Ist die drastische Diageo Dividendenkuerzung der Anfang vom Ende der Einkommensstory – oder der Start eines profitableren Konzerns?
Diageo plc: Wie hart trifft die Diageo Dividendenkuerzung die Anleger?
Die nun angekündigte Diageo Dividendenkuerzung fällt drastisch aus. Für das erste Geschäftshalbjahr bis Ende Dezember 2025 zahlt Diageo plc nur noch 20 Cent je Aktie, nach 40,5 Cent in der Vorjahresperiode – faktisch eine Halbierung der Zwischendividende. Gleichzeitig setzt der Verwaltungsrat eine neue Dividendenpolitik auf: Künftig sollen nur noch 30 bis 50 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden, nach bislang rund 63 Prozent im Geschäftsjahr 2024/25. In Szenarien am unteren Ende der Spanne entspricht dies einer Kürzung der Gesamtdividende um bis zu 50 Prozent. Dennoch sichert der Konzern eine Mindestdividende von 50 Cent je Aktie und Jahr zu, um einkommensorientierten Investoren eine Untergrenze zu geben.
Am Markt kommt die Diageo Dividendenkuerzung zunächst schlecht an. Der Kurs rutscht in London um etwa 5,95 Prozent auf 1.765,40 Pence ab. Damit droht die jüngste Erholungsbewegung zu kippen: Seit einem Mehrjahrestief Anfang 2025 hatte sich die Aktie zwar um mehr als zehn Prozent erholt, liegt aber immer noch fast 60 Prozent unter dem Rekordhoch von 4.110 Pence aus dem Jahr 2022. Die Dividendenstory, die viele Anleger bislang bei Diageo plc gehalten hat, wird damit spürbar entwertet.
Diageo plc: Was steckt hinter dem schwachen Halbjahr?
Operativ verlief das erste Geschäftshalbjahr 2025/26 durchwachsen. Der Umsatz von Diageo plc sank auf vergleichbarer Basis um fast drei Prozent auf knapp 10,5 Milliarden US‑Dollar, organisch lag das Minus laut Unternehmensangaben bei 2,8 Prozent. Hauptbelastungsfaktoren waren eine schwächere Nachfrage nach Spirituosen in den USA und eine anhaltende Flaute im China-Geschäft. Dagegen entwickelten sich Europa, Lateinamerika inklusive Karibik sowie Afrika robust und konnten die Schwäche in Nordamerika und Asien nur teilweise ausgleichen.
Beim operativen Ergebnis zeigt sich ein ähnliches Bild: Vor Sondereffekten ging der operative Gewinn um fast drei Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Dollar zurück. Der Überschuss legte indes um knapp zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar zu, was vor allem auf Effizienzmaßnahmen und Kostenkontrolle zurückzuführen ist. Konzernchef Dave Lewis, der wegen seines harten Sanierungskurses in früheren Stationen als “Drastic Dave” bekannt wurde, spricht von einem notwendigen strategischen Reset, um künftig wieder stärker zu wachsen und die Profitabilität nachhaltig zu steigern.

Diageo plc: Strategischer Reset und Diageo Dividendenkuerzung als Hebel?
Die Diageo Dividendenkuerzung ist Teil eines umfassenderen strategischen Neustarts. Lewis will die frei werdenden Mittel nutzen, um in Wachstumskategorien zu investieren, die Vertriebs- und Kundenstrategie zu schärfen und die operative Struktur zu verschlanken. Im Fokus stehen eine präzisere Kategorienstrategie, eine bessere Umsetzung am Point of Sale sowie ein neu zugeschnittenes Operating Model. Ziel ist es, “signifikante Chancen” im globalen Spirituosenmarkt zu nutzen und mittelfristig höhere und stabilere Renditen zu erzielen.
Für das laufende Gesamtgeschäftsjahr 2025/26 erwartet das Management vor Sondereffekten mindestens einen operativen Gewinn auf Vorjahresniveau. Gleichzeitig wurden jedoch die Ziele für Nettoerlöse und operatives Ergebnis nach unten angepasst, wie der Branchenexperte Trevor Stirling von Bernstein hervorhebt. Er spricht von einem schwachen ersten Halbjahr, insbesondere in den Schlüsselmärkten USA und China, und verweist darauf, dass die Reduktion der Ausschüttungsquote für Dividendeninvestoren ein klarer Einschnitt sei. Die Reaktion der Börse zeigt, dass die Investoren dem neuen Kurs zwar grundsätzlich Chancen zubilligen, aber zunächst die Einkommenseinbußen einpreisen.
Diageo plc: Was bedeutet die Diageo Dividendenkuerzung für die Bewertung?
Mit dem Rückgang auf aktuell rund 1.765 Pence notiert die Aktie von Diageo plc deutlich unter dem 52‑Wochen‑Hoch von 2.668 Pence und nur noch moderat über dem Jahrestief von 1.815 Pence. Die Risikoprämie für Anleger ist damit spürbar gestiegen. Ob sich der strategische Reset langfristig auszahlt, hängt vor allem davon ab, ob Lewis das US‑Geschäft stabilisieren, die Schwäche in China eindämmen und die Wachstumsregionen weiter ausbauen kann.
Für fundamental orientierte Investoren ist entscheidend, ob die gesenkte Ausschüttungsquote tatsächlich in profitables Wachstum reinvestiert wird. Dividendenspezialisten hingegen müssen sich nach der Diageo Dividendenkuerzung auf eine strukturell niedrigere laufende Rendite einstellen, auch wenn eine Mindestdividende von 50 Cent pro Jahr einen gewissen Puffer bietet. Die nächsten Quartalszahlen und das Feedback großer Häuser wie Citigroup oder Goldman Sachs zu möglichen Einstufungs- und Kurszielanpassungen dürften maßgeblich bestimmen, ob der Kurs die Gewinne der letzten Wochen verteidigen kann oder erneut in Richtung Jahrestief abrutscht.
„Die bedeutendste Kürzung betrifft jedoch die Dividendenausschüttung, die nun auf 30 bis 50 Prozent angestrebt wird.“
— Trevor Stirling, Bernstein
Fazit
Im Fazit bleibt festzuhalten: Die Diageo Dividendenkuerzung markiert einen tiefen Einschnitt in der Kapitalmarktstory von Diageo plc, eröffnet dem Management aber finanziellen Spielraum für den angekündigten strategischen Umbau. Für einkommensorientierte Anleger bedeutet der Schritt kurzfristig Schmerz, während wachstumsorientierte Investoren auf eine bessere Rendite aus Reinvestitionen hoffen können. Entscheidend wird sein, ob der neue CEO Lewis die operative Wende liefert – dann könnte Diageo trotz der aktuellen Turbulenzen wieder zu einem attraktiven Qualitätswert für langfristige Anleger werden.
Weiterführende Quellen
- Kursübersicht Diageo plc (London Stock Exchange)
- Unternehmensprofil und Finanzberichte Diageo (Diageo plc)
- Überblick Spirituosenbranche und Marktentwicklung (Reuters)
- Diageo plc bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)

