Droht dem DAX nach dem Zollurteil und neuen Trump-Zöllen nur eine kurze Verschnaufpause oder ein längerer Stimmungsumschwung?
Wie trifft das DAX Zollurteil die Märkte?
Der Konflikt um die US-Handelspolitik hat sich nach dem historischen DAX Zollurteil des Supreme Court deutlich verschärft. Das Gericht erklärte einen Großteil der bisherigen “reziproken” Zölle, die Trump auf Basis eines Notstandsgesetzes der 1970er-Jahre verhängt hatte, für unzulässig. Politisch ist das ein Rückschlag für den Präsidenten, ökonomisch schafft es jedoch keine rasche Entspannung: Trump reagierte nur Stunden später mit der Ankündigung eines weltweiten Strafzolls von zunächst 10, wenig später dann 15 Prozent auf alle Importe in die USA. Dieser neue Zoll soll auch für Einfuhren aus der EU und Großbritannien gelten und ist zunächst auf 150 Tage befristet. Für die exportorientierten Konzerne im DAX bedeutet das neue Unsicherheit bei Margen, Absatz und Investitionsplanungen.
Die positive Marktreaktion vom Freitagnachmittag auf das Urteil ist damit komplett verpufft. Am Freitag hatte der Index im Tagesverlauf noch bis auf 25.331 Punkte zugelegt – ein Hoch seit Mitte Januar – bevor er bei 25.260,69 Punkten aus dem Handel ging. Am Montag dominierte dagegen Risikoaversion: Der DAX rutschte im Verlauf unter 25.000 Punkte und markierte zum Schluss 24.991,97 Zähler. Das liegt zwar weiterhin deutlich über dem Jahrestief bei 18.865 Punkten, verdeutlicht aber, wie empfindlich der Markt aktuell auf jede Verschärfung im Zollstreit reagiert.
DAX Zollurteil, Iran und Konjunktur – was belastet am meisten?
Zum juristischen und politischen DAX Zollurteil kommen geopolitische Risiken hinzu. An den Märkten wächst die Sorge vor einer militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Ein möglicher US-Militärschlag könnte den Ölmarkt verknappen und die Energiepreise deutlich treiben, was insbesondere die stark zyklisch geprägten DAX-Sektoren Industrie und Chemie belasten würde. Bislang reagiert der Ölpreis allerdings moderat: Ein Fass Brent kostete um die Mittagszeit gut 71 US-Dollar und damit etwas weniger als am Freitag.
Auf der Konjunkturseite fallen die Signale gemischt aus. Positiv ist, dass sich das deutsche Geschäftsklima im Februar aufgehellt hat: Der Ifo-Index stieg auf 88,6 Punkte und lag damit über den Erwartungen. Auch die Einkaufsmanagerindizes deuten darauf hin, dass sich das verarbeitende Gewerbe erstmals seit Oktober wieder leicht über der Wachstumsschwelle bewegt. Gleichzeitig zeigt der Handels- und Zollkonflikt klare Bremsspuren: Insbesondere die Exportindustrie – etwa Automobilzulieferer und Maschinenbau – bleibt unter Druck, während Rüstungs- und Infrastrukturausgaben Teile der Industrie stützen.
Analysten verweisen zudem auf die robuste Binnennachfrage. Daten zu deutschen Einzelhandelsumsätzen und das wieder anziehende Verbrauchervertrauen stützen die These, dass das Wachstum 2026 stärker aus dem Inland als aus dem Export kommen wird. Für den DAX bedeutet das, dass konsumorientierte und defensive Werte tendenziell besser durch die Phase erhöhter Handelsunsicherheit kommen könnten als klassische Zykliker.

Technische Lage im DAX nach dem Zollschock
Aus technischer Sicht bleibt der Aufwärtstrend im DAX trotz des Rutsches unter 25.000 Punkte vorerst intakt, wirkt aber fragiler. Der Index bewegt sich seit Wochen in einer Seitwärtsrange zwischen rund 25.000 und 25.300 Punkten, die sich im Stundenchart als Keilformation mit abnehmender Dynamik zeigt. Am Montag gelang es den Bullen nicht, das Gap zum Freitagsschluss bei 25.260 Punkten zu schließen – ein Zeichen nachlassender Kaufbereitschaft in der Nähe der Rekordzone.
Wichtige kurzfristige Marken liegen nun auf der Unterseite bei 25.000 und 24.925 Punkten. Darunter öffnet sich charttechnisch Raum in Richtung 24.800 Punkte und tiefer, wo mehrere Zwischentiefs und gleitende Durchschnitte zusätzliche Unterstützung bieten. Auf der Oberseite gelten 25.145, 25.200 und 25.300 Punkte als zentrale Widerstände. Erst oberhalb von etwa 25.315 Zählern wäre der Weg zurück an das Rekordhoch von 25.507 Punkten frei. Viele kurzfristige Marktbeobachter sehen das Chance-Risiko-Verhältnis angesichts der Keilformation derzeit eher zugunsten der Bären verschoben und raten, neue Long-Engagements im Bereich der Höchststände zu meiden.
Wie reagieren Analysten auf DAX Zollurteil und Trump-Zölle?
Das DAX Zollurteil selbst wird von Ökonomen überwiegend als langfristig positiv bewertet, weil es die willkürliche Nutzung von Notstandsgesetzen zur Zollerhebung begrenzt. Kurzfristig erhöht die Reaktion Trumps mit befristeten 15-Prozent-Zöllen jedoch die Unsicherheit und erschwert die Planbarkeit für Unternehmen. Ifo-Präsident Clemens Fuest spricht von wachsenden Risiken für die deutsche Wirtschaft, trotz erster Erholungssignale.
Große Häuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder die Deutsche Bank betonen in ihren aktuellen Europa- und Deutschland-Strategien die vergleichsweise moderate Bewertung des DAX im internationalen Vergleich. Die Citigroup hebt in ihren Kommentaren hervor, dass deutsche Standardwerte trotz Zollrisiken von einer stabileren Binnenkonjunktur und attraktiven Dividendenprofilen profitieren. RBC Capital Markets verweist darauf, dass Deutschland mit hohen erwarteten Ausschüttungen von über 55 Milliarden Euro bei DAX-Konzernen im Fiskaljahr 2025 und weiter steigenden Dividenden bis 2027 für langfristige Einkommensinvestoren interessant bleibt.
Unsicherheit ist das, was Aktienanleger am wenigsten mögen – und genau die ist mit dem neuen Zollchaos an die Märkte zurückgekehrt.
— Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts
Fazit
Gleichzeitig mahnen viele Strategen zur Vorsicht: Solange unklar ist, ob der US-Kongress Trumps Zollkurs mitträgt und wie handelspolitische Verhandlungen zwischen EU und USA nach dem Urteil neu aufgesetzt werden, bleibt das Umfeld anfällig für Rückschläge. Kurzfristig raten einige Analysten, die erhöhte Volatilität taktisch zu nutzen und Qualitätswerte bei Rücksetzern selektiv einzusammeln, statt den Index in der Nähe seiner Höchststände aggressiv zu verfolgen.
Weiterführende Quellen
- DAX Performance-Index bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- German retail sales inch up in December (Reuters)
- German Consumer Sentiment Picks Up as Outlook Brightens (WSJ)
- DAX: More Than Good Enough To Compete With EWG, But Don’t Chase Now (Seeking Alpha)
