Kann das aktuelle Disney Quartal mit starkem Streaming und soliden Parks den Turnaround der Aktie nachhaltig absichern?
Wie stark ist das Disney Quartal ausgefallen?
Das Disney Quartal markiert einen soliden Einstand für CEO Josh D’Amaro, der Bob Iger im März abgelöst hatte. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg von 1,45 auf 1,57 Dollar und lag damit über den Erwartungen von 1,49 Dollar. Der Umsatz kletterte um rund 7 Prozent auf 25,17 Milliarden Dollar und übertraf ebenfalls den Konsens. Konzernweit wuchs das operative Ergebnis auf 4,60 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sank der Nettogewinn zwar auf 2,25 Milliarden Dollar, was jedoch vor allem mit einem Steuereffekt im Vorjahr zusammenhing. Für Anleger wichtiger war der operative Trend: Disney erhöhte das Ziel für das bereinigte Gewinnwachstum im Geschäftsjahr 2026 auf rund 12 Prozent und hob das geplante Aktienrückkaufvolumen auf mindestens 8 Milliarden Dollar an.
Warum überzeugt Disney im Streaming?
Der stärkste Hebel im Disney Quartal war erneut das Direktkundengeschäft. Die Streaming-Plattformen Disney+ und Hulu steigerten ihr operatives Ergebnis um 88 Prozent auf 582 Millionen Dollar. Der Umsatz im Streaming stieg um 13 Prozent, gestützt durch Preiserhöhungen, Werbung und höhere Nutzung. Das Management sprach von der ersten zweistelligen operativen Marge in diesem Bereich und hält für das Gesamtjahr weiter mindestens 10 Prozent Marge für erreichbar. D’Amaro will Disney+ künftig stärker als digitalen Mittelpunkt des Konzerns positionieren, also als Plattform, über die Inhalte, Spiele, Sport und Parkerlebnisse enger verbunden werden. Damit reagiert Disney auch auf den verschärften Wettbewerb durch Plattformen wie Netflix, YouTube und Technologiekonzerne wie Apple. Parallel prüft Disney nach dem Aus für Sora neue kommerzielle Möglichkeiten mit OpenAI und anderen Partnern.
Wie liefen Parks, Filme und ESPN bei Disney?
Auch abseits des Streamings war das Disney Quartal robust. Die Sparte Experiences mit Parks, Kreuzfahrten und Konsumgütern setzte 9,49 Milliarden Dollar um, ein Plus von 7 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um 5 Prozent auf 2,62 Milliarden Dollar. Zwar sank die Besucherzahl in den US-Parks um 1 Prozent, doch die Ausgaben pro Gast legten um 5 Prozent zu. Disney verwies zudem auf weiterhin starke Nachfrage und erwartet im dritten Quartal eine bessere Besuchsentwicklung. Die Entertainment-Sparte profitierte von Filmen wie „Avatar: Fire and Ash“, „Zootopia 2“ und „Hoppers“; ihr Umsatz stieg um 10 Prozent auf 11,72 Milliarden Dollar. Schwächer entwickelte sich ESPN: Die Sport-Sparte erhöhte den Umsatz zwar um 2 Prozent auf 4,61 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis fiel wegen höherer Rechte- und Marketingkosten jedoch um 5 Prozent auf 652 Millionen Dollar. Ein Spin-off der TV-Sender steht nach Angaben des Managements nicht zur Debatte.
Was bedeutet das für die Disney-Aktie?
Die Aktie legte intraday um 6,32 Prozent auf 106,83 Dollar zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Dow. Damit notiert Disney klar über dem Tagesschluss des Vortags, aber weiterhin unter dem 52-Wochen-Schlusshoch von 124,01 Dollar. Von einem neuen Hoch kann also keine Rede sein. Bemerkenswert ist eher, dass der Kurs den Rückstand im Jahresverlauf deutlich verkleinert. Das Plus wurde vor allem von der Kombination aus Gewinnüberraschung, besserer Streaming-Marge und enger gefasstem Ausblick getragen. Im Marktvergleich bleibt Disney damit ein interessanter Medienwert, während Anleger zugleich auf Entwicklungen bei NVIDIA und Tesla schauen, die den Technologiesektor prägen und die Risikostimmung am Gesamtmarkt mitbestimmen.
Das Disney Quartal liefert damit genau die Signale, die Investoren nach dem Chefwechsel sehen wollten: operative Stabilität, profitableres Streaming und eine klarere Kapitalallokation. Entscheidend bleibt nun, ob Disney die Dynamik bei Disney+ halten, die Parknachfrage stabilisieren und ESPN in den Direktkundenausbau führen kann. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob aus dem guten Start unter D’Amaro ein nachhaltiger Turnaround der Aktie wird.
Wie beeinflusst das die Disney-Aktie?
Wir bleiben auf disziplinierte Umsetzung fokussiert und legen zugleich das Fundament für Disneys nächste Wachstumsphase.— Josh D’Amaro
Wer den Umbau unter Josh D’Amaro genauer einordnen will, findet im Bericht zum Disney Stellenabbau und Konzernumbau den strategischen Hintergrund. Spannend ist auch der Branchenvergleich mit Norwegian Cruise Line Quartal, weil dort trotz Gewinnsprung ein schwacher Ausblick die Aktie belastete – bei Disney ist es diesmal genau umgekehrt.



