursentwicklung und geopolitischen Unsicherheiten. In Summe reichen die jüngsten positiven Stimmungsdaten daher bislang nicht aus, um die DAX Seitwärtsphase in einen klaren Aufwärtstrend zu drehen.
Was bedeutet die DAX Seitwärtsphase für Anleger?
Für mittel- bis langfristige Investoren bleibt der deutsche Markt dennoch interessant. ETFs wie der Global X DAX Germany ETF, der den DAX Leitindex nahezu eins zu eins abbildet, verzeichnen laut mehreren institutionellen Engagements anhaltende Nachfrage. Gleichzeitig verweisen Marktstrategen auf den langfristigen Trend: Der Index hatte im vergangenen Jahr erst nachhaltig alte Hochzonen aus 2007/2008 überwunden, ohne dass es bislang zu einer massiven Überhitzung gekommen wäre. Allerdings notiert der DAX mit einem deutlichen Abstand zur 200-Wochen-Linie, was aus Mean-Reversion-Sicht zwischenzeitliche Rückläufe in Richtung 16.000 bis 17.000 Punkte im Extremfall nicht ausschließt.
Fazit
Kurzfristig stehen heute vor allem der ZEW-Index für die deutschen Konjunkturerwartungen und der Empire-State-Index aus den USA im Fokus. Zudem könnte die Rückkehr der US-Anleger nach dem Feiertag frische Orientierung geben. Solange sich der Handel jedoch in der Spanne 24.500 bis 25.000 Punkte abspielt, bleibt die DAX Seitwärtsphase für aktive Trader ein Spielfeld für kurzfristige Range-Strategien, während langfristig orientierte Anleger die Ruhephase eher zum schrittweisen Positionsaufbau nutzen dürften.
Weiterführende Quellen
- DAX Leitindex bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- German retail sales inch up in December (Reuters)
- German Consumer Sentiment Picks Up as Outlook Brightens (WSJ)
- Trump’s Tariffs Are Sinking The Eurozone (Seeking Alpha)