Kann die GameStop Übernahme von eBay den Händler zum E-Commerce-Schwergewicht machen – oder droht ein milliardenschwerer Fehlgriff?
Warum ist die GameStop Uebernahme so außergewöhnlich?
GameStop Corp. (GME) ist mit rund 12 Milliarden Dollar Börsenwert deutlich kleiner als eBay (EBAY), das zuletzt auf etwa 46 Milliarden Dollar kam. Genau deshalb sticht die GameStop Uebernahme heraus: Ein kleinerer Käufer greift nach einem etablierten Marktplatzriesen. Die Offerte bewertet eBay mit etwa 55,5 bis 56 Milliarden Dollar und entspricht 125 Dollar je Aktie. GameStop hat die Offerte inzwischen auch per 8-K bei der US-Börsenaufsicht dokumentiert. eBay bestätigte am Montag zudem den Eingang des unaufgeforderten, unverbindlichen Vorschlags. Im Intraday-Handel zeigt sich die Skepsis des Marktes dennoch klar: eBay notiert bei 104,07 Dollar und damit weiter deutlich unter dem Angebotspreis, während GameStop bei 26,53 Dollar steht und vorbörslich auf 24,98 Dollar zurückfällt.
Wie will GameStop eBay finanzieren?
Die Finanzierung ist der zentrale Prüfstein. GameStop verfügt nach eigenen Angaben über rund 9,4 Milliarden Dollar an Barmitteln und liquiden Anlagen. Hinzu kommt eine Finanzierungszusage von TD Securities über bis zu 20 Milliarden Dollar. Damit ist ein erheblicher Teil abgedeckt, aber eben nicht die gesamte Transaktion. Der Rest müsste über weitere Finanzierungspartner, zusätzliche Strukturierung oder einen größeren Aktienteil gestemmt werden. Für bestehende GameStop-Aktionäre wäre das potenziell verwässernd. Genau deshalb wirkt die Kursreaktion von GME trotz der Schlagzeile verhalten. Die Aktie hatte zuletzt bei 27,61 Dollar geschlossen, liegt aktuell aber bei 26,53 Dollar und verliert vorbörslich 5,84 Prozent. Bei eBay ist das Bild umgekehrt: Nach einem Schlusskurs von 116,35 Dollar liegt die Aktie aktuell bei 104,07 Dollar und steigt vorbörslich auf 111,29 Dollar um 6,94 Prozent. Das signalisiert Interesse, aber keinen festen Glauben an einen raschen Abschluss.
Was verspricht sich GameStop von eBay?
CEO Ryan Cohen will aus dem kombinierten Unternehmen einen ernstzunehmenden Gegenspieler zu Amazon formen. GameStop argumentiert mit jährlichen Kostensenkungen von rund 2 Milliarden Dollar binnen zwölf Monaten nach Abschluss. Einsparungen sollen vor allem bei Vertrieb und Marketing, Produktentwicklung sowie Verwaltung entstehen. Zugleich verweist GameStop auf seine rund 1.600 US-Filialen, die für Authentifizierung, Annahme, Logistik und Live-Commerce genutzt werden könnten. Strategisch passt die Geschichte zumindest auf dem Papier: Beide Unternehmen adressieren Sammler, Gaming-Hardware, gebrauchte Produkte und Nischen mit hoher Käuferbindung. GameStop hat in den vergangenen Jahren sein Profil bereits Richtung Retro-Gaming und Collectibles geschärft. Auch Themen wie digitale Sammelkarten zeigen, dass Cohen nach neuen Erlösquellen sucht. Die GameStop Uebernahme wäre damit weniger ein Zukauf im klassischen Sinn als ein radikaler Plattformwechsel.
Wie hoch sind die Risiken für eBay und GameStop?
Die Risiken bleiben enorm. eBay befindet sich operativ nicht in einer akuten Krise, sodass die Notwendigkeit eines Verkaufs aus Sicht vieler Investoren nicht offensichtlich ist. Bernstein äußerte bereits Zweifel an der strategischen Logik und verwies darauf, dass eBays eigener Turnaround Fortschritte zeigt. Zudem könnte ein Proxy Fight folgen, falls der eBay-Verwaltungsrat nicht verhandeln will und Cohen direkt die Aktionäre anspricht. Das würde die Lage weiter zuspitzen. Für GameStop ist die Wette besonders groß, weil das Kerngeschäft trotz verbesserter Profitabilität unter rückläufigen Umsätzen leidet. Zugleich konkurriert der Konzern nicht nur mit Amazon, sondern indirekt auch mit Plattformen und Ökosystemen rund um Apple, Tesla-ähnliche Markenloyalität im Community-Bereich und datengetriebene Handelsmodelle, wie sie Investoren von NVIDIA kennen. Die GameStop Uebernahme könnte GameStop neu erfinden – oder die Bilanz überdehnen.
eBay sollte viel mehr Geld wert sein – und wird es auch sein.— Ryan Cohen
Unterm Strich ist die GameStop Uebernahme einer der kühnsten M&A-Vorstöße des Jahres. Für Anleger zählt nun, ob aus der Offerte belastbare Finanzierung, Gespräche mit eBay und ein glaubwürdiger Integrationsplan entstehen. Die nächsten Tage dürften zeigen, ob Ryan Cohen nur provoziert oder tatsächlich die Grundlage für einen historischen Deal legt.



