Reicht ein zweistelliges GMV-Wachstum, um Delivery Hero dauerhaft aus dem Kurskeller zu holen?
Wie stark war das Delivery Hero Quartal?
Im aktuellen Delivery Hero Quartal legte der Bruttowarenwert auf Like-for-like-Basis um 8,8% auf 12,5 Milliarden Euro zu. Im vierten Quartal hatte das Wachstum noch 7,9% betragen, damit beschleunigte sich die Entwicklung leicht. Der Gesamtumsatz der Segmente stieg zugleich um 17,8% auf 3,7 Milliarden Euro. Rückenwind kam vor allem aus dem Quick-Commerce-Geschäft, aus Abo-Angeboten, aus AdTech und aus dem Ausbau der eigenen Lieferlogistik.
Besonders auffällig ist die steigende Bedeutung schneller Alltagslieferungen. Quick Commerce wuchs im ersten Quartal um 30% und steht nun für 18% des GMV der Gruppe. Gleichzeitig entfielen 55% des GMV auf Kunden, die mehrere Produktkategorien auf der Plattform nutzten. Das unterstreicht die Strategie, die App von reiner Essenslieferung zu einer Alltagsplattform für Lebensmittel und Haushaltswaren auszubauen.
Was sagt Delivery Hero zum Ausblick?
Beim Ausblick bestätigte das Management die Jahresziele im Wesentlichen, klang beim operativen Ergebnis aber optimistischer. Für 2026 rechnet der Konzern nun damit, das bereinigte EBITDA in der oberen Hälfte der ausgegebenen Spanne von 910 bis 960 Millionen Euro zu erreichen. 2025 hatte Delivery Hero hier 903 Millionen Euro erzielt. CEO Niklas Östberg betonte, der Fokus liege weiter auf einer geschärften Präsenz und auf profitablem Wachstum, während die strategische Überprüfung mit hoher Priorität vorangetrieben werde.
CFO Marie-Anne Popp verwies auf gezielte Investitionen in Korea, in MENA und in Quick Commerce, die bereits Resultate lieferten. Regional stach besonders MENA hervor: Dort beschleunigte sich das GMV-Wachstum auf 16,1%, getragen von HungerStation und talabat. In Saudi-Arabien wurden 61% des GMV von Abonnenten generiert, der höchste Wert innerhalb der Gruppe.
Warum reagiert die Börse so deutlich?
Die starke Kursreaktion spiegelt vor allem die operative Überraschung beim Delivery Hero Quartal wider. RBC-Analyst Wassachon Udomsilpa hob den sehr starken Bruttowarenwert hervor und verwies auf eine robuste Auftragsdynamik trotz des Nahostkonflikts. Barclays-Analyst Andrew Ross sprach von einem soliden ersten Quartal und wertete es als leicht positiv, dass sich der Vorstand nun dem oberen Ende der Zielspanne beim operativen Ergebnis annähert. Auch JPMorgan-Analyst Marcus Diebel sah eine positive Überraschung bei Umsatz und GMV und erwartet, dass Fusionen und Übernahmen in den kommenden Monaten stärker in den Fokus rücken.
Mit 20,80 Dollar liegt die Aktie klar über dem Vortagsniveau, aber noch deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 29,89 Euro. Von einem neuen Hoch kann also keine Rede sein. Allerdings hat sich das Papier spürbar vom 52-Wochen-Tief bei 14,80 Euro gelöst, was zeigt, dass bessere operative Signale aktuell wieder honoriert werden.
Welche Themen bleiben für Delivery Hero offen?
Neben dem starken Delivery Hero Quartal bleibt die strategische Neuaufstellung ein zentrales Thema. Der Konzern hatte im März den Verkauf des Taiwan-Geschäfts an Grab für 600 Millionen US-Dollar angekündigt. Der Vollzug wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet, der Erlös soll zur Schuldentilgung und für allgemeine Unternehmenszwecke dienen. Schon zuvor hatte Delivery Hero zusätzliche Optionen wie Partnerschaften, Kapitalmarkttransaktionen und weitere wertsteigernde Maßnahmen geprüft.
Auch technologisch setzt der Konzern Akzente. Mit dem KI-Agenten Herogen treibt Delivery Hero sogenanntes Agentic Engineering voran und will damit die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen. Im Werbegeschäft verbesserte ein neues KI-gestütztes Anzeigen-Ranking die Rendite auf Werbeausgaben der Partner um 7%. Das zeigt, dass der Konzern nicht nur bei Lieferdiensten, sondern auch bei Software, Daten und Plattformeffizienz investiert. Im Wettbewerbsumfeld mit Konzernen wie Uber, Prosus und Just Eat Takeaway bleibt genau diese operative Disziplin entscheidend.
Das Delivery Hero Quartal liefert damit ein klares Signal: Das Wachstum beim GMV zieht an, Quick Commerce skaliert und der Ergebnisausblick hellt sich auf. Für Anleger wird nun wichtig, ob die strategische Überprüfung zusätzliche Werte freisetzen kann und ob der Konzern die verbesserte Profitabilität in den kommenden Quartalen bestätigt.
Wie beeinflusst das die Delivery Hero AG-Aktie?
Wir hatten einen starken Jahresbeginn und unsere gezielten Investitionen in Korea, in MENA und in Quick Commerce erzielen Resultate.— Marie-Anne Popp
Wer die jüngste Entwicklung einordnen will, findet im Beitrag Delivery Hero Quartal: EBITDA-Boom und Taiwan-Deal mehr Details zu Profitabilität und dem Verkauf in Taiwan. Spannend für den Sektor ist außerdem der Vergleich mit Etsy Quartal +9,7%: Rallye nach starkem Gewinnsprung, weil er zeigt, wie sensibel Wachstumswerte derzeit auf positive Ergebnisüberraschungen reagieren.




