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Federal Reserve Zinspolitik unter Trump: Zölle, Druck und Risiko-Schock
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Federal Reserve Zinspolitik unter Trump: Zölle, Druck und Risiko-Schock

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S&P 500

Wie lange kann die Federal Reserve Zinspolitik unabhängig bleiben, wenn Trumps Zollpläne Inflation, Märkte und Wahlkampf zugleich anheizen?

Wie reagiert die Fed auf Trumps Zolloffensive?

Präsident Trump hat seine Zollpolitik in der längsten jemals im Fernsehen übertragenen State-of-the-Union-Rede offensiv verteidigt. Zölle von bis zu 10 % auf breite Importkörbe sollen nach seinen Worten hunderte Milliarden Dollar einbringen und langfristig sogar Teile der Einkommensteuer ersetzen. Gleichzeitig arbeitet die Regierung daran, das Zollniveau punktuell auf 15 % anzuheben. Für die Federal Reserve Zinspolitik ist diese Strategie heikel: Ökonomen schätzen, dass die Zölle die von der Fed bevorzugte PCE-Inflation um rund 0,5 Prozentpunkte erhöhen und damit den Kurs weiterer Zinssenkungen erschweren.

Fed-Vertreter verweisen darauf, dass die Kerninflation nach wie vor um 3 % pendelt und damit klar über dem 2-%-Ziel liegt. Chicago-Fed-Chef Austan Goolsbee warnt explizit davor, sich bei 3 % „einzurichten“. In diesem Umfeld würden zusätzliche Zollrunden den Preisdruck eher verstärken als entschärfen, während sich die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen um die psychologisch wichtige 4-%-Marke stabilisieren.

Federal Reserve Zinspolitik: Wie groß ist der politische Druck?

Trump drängt den Kongress auf eine schnelle Bestätigung eines neuen Fed-Vorsitzenden und macht keinen Hehl daraus, dass er eine Notenbank will, die seine Wachstums- und „Affordability“-Agenda aktiv unterstützt. Namen wie Kevin Warsh oder Rick Rieder kursieren als potenzielle Nachfolger von Jerome Powell. Kern der Forderung: eine deutlich lockerere Federal Reserve Zinspolitik mit zwei bis drei weiteren Zinssenkungen im Jahr 2026 – unabhängig von kurzfristigen Konjunkturdaten.

Fed-Offizielle stellen sich bislang quer. Mehrere Notenbanker signalisieren eine verlängerte Pause, bis eine nachhaltige Rückkehr der Inflation in Richtung 2 % erkennbar ist. Boston-Fed-Chefin Susan Collins betont, die Leitzinsen müssten „für einige Zeit“ stabil bleiben. Damit stellt sich die Fed offen gegen Trumps Ruf nach schnellen Zinssenkungen, was die Debatte über ihre Unabhängigkeit erneut anheizt und strukturellen Stress für die US-Bonität erzeugt.

Federal Reserve und Trump-Zoelle Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Was bedeuten Zölle und Zinsen für Aktien und Wohnungsmarkt?

Trotz der politischen Spannungen zeigen sich die US-Börsen robust: Der S&P 500 notiert bei 6.940,54 Punkten, nachdem er sich weiter von den Tiefs des vergangenen Jahres entfernt hat. Der Fear & Greed Index liegt mit 43 Punkten nahe der neutralen Zone, während der VIX unter 20 zurückgefallen ist – ein Zeichen für abnehmende kurzfristige Angst. Dennoch warnen Marktstrategen, dass die Kombination aus hoher Bewertung, Zollunsicherheit und unklarer Federal Reserve Zinspolitik die Anfälligkeit für Rücksetzer erhöht.

Auf dem Immobilienmarkt prallen Trumps Politik und Fed-Kurs besonders hart aufeinander. Der Präsident will die Hypothekenzinsen durch weitere Lockerung der Geldpolitik nach unten drücken und hat parallel institutionellen Investoren den Erwerb zusätzlicher Einfamilienhäuser untersagt, um Platz für private Käufer zu schaffen. Experten verweisen jedoch darauf, dass eine wirkliche Belebung des Marktes erst bei Hypothekenzinsen unter etwa 5,5 % zu erwarten wäre, während die Notenbank wegen der Zolldynamik und robuster Beschäftigung bisher nicht bereit ist, den Zinshebel aggressiv zu nutzen.

Wie positionieren sich Analysten zu Fed und Zöllen?

Research-Häuser sehen die Märkte in einem fragilen Gleichgewicht. Bei Goldman Sachs rechnet die Zinsstrategie-Abteilung weiterhin mit insgesamt 50 bis 75 Basispunkten an Lockerung bis Jahresende, allerdings klar datenabhängig und nur, wenn der Arbeitsmarkt merklich nachgibt. Morgan Stanley um Chefökonom Seth Carpenter bleibt für das US-Wachstum 2026 mit über 2,5 % positiv gestimmt, warnt aber, dass die Zölle die Inflation hartnäckiger machen und damit den Spielraum der Federal Reserve Zinspolitik einengen könnten.

Citigroup hebt in ihren Fixed-Income- und FX-Reports hervor, dass ein Mix aus fiskalischer Expansion, höheren Zöllen und nur moderaten Zinssenkungen den US-Dollar mittelfristig unter Druck setzen dürfte. RBC Capital Markets verweist auf die hohe Sensitivität von Tech- und KI-Werten gegenüber den realen Renditen: Sollten Zolleskalation und eine weniger lockere Fed die Renditen nach oben treiben, könnten gerade hoch bewertete Wachstumsaktien unter Druck geraten, während Value- und Small-Cap-Werte von den Steuersenkungen profitieren.

Zölle treiben die Inflation nach oben, während die Politik gleichzeitig von der Federal Reserve erwartet, mit Zinssenkungen die Erschwinglichkeit zu retten – dieser Spagat wird 2026 zum Stresstest für die Unabhängigkeit der Notenbank.
— Redaktion Börsenblog

Fazit

Die Federal Reserve Zinspolitik steht an einem Wendepunkt, an dem politische Forderungen nach billigerem Geld mit den realen Zwängen von Inflation und Zolldruck kollidieren. Für Anleger bedeutet dies, dass robuste Indizes wie der S&P 500 auf einem Fundament aus fiskalischem Stimulus, aber auch zunehmenden geldpolitischen Risiken stehen. Wer investiert ist, sollte die kommenden Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten genau verfolgen – sie entscheiden, ob die Fed ihren Kurs halten kann oder der politische Druck letztlich doch die Richtung vorgibt.

Weiterführende Quellen

Maik Kemper
Über den Autor
Maik Kemper

Finanzjournalist und Trader mit über 10 Jahren Erfahrung an den Märkten. Spezialisiert auf Aktienanalyse, Forex und makroökonomische Zusammenhänge.